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Kiel Wenn Legastheniker studieren
Kiel Wenn Legastheniker studieren
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22:32 20.02.2018
Von Annette Göder
Expertin in eigener Sache: Wiebke Mundt, die an der CAU Englisch und Sport studiert und selbst von Legasthenie betroffen ist (rechts), zeigt Andrea Meier-Behling vom Kieler Verein „Lesen – Schreiben – Rechnen“, was sie im Fremdsprachen-Förderunterricht jungen Schülern vermittelt. Quelle: Annette Göder
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v Sonja Borowski hatte in der Schule große Probleme mit Lesen und Schreiben. Ein Gutachten stufte sie als Legasthenikerin ein. Heute studiert sie nach einem Bachelor in Sozialer Arbeit an der Fachhochschule Kiel (FH) den darauf aufbauenden Masterstudiengang. In Schleswig-Holstein gibt es einen Nachteilsausgleich bis zum Abitur, und wer im Studium weiterhin davon profitieren möchte, benötigt in der Regel ein neues Gutachten. Der Studentin wurde nach einem erneuten Test eine Restsymptomatik bescheinigt: „Mit dem Lesen habe ich keine Probleme mehr, aber ich schreibe langsamer als andere, da ich länger über die Worte nachdenke“, sagt sie. „Auch beim Satzbau bin ich unsicher.“

 Es ist erforderlich, für jede Klausur oder Hausarbeit einen Antrag an das zuständige Prüfungsamt zu stellen. Dort wird über den Nachteilsausgleich entschieden. Bislang erhielt die Studentin so die Möglichkeit, mit einer Zeitverlängerung von einer Stunde gemeinsam mit anderen Betroffenen in einem Extra-Raum ihre Klausuren zu schreiben. „Das hat mir sehr geholfen, denn ich muss mich mehr konzentrieren als andere“, sagt die 25-Jährige. „Zunächst wurde auch die Rechtschreibung in meinen Hausaufgaben nicht gewertet, doch seit dem fünften Semester wurde der Antrag zurückgewiesen“, erzählt die Studentin, die sich an die zuständige Beratungsstelle der FH wandte. LRS ist an den Hochschulen im Behindertenbereich angesiedelt. Prof. Roswitha Pioch, an der FH Kiel Beauftragte für Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen, erklärt, dass von allen Studenten, auch von Nicht-Deutsch-Muttersprachlern, erwartet würde, dass eine Hausarbeit in korrekter deutscher Rechtschreibung abgegeben werde. Man könne die Arbeit Dritten zum Gegenlesen geben, Rechtschreibprogramme des Computers nutzen oder auch ein Korrekturbüro beauftragen.

Rechtsanspruch auf Nachteilsausgleich

 „Eine mangelhafte Rechtschreibung und Fehler im Satzbau können einen Abzug in der Note geben“, weiß Studentin Sonja Borowski. Sie hat lange Zeit die Gruppe „Junge Aktive“ im Bundesverband für Legasthenie und Dyskalkulie geleitet, in der sich rund 60 junge Erwachsene organisiert haben, davon nach Schätzungen der Kielerin ungefähr ein Drittel Studenten. „Von Bundesland zu Bundesland, Hochschule zu Hochschule und Prüfungsamt zu Prüfungsamt gibt es gravierende Unterschiede im Umgang mit LRS“, sagt sie. „Manche Betroffenen bekommen nur 15 Minuten Zeitverlängerung.“ Andrea Meier-Behling, die im Verein „Lesen – Schreiben – Rechnen“ für die Erwachsenendiagnostik zuständig ist, erklärt: „Studierende haben einen Rechtsanspruch auf Nachteilsausgleich, aber nicht auf eine bestimmte Form des Ausgleichs.“

 Die Palette an Hilfsmöglichkeiten sei groß, erläutert die Vorsitzende des Landesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie Schleswig-Holstein, Sigrid Sabrowski. So könne ein Tausch von schriftlichen gegen mündliche Prüfungen infrage kommen. Hakt es bei der Lesegeschwindigkeit, können eine Vorlesesoftware oder Multiple-Choice-Fragen helfen. Der Nachteilsausgleich soll den Legasthenikern keinen Vorteil verschaffen, sondern Chancengleichheit herstellen. „Gerade bei Stress wirkt sich die Schwäche aus“, sagt Sabrowski.

 Das kann Wiebke Mundt bestätigen, deren Lese-Rechtschreib-Schwäche in der Schule bescheinigt wurde. Sie studiert im dritten Semester an der Kieler Uni Englisch und Sport auf Lehramt. „Beim Lesen habe ich die Probleme überwunden, aber ich brauche mehr Zeit zum Schreiben.“ Bis vor Kurzem wusste sie jedoch nicht, dass auch Studenten mit LRS einen Anspruch auf Nachteilsausgleich haben. „Das ist viel zu wenig bekannt“, sagt die 22-Jährige.

Die Preview des 31. Kieler "Tatort" füllte spielend den Saal im Metro-Kino in der Holtenauer Straße in Kiel. Einmal mit Axel Milberg gemeinsam Borowski gucken - das hatte schon was. Besonders bei diesem, der bei allem Morden die schönen Seiten des Landes fast so ausstellt wie ein guter Imagefilm.

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