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Kiel Er kennt das ideale Ballon-Wetter
Kiel Er kennt das ideale Ballon-Wetter
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08:00 21.06.2018
Von Karina Dreyer
Meteorologe Michael Noll (64) schaut sich für die Ballonfahrer auf dem Nordmarksportfeld die Wetterbedingungen an. Quelle: Karina Dreyer
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Kiel

Früher lautete seine Berufsbezeichnung Flugwetterberater. Der ist für die meteorologische Sicherung der Luftfahrt verantwortlich. „Damals vor 30 Jahren gab es noch kein Internet, um sich zu informieren. Piloten riefen an oder schauten persönlich vorbei“, erzählt Noll. Heute haben sich die Aufgaben mehr auf die Bereiche Rettungsdienst und Katastrophenschutz verlagert.

Seit 1999 ist er bei einem Selfbriefing-Portal für Piloten des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach, seine Kunden sind vor allem Motorflieger, Ballonfahrer und Segelflieger. „Wir sind die Arbeitstiere, die das Wetter verkaufen“, sagt er. Das richtig zu erkennen, sei gerade für den Flugbereich schwierig, denn „es geht nicht nur um das Wetter am Boden, sondern auch in der Höhe“. Und die kann für Ballonfahrer bei bis zu 1000 Metern liegen.

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Erst Europa im Blick, dann die Region

In den vergangenen Jahren widmet er sich in seiner Freizeit gerne den Ballonfahrern im Norden. Dafür hat er zwei Bildschirme im Gepäck. Für seine Prognosen schaut er sich erst die Wettersituation mit Tiefs, Hochs, Fronten und Strömungen über Europa an, bevor er es dann regional und detailliert erfasst. „Immer erst die Analyse, dann die Vorhersage“, betont er.

Und die macht er während der Kieler Woche auf der Balloon Sail vormittags für abends und den nächsten Morgen. Denn Ballonfahrer starten wegen der Thermik kurz nach Sonnenaufgang oder zwei Stunden vor Sonnenuntergang. Ab 16 Uhr gibt es dann noch einmal ein Update, um sich für die Abendfahrt festzulegen und bevor sich die Piloten um 18.30 Uhr zum Briefing treffen.

Mit Westwind am besten über die Förde

Und wie sehen die optimalen Bedingungen für eine Ballonfahrt aus? „Am besten hier ist der West- oder der Nordwestwind, da können die Ballone über die Stadt und die Förde fahren“, erklärt Noll. Ideal sei ein Wind unter sechs Knoten am Boden und zwischen 10 und 15 Knoten in der Höhe. Niederschlag, auch Sprühregen sind keine guten Voraussetzungen, „Gewitter ist ein absolutes No-Go“, unterstreicht Noll. Wolken oberhalb von 3000 Fuß indes seien kein Problem, „ein wolkenloser Himmel ist wegen der Optik schön und gut für die Sicht der Gäste“.

Für die restlichen Kieler-Woche-Tage hat der Meteorologe übrigens keine so guten Nachrichten: „Nach allen Wettermodellen kommt eine markante Kaltfront, die Temperaturen werden bei 15 Grad liegen, und es gibt viel Wind. Für die Segler ist das hervorragend, die Besucher gucken in die Röhre.“

Niklas Wieczorek 25.06.2018
Karen Schwenke 21.06.2018