Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Viel mehr als heiße Luft
Kiel Viel mehr als heiße Luft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:40 29.06.2014
Von Thomas Paterjey
Ein seltenes Erlebnis: Der Höhepunkt der Warteiner Balloon Sail ist der Night Glow, wenn die Ballone in der Nacht zum Takt der Musik leuchten sind zehntausende Besucher dabei. Nur wenn es fast windstill ist klappt das Spektakel. Mittwoch gelang es seit 2012 zum ersten Mal wieder. Quelle: sen
Anzeige
Kiel

„Leo, flackern!“, krächzt die Anweisung aus dem Funkgerät. „Thomas dazu! – Alle aus! – Jetzt alle brennen!“ Die elf Piloten in ihren Körben folgen dem Kommando sofort. „Brennen! Ihr seht sehr geil aus!“ Es ist eine ausgeklügelte Choreografie, mit der die Zuschauer des Nightglows unterhalten wurden. Feuerbälle ließen die Ballonhüllen im Takt zu den Musikklängen in der warmen Sommernacht erstrahlen.

 Lange musste das Publikum darauf warten, denn im vergangenen Jahr hatte das Wetter dem Spektakel einen Strich durch die Rechnung gemacht. Umso mehr freuen sich die Organisatoren Christoph Laloi und Thomas Oeding, dass die achte Ausgabe der Warsteiner-Balloon-Sail auf einen gnädigeren Wettergott trifft. Zwar kommt ausgerechnet dann etwas Wind auf, als die Dämmerung vom Sportfeld Besitz ergreift – doch diesem lauen Lüftchen können und wollen die Ballon-Enthusiasten trotzen. In Reih und Glied stellen die Piloten ihre Körbe ab und montieren ihre Hüllen an. Aufrüsten nennen sie das. Mit einem riesigen Ventilator blasen Oeding und seine Mannschaft Luft in die rund 1200 Quadratmeter Tuch, die Kiels Oberbürgermeister am Freitag stilecht mit der Flasche Bier des Hauptsponsors auf den Namen der Landeshauptstadt getauft hat. „Eine der tollsten Innovationen der Kieler Woche ist die Balloon-Sail“, schwärmt Kämpfer. „Es ist schon ein irrer Anblick, wenn man die Ballone am Himmel fahren sieht.“ Und auch am Boden seien die Heißluftballone der 70 teilnehmenden Teams längst zu echten Konkurrenten für die Schiffe bei der Windjammerparade geworden, fügt er mit einem Augenzwinkern an.

Anzeige

 Und dann stehen sie alle da, die flackernden Ballone in der Nacht – und der Zuschauer weiß, was der OB meint. Ihr Anblick ist wahrlich wunderschön. Gut 30 Meter ragen die Leuchtkugeln in den Himmel, alleine die Ballon-Adaption von Juri Gagarins Raumkapsel übertrumpft sie alle. Als die Musik einsetzt, raunt ein Chor von „Ah“ und „Oh“ über die Rasenfläche. Mal ist es ein bisschen wie Disko. Mal wiegen sich die Kielerinnen und Kieler zu Walzerklängen – und so manche Ballonhülle dreht sich mit. Wie passend, dass Schlagerstar Helene Fischer „Atemlos durch die Nacht“ singt, als zum Abschluss der Nightglows ein Höhenfeuerwerk aufblitzt.

 Zu diesem Zeitpunkt sind auch die Ballonfahrer aus ihren Körben geklettert und schauen sich die Pyro-Show an. Pilotin Ljudmila Samborskaja sitzt sichtlich zufrieden mit einer Handvoll Helfer (darunter auch Zuschauer, die wegen des Winds kurzerhand als Ballast verpflichtet wurden) auf der Hülle, die bis eben noch eine schwebende Dose Hundefutter imitierte.

 Nachdem die letzte Rakete abgefeuert ist, geht für sie die Arbeit noch einmal richtig los. Während sich die Besucher nach und nach auf den Heimweg machen, wird das erstaunlich schwere Textil zusammengerollt und in einem Auto-Anhänger verladen. Lange wird es dort aber nicht bleiben: Für heute und morgen planen die Veranstalter noch einmal Nightglows. Und mehrere Starts unter dem Ballonfahrer-Gruß „Glück ab und gut Land!“, denn die anmutigen Luftfahrzeuge sind vor allem dafür da, in luftige Höhen zu steigen.