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Kiel Einstein war relativ gern in Kiel
Kiel Einstein war relativ gern in Kiel
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09:57 15.09.2015
Von Alev Doğan
Albert Einstein stellt seine Relativtätstheorie vor. Heute vor 95 Jahren tat er genau das auf Einladung der Gewerkschaften in Kiel. Quelle: hfr
Kiel

Albert Einstein und Kiel – eine ambivalente Beziehung. So oder so ähnlich könnte die Überschrift der Einstein’schen Begegnungen mit der Fördestadt lauten. Er sei ein begeisterter Segler gewesen. Das bezeugen zahlreiche Fotografien und Briefe. Am Schwentineufer gab es eine Jolle eigens für seinen Bedarf, die er jederzeit zu Fahrten auf der Förde nutzen konnte. Von 1915 bis 1926 war er regelmäßig in Kiel. Zumeist handelte es sich um Arbeitsbesuche, doch entwickelte sich mit der Zeit auch eine Affinität des in Ulm geborenen Nobelpreisträgers zum Norden.

 Dreh- und Angelpunkt dieser Verbindung: Hermann Anschütz-Kaempfe und sein Kreiselkompass. Im Rahmen eines Patentstreits, den die Firma Anschütz gegen den Amerikaner Elmer Ambrose Sperry führt, wird Albert Einstein 1914 als Gutachter bestellt. Im Juli 1915 kommt Einstein, zu der Zeit Leiter des Berliner Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physikalische Chemie, das erste Mal nach Kiel, um den Sperry-Kreisel auf dem Gelände der Kaiserlichen Marine zu untersuchen. Das Ergebnis dieser ersten Einstein-Anschütz-Zusammenarbeit ist der Prozesssieg gegen Sperry sowie eine langjährige berufliche und private Freundschaft. Einstein wird ein Freund der Familie, Gutachter für die Firma Anschütz und wirkt an wesentlichen Verbesserungen des Kompasses mit.

 Bei seinen Aufenthalten in Kiel ist Einstein – oft in Begleitung seiner Familie – Gast im Hause Anschütz in der Bismarckallee 24. Nach einem seiner Aufenthalte in Kiel schreibt er in einem Brief an Anschütz: „Das war eine schöne und hoffnungsfrohe Woche in Kiel in Ihrem Märchenhause (...) die wundervolle Landschaft, das Segeln beneidenswert.“ Als Anschütz das Haus 1922 aufgibt, beabsichtigte Einstein, sich eine eigene Unterkunft in Kiel zuzulegen. Seine Überlegung liegt nicht zuletzt an der politisch aufgeheizten Stimmung in Berlin. Im Juni 1922 verüben Angehörige einer rechtsextremen Organisation ein Attentat auf den jüdischen Außenminister Walther Rathenau in Berlin. In Folge seiner Ermordung fühlt sich Einstein in der Hauptstadt nicht mehr wohl. Eine Villa in Düsternbrook, erbaut von Herzog Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, soll es werden.

 Recht bald jedoch verwirft er wieder die Idee eines Umzugs nach Kiel. In einem Brief vom Juli 1922 an seinen Freund Anschütz schreibt er: „Denn die Kieler Bürger würden den Ankauf eines historisch so schwer belasteten Gebäudes durch einen Juden als provokatorischen Akt empfinden und sich irgendwie an mir rächen.“ Dass es für Menschen jüdischen Glaubens auch in Kiel schwierig war, spiegelt auch das damalige Verhalten der Uni wieder: „Wegen seines jüdischen Glaubens durfte Einstein nicht an der CAU in Kiel sprechen“, weiß Professor Lutz Kipp, Präsident der CAU. Einsteins letzter Ferienaufenthalt in Kiel, bevor er 1932 Deutschland verlässt, wird auf 1926 datiert.

Am Dienstag um 14 Uhr wird die Gedenktafel im Gewerkschaftshaus in der Legienstraße enthüllt. „Gemeinsam setzen CAU und DGB ein klares Signal für die Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Nie wieder darf es zu einer ideologischen – im Grunde menschenverachtenden – Ausrichtung und Haltung in unserer Gesellschaft kommen“, kommentiert Frank Hornschu, Regionsgeschäftsführer des DGB.

Buchtipp: Einstein, Anschütz und der Kieler Kreiselkompaß Broschiert – März 1995 von Dieter Lohmeier (Herausgeber), Bernhardt Schell (Herausgeber)

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