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Kiel Nach Kronsburg kamen die Siedler
Kiel Nach Kronsburg kamen die Siedler
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08:31 21.08.2012
Von Ingrid Haese
Sommerfest mit der Trachtengruppe in Kronsburg.  Quelle: Haese
Kronsburg

Nicht zuletzt hält es auch der zuständige Ortsbeirat Wellsee/Kronsburg/Rönne mit der Trennung genauso, konzentriert sich auf die Kronsburger. Und noch eine Besonderheit: Von Poppenbrügge, Ortsteil von Moorsee, soll ebenso kurz die Rede sein. Denn aufgrund der regionalen Nähe zu Kronsburg wenden sich Bürger aus der Barkauer Straße und den Seitenstraßen mit ihren Sorgen und Wünschen an den für Kronsburg zuständigen Ortsbeirat, der ihnen selbstverständlich zur Seite steht. Zu guter Letzt kommt noch die 1964 gegründete Kreuzkirchengemeinde Kiel in der Barkauer Straße ins Spiel. Kirche, Gemeindezentrum und Kita sind für die Kronsburger ebenso wichtige Einrichtungen wie für ihre Nachbarn in Moorsee und Meimersdorf.

Das heutige Kronsburg entwickelte sich aus einem Siedlungsprojekt in der Weimarer Zeit heraus: Am 28. April 1919 gründeten 23 Kieler die „Eigenheimansiedlung Kronsburg e.G.m.b.H. zu Wellsee bei Kiel“. Noch heute erinnert ein Gedenkstein im Kieler Kamp an den Gründungstag der Siedlergenossenschaft. Und diese fand damals sehr schnell weitere Gleichgesinnte, die den Traum vom eigenen Heim träumten. Schon zwei Wochen nach ihrer Gründungsversammlung gehörten ihr über 300 Mitglieder an. Der Landbesitz lag anfangs bei 30 Hektar, vergrößerte sich aber schnell durch Landankäufe bei Wellseer Bauern auf 70 Hektar. Die ersten Ein- und Zweifamilienhäuser wurden 1921 und 1922 am Kieler Kamp errichtet. Bis 1928 standen 98 Häuser. Die Siedler setzten damals auf Selbstversorgung. Auf den rund 2000 Quadratmeter großen Grundstücken pflanzten sie Gemüse und Obst an, bei Bedarf außerdem den „Siedlerstolz“ genannten Tabak. Gänse, Hühner, Kaninchen und Schweine liefen in den Ställen umher, landeten irgendwann als Mahlzeiten auf dem Teller.

Wenn die Kronsburger nicht gerade mit Brötchenverdienen, Haushalt und Kindererziehung beschäftigt waren, hatten sie Zeit fürs Vergnügen. Wer Lust hatte, konnte sich im 1927 gegründeten Sportverein Kronsburg fit halten. Ab 1929 nutzten die Freizeitsportler einen Sportplatz am Fettberg, den ihnen die Siedlergenossenschaft zur Verfügung gestellt hatte. Neun Jahre später wurde daneben das Sportheim gebaut, 1970 und 1983 kamen Mehrzweckräume hinzu. Im November 1998 feierten die Sportler die Einweihung eines Hallenanbau. Die Sporthalle am Fettberg 15 wird nicht nur von Vereinsmitgliedern genutzt, sondern ebenso von den Kindern der benachbarten Grundschule. Seit 2004 gibt es den Sportverein Kronsburg in seiner alten Form nicht mehr. Er fusionierte mit dem Sportclub Meimersdorf, heißt seither Sport- und Spielgemeinschaft Rot-Schwarz Kiel. Der Verein bietet 20 Sportarten an und organisiert seit Jahren zur Kieler Woche das Stadtteilfest, das in dieser Saison auf dem Kieser-Gelände gefeiert wurde.

Wichtig für das Wohnquartier ist die Grundschule Kronsburg, die 1950 eingeweiht wurde. Architekt Rudolf Schroeder konzipierte den in Pavillonbauweise errichten und unter Denkmalschutz stehenden Altbau aus rotem Backstein. Die Einweihung für den Erweiterungsbau feierten Eltern, Schüler, Lehrkräfte und Vertreter aus Verwaltung und Politik 1976. Wer sich auf die Spuren des Bildhauers Alwin Blaue begeben möchte, wird auf dem Schulgelände fündig: Seine „Rehgruppe“ aus Muschelkalk thront an der Treppe zum Pausenhof. Auf dem Platz gibt es noch dazu einen Brunnen, den Blaues bronzene Fischplastik schmückt.

In Kronsburg leben junge Familien neben Alteingesessenen. Klaus Hübenbecker ist seit 1938 im Fahrenkuhl zu Hause, seine Frau Anni seit 1960. Beide kennen Kronsburg wie ihre Westentaschen. „In den Fünfzigerjahren gab es Bäcker, Frisöre, im Reesenberg hatten wir zum Beispiel zwei Schlachter, einen Konsum und einen Kiosk“, erinnert sich Anni Hübenbecker. Ab 1960 habe es eine fahrbare Zweigstelle der Kieler Spar- und Leihkasse gegeben, 1973 sei die Zweigstelle im Kuhlacker eröffnet worden. In den Achtzigerjahren habe dann der Schwund begonnen. Die Ladenbesitzer hätten nach und nach aufgegeben. „Zum Einkaufen fahren die Leute heute nach Elmschenhagen oder in die Stadt“, sagt Klaus Hübenbecker. So ändern sich die Zeiten.

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