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Kiel Hier muss niemand hungern
Kiel Hier muss niemand hungern
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07:23 02.01.2015
Von Christoph Jürgensen
Koch Hauke Jensen (mit Bufdi Katharina Kohn) steht in der Obdachlosenküche an St. Heinrich am Herd. Quelle: Christoph Jürgensen
Kiel

„Hier ist täglich der Tisch der Nächstenliebe gedeckt“, sagt Torsten Hensler, der die Einrichtung leitet. An sieben Tagen in der Woche bietet der Speisesaal Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, ein kostenfreies Frühstück und Abendbrot, das Mittagessen kostet einen symbolischen Euro. Hier werden sie akzeptiert und respektiert, wie sie sind, finden Geborgenheit, Beratung, Betreuung und eine geradezu familiäre Atmosphäre. In der Küche führt Koch Hauke Jensen das Regiment, unterstützt von einer Beiköchin und Ehrenamtlichen wie Katharina Kohn, die hier ihren Bundesfreiwilligendienst leistet. Sie versorgen regelmäßig über 50 Gäste. Nur sonntags hat Jensen frei. Dann liefert seit jeher die benachbarte Forstbaumschule das Essen.

 Angefangen hatte alles damit, dass an der St. Heinrich-Kirche Essensgutscheine an Bedürftige ausgegeben wurde. Irgendwann verlagerte man die Essensausgabe dann direkt ins Gemeindehaus. Unter dem damaligen Pastor Klaus Warning wurde dieses Angebot zur Institution: Am 20. September 1998 konnten der Speisesaal und die Obdachlosenküche offiziell eingeweiht werden. Die Arbeit mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen ist – auch durch die bereits bestehende Kleiderkammer und eine Notunterkunft – zum festen sozialen Schwerpunkt der St. Heinrich-Gemeinde geworden

 Ohne das Engagement vieler Ehrenamtlicher wäre das Projekt Speisesaal nicht möglich. Die St.Heinrich-Gemeinde selbst startet immer wieder Aktionen und Spendensammlungen, gerade die Jugend setzt sich sehr dafür ein. Aber auch die Emmausgemeinde unterstützt den Speisesaal mit Lebensmittellieferungen. Und die Kirchengemeinde Holtenau startet zu Weihnachten traditionell eine Schuhkarton-Aktion für die Besucher des Speisesaals.

 All diese konkrete Hilfe wird dringend gebraucht. 2013 wurden allein über 8000 Mittagessen ausgegeben, die Kleiderkammer hatte 378 Nutzer, und die Notunterkunft wurde 380 Mal in Anspruch genommen. Armut finde sich mitten in der Gesellschaft, berichtet Klaus Byner, stellvertretender Vorsitzender des neuen Fördervereins: „Es gibt viele Menschen, die durch alle sozialen Netze fallen.“ Der frisch gegründete Förderverein hat sich zur Aufgabe gemacht, weitere Aktive zu finden, die den Speisesaal mit betreuen, und Spenden zu akquirieren, die den Gästen unmittelbar zugutekommen.

 Landtagspräsident Klaus Schlie hat die Schirmherrschaft über den Verein übernommen. Im Speisesaal sei der Funke der christlichen Nächstenliebe zu spüren, sagte er. Er wolle diese wichtige Arbeit, die oft im Stillen stattfinde, voranbringen und persönlich in die Öffentlichkeit tragen. Eine Bitte hat Schlie bereits mitgenommen: Die Kleiderkammer benötigt im Moment vor allem Jeanshosen und winterfeste Schuhe.