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Kiel Forscher überlisten Krankenhauskeime
Kiel Forscher überlisten Krankenhauskeime
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10:00 18.09.2018
Von Martina Drexler
Dr. Roderich Römhild, Erstautor der Studie, zeigt ein Laborfläschchen mit dem  Krankheitserreger Pseudomonas aeruginosa, der den grünen Farbstoff Pyocyanin bildet. Quelle: Christian Urban, Universität Kiel
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Kiel

Die Weltgesundheitsorganisation warnt schon seit Jahren davor: Scheinbar harmlose Bakterieninfektionen könnten sich in den Industrienationen zu den häufigsten Todesursachen entwickeln, weil immer mehr Antibiotika ihre Wirkung verlieren.

Studie befasste sich mit dem Krankenhausbakterium Pseudomonas aeruginosa

Forschungsgruppen des Kiel Evolution Center an der Universität, am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön und an der schwedischen Universität Uppsala machten sich jetzt ein simples Prinzip zunutze: Auf die kurze Gabe eines bestimmten Präparates folgt anschließend die Anwendung eines weiteren Antibiotikums mit einer anderen Wirkungsweise. Am Beispiel des Bakteriums Pseudomonas aeruginosa, das zu den gefährlichen Krankenhauskeimen gehört, erprobten die Kieler Forscher den Wechsel zwischen unterschiedlich wirkenden Medikamenten. Das Spektrum an Krankheiten, die durch diese Boden- und Wasserkeime verursacht werden, ist umfangreich. Das häufigste Erscheinungsbild sind Lungenentzündungen.

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Wirkung entfaltet sich in der Therapie trotz möglicher Resistenzen

Ein kurzer Behandlungsimpuls mache den Keim anfällig, erklärte Prof. Hinrich Schulenberg, Leiter der Arbeitsgruppe Evolutionsökologie und Genetik: „Das zweite Antibiotikum erledigt gewissermaßen den Rest und tötet die verbleibenden Krankheitserreger ab.“ Zudem habe die Arbeit beweisen können, dass der Effekt auch eintreten könne, wenn Keime resistent gegen das erste Antibiotikum seien. Die Ursache für den Erfolg der sogenannten Sequenzbehandlung liegt im zellulären Gedächtnis der Krankheitserreger. „Durch das erste Antibiotikum wird quasi eine Tür geöffnet, die dem zweiten Antibiotikum leichteren Eintritt verschafft“, erläutert Erstautor Dr. Roderich Römhild, wissenschaftlicher Mitarbeiter in Schulenbergs Arbeitsgruppe.

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