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Kiel Anwohner fühlen sich von Kurden gestört
Kiel Anwohner fühlen sich von Kurden gestört
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08:54 16.03.2018
Von Karen Schwenke
Nach nächtlichem Lärm, nun stummer Protest in der Kieler Ratsversammlung: Kurden demonstrieren gegen türkische Militäroffensive in der nordsyrischen Stadt Afrin. Quelle: eis - Thomas Eisenkrätzer
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Kiel

Während der Ratsversammlung warb gestern eine kurdische Gruppe um Solidarität mit den Kurden in der nordsyrischen Stadt Afrin. In weißen Hemden mit der blutroten Aufschrift Afrin standen sie auf der Tribüne des Ratssaals. Zuvor hatte der Kieler Stadtpräsident Hans-Werner Tovar eine Delegation im Rathaus empfangen.

Anwohner fragt, warum die Kurden nicht tagsüber demonstrieren

Bereits in der Nacht zu Donnerstag zwischen 22 und 0.30 Uhr zogen rund 200 Demonstranten vom Kieler Hauptbahnhof über Sophienblatt, Ringstraße, Schützenwall, Exerzierplatz, Knooper Weg, Mittelstraße, Holtenauer Straße, Bergstraße, Lorentzendamm, Wall und Kaistraße bis zum Platz der Matrosen. Diese Veranstaltung war laut Polizeisprecher Matthias Felsch nicht angemeldet, wurde aber von der Polizei mit Fahrzeugen begleitet. Bei der Polizei und beim Ordnungsamt gingen mehrere Beschwerden von Anwohnern ein, die sich in ihrer Nachtruhe gestört fühlten. Auch in der Redaktion der Kieler Nachrichten meldeten sich Leser. Einige erkundigten sich, worum es bei den Protesten eigentlich ging; andere wollten ihrem Ärger Luft machen. Sie fühlten sich wie Felix Radzuhn, Anwohner in der Bergstraße 5, „durch den Lärm mitten in der Nacht extrem gestört. Das war so laut wie ein Spielmannszug. Davon wäre jeder aufgewacht.“ Er verstehe nicht, wieso das Recht einiger Demonstranten schwerer wiege, als das Recht der vielen Anwohner. „Ich bin ja auch dagegen, dass die Türkei in ein anderes Land einfällt. Aber kann nicht tagsüber demonstriert werden?“

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"Wir telefonieren während die Bomben fallen"

Ein Kurdensprecher zeigte Verständnis für die Beschwerden der Anwohner: „Es ist uns peinlich, wir wollen die Leute nicht stören. Aber wir sind unsichtbar. Wir müssen sichtbar werden. Und wir sehen keine andere Möglichkeit, uns Gehör zu verschaffen. Unter uns sind Familien aus Afrin, wir telefonieren mit den Angehörigen in Syrien, während dort die Bomben fallen. Für uns ist das auch nicht leicht, jede Nacht rauszugehen. Aber wir werden weitermachen, solange Afrin bombardiert wird.“

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