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Kiel Neue Krebstherapie am UKSH Kiel soll Kind retten
Kiel Neue Krebstherapie am UKSH Kiel soll Kind retten
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09:55 30.09.2019
Von Christian Trutschel
Am UKSH Kiel behandeln die Onkologen Prof. Gunnar Cario (Foto) und Prof. Claudia Baldus die ersten Patienten mit CAR-T. Quelle: Sven Janssen
Kiel

Eine neuartige Krebsimmuntherapie – CAR-T-Zelltherapie – wird zurzeit in wenigen Universitätsklinika und Krebszentren in Deutschland angewendet. Eines davon ist das UKSH Kiel. Dort konnte ein erwachsener Patient mit Lymphdrüsenkrebs zwölf Tage nach Gabe der Infusion bereits nach Hause entlassen werden. Bei einem Kind mit Akuter Lymphatischer Leukämie (ALL) wird jetzt mit der neuen Therapie begonnen.

Mit CAR-T dürfen in Deutschland ausschließlich Patienten mit Blutkrebs oder Lymphdrüsenkrebs behandelt werden, bei denen die bisher verfügbaren Krebstherapien – zum Beispiel Strahlentherapie, wiederholte Chemotherapie, allogene Knochenmarkstransplantation – nicht mehr wirken. Ihre Zahl geben der Verband der Ersatzkassen und der Verband der deutschen Uniklinika (VUD) mit 1200 bis 1400 pro Jahr an.

CAR-T-Präparate seit August 2018 in Deutschland zugelassen

Seit August 2018 sind zwei Präparate in Europa und damit in Deutschland zugelassen. Im ersten Jahr nach der Zulassung haben die Hersteller in Deutschland Preisfreiheit, erst danach müssen sie mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen niedrigere Preise aushandeln.

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Kommentar von Christian Trutschel

Die von Novartis und Gilead noch Anfang 2019 geforderten Preise lagen für beide Präparate nah beieinander und bei mehr als 320000 Euro. „Mindestens 275000 Euro pro Patient (zuzüglich Behandlungskosten)“ benannten vergangene Woche der Ersatzkassenverband, der VUD, die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie und die Deutsche Krebsgesellschaft in einer gemeinsamen Mitteilung.

„Kernforderung“, heißt es darin, „ist die Erprobung dieser risikoreichen und teuren Behandlungsverfahren zunächst in wenigen Innovationszentren, in der Regel Universitätsklinika, mit hohen Qualitätsstandards, festgelegt durch den Gemeinsamen Bundesausschuss.“

UKSH Kiel wendet CAR-T-Therapie an

Am UKSH Kiel behandeln die Onkologen Prof. Claudia Baldus und Prof. Gunnar Cario die ersten Patienten mit CAR-T. Baldus, zuvor 20 Jahre an der Berliner Universitätsklinik Charité tätig, ist seit einem Jahr Direktorin der UKSH-Klinik für Innere Medizin II, Hämatologie und Onkologie. Cario ist stellvertretender Direktor der Kinik für Kinder- und Jugendmedizin I.

CAR-T-Zelltherapie

Bei der neuen Form der Immuntherapie werden T-Abwehrzellen der Patienten im Labor gentechnisch modifiziert und „scharf geschaltet auf B-Zellen“, so Claudia Baldus. Der Aufwand ist immens. Die dem Patienten entnommenen T-Zellen müssen tiefgefroren, in die USA geflogen, dort nach der Gen-Modifizierung und „Scharfschaltung“ erneut tiefgefroren und wieder zurückgeflogen werden, um schließlich dem Patienten per Infusion verabreicht zu werden. Als „living drug“ (lebende Arznei) sollen die aufgerüsteten T-Zellen im Patienten anwachsen, sich vermehren und seine Krankheit unter Kontrolle halten.

Sechs bis acht Wochen dauert es von der Entnahme bis zur Rückgabe der T-Zellen. Die Herausforderung ist, den Patienten während dieser Zeit am Leben zu erhalten. Zwei bis drei Wochen dauert die Genehmigung.

Kostenübernahme muss bei Krankenkasse beantragt werden

Die beiden Medikamente – Kymriah von Novartis, Yescarta von Gilead – sind noch nicht ins deutsche Fallpauschalensystem eingepreist. Für jeden einzelnen Patienten muss die Kostenübernahme bei dessen Krankenkasse beantragt werden.

Diese prüft, ob die klaren Kriterien für den Einsatz tatsächlich erfüllt sind. „Die Kassen bearbeiten diese Anträge vorrangig“, sagt Gunnar Cario.

Erstaunlicher Besserung - aber auch tödliche Nebenwirkung

Bei bis zu 50 Prozent der schwerstkranken Patienten, die eines der Mittel bekamen, trat eine erstaunliche Besserung ein – doch es gab auch tödliche Nebenwirkungen. Die per Infusion verabreichten T-Zellen seien „maximal aktiv“, erklärt Claudia Baldus, „sobald sie auf den Feind treffen“. Der dadurch ausgelöste „Zytokin-Sturm“ führe zu hohem Fieber, einer Beeinträchtigung von Atmung und Blutdruck und könne lebensbedrohlich überschießen.

„Wir müssen Erfahrungen machen, welcher Patient davon deutlich profitiert“, sagt Prof. Baldus. „Für Einzelne besteht eine realistische Chance der Heilung.“ Der erwachsene Patient ihrer Klinik würde ohne die Therapie nicht mehr leben.

Während der Zeit des Wartens auf die Gen-Modifikation seiner T-Zellen in den USA mussten Klinik und Patient um jeden Tag Leben kämpfen, unter anderem mit einer Strahlen- und einer Antikörpertherapie. Auf Chemotherapie sprach sein Lymphom nicht an. Zum Zeitpunkt der Infusion war sein aggressiver Lymphdrüsenkrebs bereits zu einem fußballgroßen Tumor im Bauchraum angewachsen.

CAR-T-Therapie in Kiel: "Es ist für uns Neuland"

Nach der Rückgabe seiner „scharf geschalteten“ T-Zellen habe der Patient keine Nebenwirkungen gehabt, berichtet Baldus. Zwölf Tage später wurde er mit einem etwa apfelgroßen Tumor entlassen. Jede Woche kommt er zur Kontrolle in die Ambulanz der Klinik.

„Es ist für uns Neuland“, sagt die Krebsspezialistin vorsichtig. Sie erwartet, dass sich „aus dieser neuen Therapiemodalität noch viele Perspektiven ergeben werden, auch außerhalb der Onkologie“.

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