Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Andreas Ellendt: Der Mann, der sich traut
Kiel Andreas Ellendt: Der Mann, der sich traut
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:59 18.10.2019
Von Michael Kluth
Andreas Ellendt will sich in der Schlussphase der Oberbürgermeisterwahl als Macher mit Vernunft und Augenmaß verkaufen. Quelle: Frank Peter
Kiel

Andreas Ellendt versteht seine Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters als lokalpatriotischen Akt. Er habe sich angesehen, was in Kiel alles im Argen liegt, sagt der Suchsdorfer – und sich entschlossen, das zu ändern. Die Verlegenheit seiner Partei kam dem 55-Jährigen entgegen: Die CDU in Kiel fand monatelang keinen Kandidaten gegen den als schwer schlagbar empfundenen Amtsinhaber Ulf Kämpfer (SPD) – und nominierte dann dankbar den einzigen Bereitwilligen.

Ellendt? Nie gehört

„Andreas wer?“ fragten die Kieler Nachrichten nach der Bekanntgabe der Nominierung. Selbst Kieler Christdemokraten zuckten mit den Schultern. Ellendt? Nie gehört. Andreas Ellendt ficht das nicht an. Die Umstände, die ihn in die Kandidatur gespült haben, interessieren ihn nicht mehr. „Ich bin’s jetzt“, sagt er nur. „Ich mache das.“ Er ist der Mann, der sich traut. Auch der mühsame Start seines Wahlkampfs entmutigt ihn nicht. Zur ersten „Vor-Ort“-Veranstaltung in Kiel-Mettenhof kommen gerade mal 26 Leute, dabei ist Ellendt in dem Stadtteil Ortsverbandsvorsitzender der CDU. Bei der zweiten Vorstellung in seinem Heimatstadtteil Suchsdorf sind es sogar nur 22 Gäste, obwohl Ellendt die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien als erhofftes Zugpferd an der Seite hat.

Wie kann die Innenstadt belebt werden? Benötigt Kiel eine Verkehrswende? Wo fängt der Klimaschutz an – und wo hört er auf? Und wie kann die Situation auf dem Kieler Wohnungsmarkt verbessert werden? Das sind nur einige von vielen Fragen, denen sich am Montag, 21. Oktober, ab 19 Uhr die vier Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl beim „KN-Talk OB-Wahl“ stellen werden. Unter der Moderation von KN-Reporterin Heike Stüben und Lokalchef Kristian Blasel geht es 90 Minuten lang darum, die Programmatik der Bewerber kennenzulernen. Einlass zu der Veranstaltung im Audimax, Christian-Albrechts-Platz 2, ist ab 18.30 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

Erst mit Beginn der Plakatierung sechs Wochen vor der Wahl nimmt die Operation Ellendt Fahrt auf. Die CDU hat auffällige Farben gewählt, pink, türkis, violett. Vor grellem Hintergrund erscheint der Kandidat in Kiel nun allgegenwärtig. Das Ziel von Wahlkampf-Phase 1, bekanntzuwerden, scheint erreicht.

OB-Wahl Kiel 2019: Schule und Bildung sind seine Herzensangelegenheiten

Seine kleine Tochter freut sich über jedes Plakat des Vaters. „Wenn Papa Oberbürgermeister ist, bekommt meine Schule eine Rolltreppe“, glaubt sie. Ganz so ist es nicht, aber der Schulbau und die Schulsanierung stehen ganz oben auf der Liste des Lehrers an der Gelehrtenschule. Schule und Bildung sind naturgemäß seine Herzensangelegenheiten. Eine weitere ist die Integration von Menschen mit Behinderung. Zwei seiner vier Kinder aus zwei Ehen haben Handicaps. Aus dem Wahlkampf hält Andreas Ellendt seine Familie raus.

Lesen Sie auch: Andreas Ellendts Sofortprogramm für Kiel

„Stillstand stoppen“ ist der etwas eigenwillige Titel der Wahlkampf-Phase 2. Darin will der Bewerber die Wähler an Gründe für Unzufriedenheit mit den Kieler Verhältnissen erinnern. Die Themen sind zum Beispiel lange Wartezeiten in den Bürgerämtern, ewiger Bauzaun an der Kiellinie, Leerstände in der Innenstadt, verwaiste Stadtteile im Busfahrplan. Negativkampagne nennt er das. Den Unmut verstärken.

„Upgrade für Kiel

Mittlerweile ist die konstruktive Phase 3 angelaufen. Sie heißt „Upgrade für Kiel“. In der Schlussphase vor der Oberbürgermeisterwahl in zehn Tagen will Andreas Ellendt sich als Macher mit Vernunft und Augenmaß verkaufen, als die bessere Alternative zu Kämpfer. Der Amtsinhaber sei „von sanguinischem Temperament“, sagt der ehemalige Waldorflehrer, „er hüpft von Blume zu Blume.“ Er selbst sei dagegen uneitel, wolle sich in den Dienst der Sache stellen, und: „Ich kann sehr hartnäckig Ziele verfolgen.“

In der direkten Auseinandersetzung mit Kämpfer tut Ellendt sich allerdings zunächst schwer. Er ist ein höflicher Mensch. „Angriffslust ist nicht so seins“, sagt einer seiner Berater. Selbst Parteifreunde rollen mit den Augen, wenn der promovierte Naturwissenschaftler auf dem Podium mehr doziert als attackiert. Als der Chemie- und Physiklehrer in einer Veranstaltung des Bündnisses für soziales Wohnen die Zuhörer zur Ruhe ermahnt („Ruhe bitte! Erst ausreden lassen.“), rutschen einige auf dem Stuhl zurück, weil sie sich in die Schulzeit zurückversetzt fühlen. Eine Besucherin raunt: „Was für ein Oberlehrer.“

Andreas Ellendt kommt mehr und mehr aus sich heraus

Sein Umfeld hat dem Kandidaten diese Fremdwahrnehmung danach nahegebracht, und der Lehrer hat daraus gelernt. Ellendt, von Natur aus introvertierter als Kämpfer, kommt mehr und mehr aus sich heraus. Er weiß selbst, dass er Kämpfer stellen muss, und er versucht es jeden Tag mehr. Beispiel: In einer Diskussion bei der Grünen Jugend berichtet der Oberbürgermeister, „ich habe mich beim Bund fürs Ein-Euro-Ticket beworben“. Da fährt der Herausforderer dem Platzhirsch über den Mund: „Sie haben gar nichts. Die Stadt Kiel hat sich beworben!“ Kämpfer bleibt nur, mit hochrotem Kopf zu erwidern: „Ja, aber ich hab’ den Brief geschrieben.“ Ellendt lächelt still. Treffer.

Auch thematisch ist der Kandidat im Laufe der Zeit sattelfester geworden. Unermüdlich ist Ellendt Tag für Tag durch Vereine, Verbände und Institutionen in Kiel getourt, hat zugehört, hat sich informiert. Auf der Zielgeraden vor der Wahl hat er die gesammelten Informationen in ein 100-Tage-Programm gegossen, das aus seiner Sicht das schnell Machbare formuliert. Es ist ihm ernst mit der Kandidatur. Auf die Frage „Haben Sie richtig Lust auf das Amt?“ antwortet Andreas Ellendt aus tiefem Herzen mit einem Wort: „Jo!“

Teil 1: Florian Wrobel (Die Partei), der Spaßvogel unter den OB-Kandidaten in Kiel

Teil 2: Björn Thoroe, der grüne Linke

Teil 3: Andreas Ellendt (CDU)

Teil 4: Ulf Kämpfer (SPD)

Weitere Nachrichten aus Kiel lesen Sie hier

Großer Gefahrguteinsatz in Kiel: Bei einem Unfall mit einem Tank sind im Gewerbegebiet "Alte Weide" größere Mengen eines Gefahrstoffs ausgelaufen. Zwei Mitarbeiter der Firma kamen vorsorglich ins Krankenhaus. Sie hatten bei dem Unfall im unmittelbaren Gefahrenbereich gearbeitet.

Frank Behling 17.10.2019

Im Rathaus Kiel ging am Vormittag eine Bombendrohung ein, daraufhin wurde das Gebäude evakuiert. Das bestätigte die Polizei Kiel gegenüber KN-online. Am Mittag konnte Entwarnung gegeben werden. Im Liveblog können Sie die Entwicklung nachlesen.

Niklas Wieczorek 17.10.2019
Kiel Theodor-Heuss-Ring Kiel Betonwand zementiert die Sperrungen

Dieselfahrverbot und der Schutz von Fahrradwegen gehörten zu den Themen im Ortsbeirat Mitte. Gesprächsbedarf gab es vor allem über die Sperrungen der Theodor-Heuss-Ring-Zubringer. Eine 70 Zentimeter hohe Betonwand könnte sie zementieren.

Steffen Müller 17.10.2019