Neues Hotel in Kiel testet Bewerber: Andrang beim Casting für "me & all"
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Kiel Andrang beim Casting für das "me & all"-Hotel in Kiel
Kiel Andrang beim Casting für das "me & all"-Hotel in Kiel
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16:34 18.01.2020
Von Heike Stüben
Da war Teamarbeit gefragt: Beim Casting für die Hoteljobs bei "me & all" mussten die Bewerber in der Lille-Brauerei Hand mit Seilen das Logo des Hotel auf dem Boden  nachbilden.
Da war Teamarbeit gefragt: Beim Casting für die Hoteljobs bei "me & all" mussten die Bewerber in der Lille-Brauerei Hand mit Seilen das Logo des Hotel auf dem Boden  nachbilden. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Kiel

Der Andrang im Vorfeld sei groß gewesen, sagt Catherine Bouchon von der Lindner-Hotel AG. Man habe eine Auswahl treffen müssen. Die, die es geschafft haben, tummeln sich jetzt zwischen Bierkästen und Braukessel und ergeben in jeder Beziehung eine bunte Mischung. Sie sind zwischen 18 und 60 Jahre alt, sind Quereinsteiger, aber auch bekannte Gesichter aus der Kieler Hotelszene.

Sie kommen aus Schleswig-Holstein, Hamburg und vereinzelt auch von weit her. So wie eine 54-Jährige die seit Jahren in der Hotellerie in Spanien arbeitet, aber gerne nach Kiel zurückkehren würde. Oder wie Tanja Taniewski aus Mannheim. Die 29-Jährige hat Personalmanagement studiert. "Ich habe mich gefragt, warum ich nicht das mache, wofür mein Herz schlägt und das ist die Hotelbranche. Außerdem hat mich das Konzept hier so angesprochen, dass ich unbedingt heute dabei sein wollte.“ Ein Satz, der an diesem Tag immer wieder fällt.

Das Wohnzimmer von Kiel

Das Konzept von "me & all-Hotels beschreibt die künftige Kieler Hotelchefin Lina Wolf so: "Wir wollen, dass sich Gäste und Mitarbeiter auf Augenhöhe begegnen. Das Hotel soll das Wohnzimmer von Kiel werden, hier sollen zwanglos Kontakte zwischen Hotelgästen und Einheimischen entstehen.“ Und um das typische Kiel-Gefühl zu vermitteln, seien authentische, offene und inspirierenden Mitarbeiter von zentraler Bedeutung.

"Das findet man aber nicht bei den traditionellen Bewerbungsgesprächen heraus und sieht man auch nicht am Zeugnis. Beim Casting können wir erleben, wie die Menschen wirklich sind, wie sie im Team arbeiten, mit ungewohnten Situationen umgehen. Die Erfahrung in unseren anderen Hotels zeigt, dass wir mit dieser Art der Personalauswahl später eine geringere Fluktuation haben“, sagt Lina Wolf und wie auf Knopfdruck tanzt eine Polonaise vorbei. Eine der Aufgaben, die in insgesamt vier Workshops zu bewältigen ist, lautet: Motivieren sie Ihre Kollegen dazu, mit ihnen eine Polonaise zu tanzen.

Bildergalerie: So soll das "Me and All"-Hotel aussehen

So sieht die Inneneinrichtung des Hotels aus,

Bewerber unter Beobachtung 

Währenddessen solle die Bewerber in einem anderen Workshop aus Seilen das Logo des neuen Hotels auf dem Fußboden formen. Dabei wird die Arbeit immer wieder von der Teamleiterin torpediert. Mal wirft sie die Aufgabenstellung um, dann trampelt sie durch die sorgsam drapierten Seile und kürzt dann auch noch die Zeitvorgabe.

Währenddessen sind die Bewerber genau unter Beobachtung: Verhalten und Äußerungen werden protokolliert und entscheiden am Ende darüber, wer die 18 Stellen erhält.

Die Bewerber lässt das kühl. Alle haben sofort durchschaut, dass mit der Aufgabe die Stressresistenz geprüft werden soll. Also reagieren sie unbeeindruckt und erledigen im Team die Aufgabe so gut es geht.

Casting ist nicht Arbeitsalltag

"Wir waren nahe dran, einen Betriebsrat zu gründen“, scherzt nachher ein Teilnehmer. Und ein anderer meint: "Das ist natürlich ganz lustig und macht auch Spaß. Aber das hier ist das Casting. Das Hotel und die alltägliche Arbeit sind nicht nur räumlich davon ein paar Kilometer entfernt.“

Dennoch würde auch der 44-Jährige gerne aus seiner heutigen Leitungsposition in der Hotellerie den Sprung ins "me & all“ wagen. „Gerade die gehobene Hotelbranche ist konservativ. Wenn Du dich da bewirbst, sitzt du im Assessment-Center irgendwann zehn Leuten gegenüber und sollst so tun, als wenn du einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufst. Das funktioniert heute einfach nicht mehr.“

Rohdiamanten für die Gastronomie

Auch Margit Haupt-Koopmann, Vorsitzende der Geschäftsführung bei der Regionaldirektion Nord, hält Flexibilität und Kreativität von allen Beteiligten für unerlässlich, damit Gastronomie und Hotellerie ihren Personalbedarf in Zukunft noch decken können. Ihr Rat an Firmen- und Personalchefs: "Schauen Sie sich auch Arbeit- und Ausbildungssuchende an, die Sie nicht auf den ersten Blick überzeugen. Speziell Menschen ‚mit Ecken und Kanten‘, die ich bei jeder Gelegenheit als ‚Rohdiamanten‘ bezeichne, bilden ein Potenzial, dass ‚gehoben‘ werden sollte.“

Rohdiamanten? Da fühlen sich an diesem Tag durchaus viele in der Lille Brauerei angesprochen. Ob das reicht, werden sie nächste Woche erfahren: Da will Hotelchefin Lina Wolf die Gewinner des Castings persönlich anrufen. Anschließend werden sie in den anderen „me & all“-Hotels eingearbeitet. Und im Juni soll dann der Hotelbetrieb an der Kaistraße in Kiel starten.

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