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Kiel Jetzt wohnen Azubis fast wie im Hotel
Kiel Jetzt wohnen Azubis fast wie im Hotel
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10:30 09.08.2019
Von Jürgen Küppers
Sie nahmen die neuen Appartements schon mal in Augenschein, bevor die Azubis am Sonntag einziehen (v.li.): Renate Treutel (Bildungsdezernenten), Kerstin Dietrich (Internatsleiterin) Jan und Claudia Edsen (Wohnungsvermietung West). Quelle: Björn Schaller
Kiel

Nach dem Unterricht schnell nach Hause: Für rund 600 Jugendliche, die an einem der vier Regionalen Berufsbildungszentren (RBZ) theoretische Grundlagen ihrer künftigen Berufe büffeln, gilt diese Selbstverständlichkeit nicht – zumindest zeitweise. Denn diese angehenden Mechaniker, Elektroniker, Industriekaufleute, Gärtner oder Köche kommen von weit her nach Kiel: aus dem gesamten Norden bis hin nach Niedersachsen.

Damit sie während ihres RBZ-Blockunterrichtes ein Dach über dem Kopf haben, stellt die Stadt ihnen für diese Zeit Wohnraum zur Verfügung. Am kommenden Sonntag beziehen nun die ersten Azubis ihre Zweibettzimmer im neuen Internat an der Hummelwiese.

Alle Zimmer haben eigene Küchen und Bäder

Im Inneren des kieltypischen Backsteinbaus liegt noch Neubaugeruch in der Luft – von Kleber, Farbe und neuen Möbeln. Wie ein „Wohnheim“ wirken die insgesamt 60 Appartements mit jeweils rund 20 Quadratmeter Größe nicht – eher wie Hotelzimmer der Dreisterne-Kategorie.

Alle Doppelzimmer verfügen über eigene (Dusch-)Bäder mit Toilette, eine Pantry-Küche zur Selbstverpflegung inklusive Kühlschrank, Mikrowelle zwei Kochplatten plus kostenfreiem WLAN. Bodenlange Fenster lassen jede Menge Licht in die weiß gestrichenen Räume mit den hellgrauen Laminatböden.

Die Provisorien haben in Kiel jetzt ein Ende

So viel Komfort wie jetzt im neuen „Campus Corner“ stand „Auswärtigen“ der Kieler RBZ bislang allerdings nicht zur Verfügung. Viele Jahre lang mussten sie mit Provisorien vorlieb nehmen – entweder in eigens von der Stadt angemieteten Wohnungen oder im mittlerweile stark sanierungsbedürftigen Jugendhof Hammer, der aber 2015 im Zuge des starken Flüchtlingszuzugs als Internatsstandort aufgegeben werden musste.

Das wiederum erhöhte den Druck auf die Stadt, so schnell wie möglich Ersatz zu schaffen. Weil sie das aus eigener Finanzkraft aber nicht im nötigen Tempo schaffte, sprang die Big-Bau-Unternehmensgruppe ein, errichtete in knapp zwei Jahren Bauzeit für rund 10,5 Millionen Euro den „Campus Corner“ nach Plänen des Kieler Architekturbüros Ax5.

Meist übernehmen Kieler Betriebe Internatskosten

Die Stadt fungiert nun als Langzeitmieter (20-Jahre-Mietvertrag), zahlt pro Monat rund 26000 Euro Miete inklusive Heizung und Betriebskosten. „Der größte Teil des Geldes fließt aber wieder an die Stadt zurück, weil die Ausbildungsbetriebe in aller Regel die Internatskosten übernehmen“, betonte Kiels Bildungsdezernentin Renate Treutel bei der Vorstellung des neuen Gebäudes, in dem auf den oberen Etagen auch noch 35 Studentenappartements (350 Euro Monatsmiete inkl. Heizung und Nebenkosten) geschaffen wurden.

Aus Sicht von Renate Treutel hat das neue Internat aus mehreren Gründen große Bedeutung für die Stadt: Einerseits steigere es die Attraktivität des Berufsschulstandortes Kiel und seiner Ausbildungsbetriebe: „Außerdem ist das zentral gelegene Internat ein gutes Aushängeschild für die Stadt, das auswärtige Jugendliche motivieren kann, nach ihrer Ausbildung in Kiel zu bleiben.“

Am Sonntag ziehen die ersten Azubis ein

Wenn am Sonntag die ersten von ihnen einziehen, erwartet die Internatsleiterin Kerstin Dietrich nach eigenen Angaben eine „große logistische Herausforderung“. Schließlich hat das Internat für 600 Auswärtige nur 120 Betten zur Verfügung. Möglich ist das „Kunststück“ trotzdem: Denn die Schüler besuchen zu unterschiedlichen Zeiten ihren Blockunterricht an ihren Berufsschulen – und brauchen nur übergangsweise ein Bett im neuen Internat.

Das erste Azubi-Internat in Kiel entstand vor 40 Jahren

Das erste Azubi-Internat in Kiel nahm 1979 seinen Betrieb unter dem Namen „Schülerwohnheim“ am Königsweg auf und bot 41 Auszubildenden aus drei Berufen Platz. Nutzten damals rund 100 Jugendliche pro Jahr das Internat, sind es heute etwa 600 in mehr als 20 Ausbildungsberufen.

Auch der Jugendhof Hammer diente ab 1981 als Azubi-Internat, 2015 wurde der Standort aufgrund des Flüchtlingszuzugs in Kiel aufgegeben. Als Ersatz musste die Stadt Wohnungen anmieten.

2016 beschloss die Ratsversammlung einen Neubau mit 120 Internatsplätzen. Durch Konzentration an einem Standort sollten Arbeitsabläufe und Personaleinsatz konzentriert werden

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