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Kiel Seefahrer suchen Nachwuchs
Kiel Seefahrer suchen Nachwuchs
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18:31 05.05.2019
Von Frank Behling
Foto: Die Seefahrt sucht Nachwuchs und bietet Perspektive: mit moderner Technik auf Kreuzfahrtschiffen (Foto) oder klassisch auf Küstenfrachtern.
Die Seefahrt sucht Nachwuchs und bietet Perspektive: mit moderner Technik auf Kreuzfahrtschiffen (Foto) oder klassisch auf Küstenfrachtern. Quelle: Frank Behling
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Kiel

Die deutsche Seeschifffahrt hat keinen guten Ruf bei Schulabgängern. Gerade nach den Ausflaggungen der vergangenen Jahre wollen Schulabgänger lieber Berufe mit mehr Sicherheit. „Die Nachwuchsfrage ist deshalb eine der brennenden Fragen für uns“, sagt Kapitän Hans-Hermann Lückert, Vorsitzender des Nautischen Vereins zu Kiel. Seit Ausbruch der Schifffahrtskrise 2008 sinkt die Zahl der Schiffe unter deutscher Flagge – und damit auch die Zahl der Arbeitsplätze.

Auch an Land gibt es Jobs in der Seeschifffahrt

Gleichwohl bietet die aktuelle Lage Perspektiven, wie Lückert ausführt. „Neben dem Primärmarkt an Bord gibt es auch noch den Sekundärmarkt mit den ganzen Berufen an Land. Dort werden überall Menschen mit einem Patent benötigt“, so der Kapitän. In der maritimen Wirtschaft in Deutschland sind rund 400000 Menschen beschäftigt. Dazu zählen neben der Seeschifffahrt auch Schiffbau, Offshore-Anlagen, Häfen, Zulieferer und Meerestechnik. Aber auch Behörden wie die Wasserschutzpolizei, der Zoll oder die Schifffahrtsverwaltung.

Wie es konkret an den Hochschulen aussieht, wird in Kiel am Dienstag, 7. Mai, Kapitän Holger Jäde erläutern. Der Geschäftsführer der Berufsbildungsstelle Schifffahrt in Bremen will bei einem Vortragsabend des Nautischen Vereins Einblicke in die aktuelle Lage der Ausbildung geben. Durch die Automatisierung und die Digitalisierung erleben auch die Berufsbilder an Bord heute eine Veränderung. Beim 13. Bremer Schifffahrtskongress hatte Jäde gerade erst eine Bilanz gezogen.

Infoveranstaltung am Dienstag

„Es gibt immer noch genügend Reedereien, die ausbilden. Es gibt auch immer noch genügend Firmen, die junge Menschen behalten und fördern bis zum Offizier“, sagte Jäde. „Aber wir haben zurzeit einfach nicht ausreichend Bewerber, um eine gute Auswahl zu haben“, so der Kapitän. In dieser Situation will jetzt auch der Nautische Verein zu Kiel ein Zeichen setzen. „Wer sich heute für die Seefahrt entscheidet, der hat später gute Chancen“, so Lückert. Die Ausbildung zum Kapitän oder Chef-Ingenieur an Bord von Schiffen dauert sechs bis acht Jahre. „Wenn man sich die Entwicklung jetzt anschaut, stellt man fest, dass in sechs Jahren überall junge Leute gebraucht werden“, sagt Lückert. „Mit der Seefahrtsschule in Flensburg haben wir hier auch eine gute Adresse im Land“, sagt Gerald Immens, der zweite Vorsitzende des Nautischen Vereins.

Am Dienstag steht auch der Weg über Ferien-Praktika im Fokus. Schüler können in Deutschland ab dem 16. Lebensjahr an Bord von Schiffen in den Ferien arbeiten. „Wir müssen wieder mehr junge Menschen für den Beruf begeistern“, sagt Lückert. Der Vortragsabend in den Räumen der Segler-Vereinigung Kiel an der Kiellinie 215 startet um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Berufsbildungsstelle in Bremen ist im Auftrag von Bund, Ländern, Reedereien und Gewerkschaften zuständig für den Lehrberuf des Schiffsmechanikers. Derzeit sind rund 350 Schiffsmechaniker in Ausbildung, dazu 170 nautische und 27 technische Schiffsoffiziersassistenten.

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