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Kiel Die besten Wünsche aus aller Welt
Kiel Die besten Wünsche aus aller Welt
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08:00 18.07.2014
Von Martina Drexler
Norbert und Mariana Heßke freuen sich über die vielen postalischen Glückwünsche, die sie heute zur Hochzeit ihrer Tochter und ihres Schwiegersohns übergeben wollen. Quelle: Volker Rebehn
Kiel

Dass sich im Wohnzimmer des bekennenden Brieffreundes jetzt viele Schreiben – mit roten Herzchen, goldenen Ringen oder bunten Blumen verziert, bemalt oder selbst gebastelt – türmen, hat Heßke einem Aufruf über Facebook zu verdanken. Das Internet ist sein Hobby, sagt der Koch, der etwa 50 Facebook-Gruppen gegründet hat, darunter solche wie „Arbeit in Kiel“ (6000 Mitglieder) oder „Kiel wie es früher einmal war“ mit mittlerweile 2000 Bildern bis 1980 und 3750 Mitgliedern. Als Beatrice den Eltern ankündigte, ihren Marco nach viereinhalb Jahren und einem gemeinsamen Töchterchen (Liara, 21 Monate alt) heiraten zu wollen, kam ihm die Idee. Mitte April startete er die Facebook-Gruppe „Hochzeitsaktion Beatrice & Marco“. Es wäre, schrieb er unter einem Bild des Paares, „sicherlich ein unvergessliches Erlebnis, wenn viele, viele Glückwünsche per Post ankommen würden“. In der zunehmend digitalisierten Welt soll seine ebenfalls Internet-begeisterte Tochter mal sehen, dass „Kontakte per Post viel schöner und persönlicher sind“. Briefe kann man schließlich anfassen, immer wieder hervorkramen und sich erinnern. Wie beliebig und flüchtig sind hingegen Internet-Grüße. Die erste Karte, hat er fein säuberlich aufgelistet, kam aus Ludwigshafen, etliche sollen noch unterwegs sein, darunter eine aus China.

 Eigentlich liefern die Eltern selbst das beste Beispiel dafür, wie Briefe zusammenführen können. Denn indirekt lernte er seine Frau über die Brieffreundschaft zu einem rumänischen Mädchen kennen. Als der Eiserne Vorhang fiel, nahm er – per Brief – nach 30 Jahren wieder Kontakt auf zu der Rumänin, organisierte dann Hilfstransporte in deren Dorf. Dort traf Heßke dann seine heutige Frau Mariana, eine Nachbarin der Brieffreundin. Sie feiert heute gleich zweimal, die Hochzeit ihrer Tochter und ihren 50. Geburtstag. Neben 65 Gästen „nehmen auch viele Wildfremde an der Hochzeit teil“, meint Heßke gerührt, wenn er die handgeschriebenen Glückwünsche und Ratschläge liest: „Passt gut aufeinander auf“, „ewige Liebe“ oder „Seid so glücklich, wie wir es sind“. Die Crew der „MS Arosa“ wünscht aus Novi Sad in Serbien „liebevolle gemeinsame Jahre“. Und 17 Kinder aus dem Hort in Kiel-Wellsee bastelten bunte Karten. Etliche Grüße kamen aus fernen Ländern wie Australien, Chile, USA, Thailand oder Iran, oft von Deutschen geschickt, die ausgewandert sind. Doch mancher schrieb in seiner Muttersprache, arabisch oder kyrillisch. Für das Brautpaar schwierig zu übersetzen, aber die Sprache der Liebe ist ja bekanntlich international. mad