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Kiel Jürgen Resch, der oberste Dieseljäger
Kiel Jürgen Resch, der oberste Dieseljäger
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21:16 22.08.2017
Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, ist Deutschlands Diesel-Jäger Nummer eins". Quelle: Kay Nietfeld/dpa
Kiel

Manchmal wirkt es, als wolle Umwelthilfe-Chef Jürgen Resch es ganz allein mit der Autobranche aufnehmen. Leidenschaftlich kämpft der 57-Jährige für saubere Luft. Dann ist er komplett in seinem Element.

Etwa beim Dieselgipfel Anfang August: Während Autobosse und Politiker zusammensitzen und um Lösungen in der Dieselkrise ringen, steht der weißhaarige Umweltschützer vor einem gewaltigen aufblasbaren Auto mit der Aufschrift „Dieselabgase töten!“. Sein Tonfall, seine Haltung und seine Ausdauer erinnern an die eines Propheten.

Kampf um saubere Luft in Städten

„Die letzten zwei Jahren sind ein Ausnahmezustand“, sagt er. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), deren Geschäftsführer er ist, hat sich mithilfe von Abgasmessgeräten und Gerichtsprozessen an die Spitze derer gestellt, die für saubere Luft in Städten sowie realistische Angaben zu Spritverbrauch und Abgas kämpfen. Ihre Gegner sehen sie in den Chefetagen der Autokonzerne – und im Kanzleramt.

Im Bundesumweltministerium nennt jemand Resch schmunzelnd „die wahre Opposition“. In einem großen Industrieverband heißt es: „Sorry, wenn ich den Namen höre, sehe ich rot.“ Der 57-Jährige polarisiert, ist nie verlegen um klare Worte – Betrug, Kartell, organisierte Kriminalität und vor allem: Skandal.

Auf der Suche nach Verstößen - auch in Kiel

Die Umwelthilfe ist in erster Linie juristisch aktiv, auch in Kiel prüft sie jetzt wegen zu hoher Stickstoffdioxid-Werte eine Klage. Fünf Mitarbeiter sind ständig auf der Suche nach Verstößen gegen Umweltvorschriften und verschicken Abmahnungen. Mit diesem Geschäft nimmt die Umwelthilfe Millionenbeträge ein. Die Kritik, man sei ein „Abmahnverein“, weist Resch zurück: „Wir kontrollieren die Einhaltung umweltbezogener Verbraucherschutzvorschriften und scheuen uns nicht, notfalls Verstöße vor Gericht und in die Öffentlichkeit zu bringen.“

Mitglied der Grünen ist er nicht, er nennt sich „parteipolitisch neutral“. Den Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann duzt er seit Jahren. Dennoch nennt Resch den Regierungschef von Baden-Württemberg eine „Geisel“ der Autoindustrie.

Der DUH-Chef ist bestens vernetzt in der Umweltbranche, rühmt sich zudem seiner Kontakte in Autoindustrie und Bundesregierung. „Wir haben viele Dutzend Whistleblower“, sagt er. Viele Ingenieure verzweifelten daran, dass ihre Konzepte zur Reduktion von Abgasemissionen abgelehnt würden. „Wem deshalb innerlich das Messer aufgeht, gibt uns häufig einen wichtigen Tipp für unsere Arbeit“, sagt Resch. Als David im Kampf gegen Goliath sieht er sich nicht: „Wir agieren juristisch und inhaltlich auf Augenhöhe mit Industrie und Politik.“

Von Teresa Dapp

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