Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Björn Thoroe, der grüne Linke
Kiel Björn Thoroe, der grüne Linke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:01 16.10.2019
Von Michael Kluth
Straßenwahlkampf: Björn Thoroe auf der Holstenstraße. Quelle: Frank Peter
Kiel

Björn Thoroe wittert Morgenluft. Dem 35-Jährigen ist klar, dass der Kandidat einer Partei wie der Linken bei Wahlen in einer westdeutschen Landeshauptstadt unter normalen Umständen bestenfalls einen Achtungserfolg erzielen kann. Aber vor der Oberbürgermeisterwahl in elf Tagen in Kiel sind die Umstände nicht normal. Der Linke Björn Thoroe sieht seine Chance.

Das liegt daran, dass die europaweit hochfliegenden Grünen in Kiel auf eine eigene Kandidatur verzichtet haben. „Das hilft mir sehr“, ahnt Thoroe. Zwar unterstützen die Kieler Grünen offiziell den sozialdemokratischen Amtsinhaber Ulf Kämpfer, aber der Linke ist entschlossen, in ihrem Terrain zu wildern. Er will so viele grüne Wähler wie möglich für sich gewinnen. Der Linke sieht sich als „der wahre Grüne“ in diesem Wahlkampf.

Bei der Grünen Jugend in Kiel gewinnt Björn Thoroe die Abstimmung

Eine Bestätigung seiner Strategie findet Thoroe auf einer Podiumsdiskussion der vier Kandidaten bei der Grünen Jugend. In einer Probeabstimmung vor Beginn bekommt Kämpfer 41 Prozent der 95 Stimmen, Thoroe erhält 33 Prozent. Nach der Debatte kehren die Spitzenpositionen sich um. Unter knapp 90 Abstimmenden bekommt Thoroe 41 Prozent der Stimmen, Kämpfer 37. Die anderen beiden Kandidaten, Florian Wrobel („Die Partei“) und Andreas Ellendt (CDU), landen in der Grünen Jugend beide Male bei 17 und bei vier Prozent. 

Thoroe offenbart im Gespräch, dass seine Partei womöglich gar keinen Kandidaten aufgestellt hätte, wenn die Grünen angetreten wären. Bei breiterer Verteilung der Stimmen im linksgrünen Milieu hätte sich der Kraftakt eines Wahlkampfs für die Linke schon aus finanziellen Erwägungen kaum gelohnt. 5000 Euro haben die Kieler Linken für den Oberbürgermeisterwahlkampf übrig. Etwa 1000 Euro Spenden kommen hinzu. Zum Vergleich: 5000 Euro bringen allein die Kieler Grünen zur Unterstützung des parteifremden Kandidaten Kämpfer auf.

OB-Wahl Kiel 2019: Björn Thoroe stammt aus der Antifa-Szene in Kiel

Nun geht Thoroe auf konsequent linksgrünem Kurs ins Rennen um das Oberbürgermeisteramt. Der Kurs liegt ihm, es ist seiner. 

Der Landesgeschäftsführer der schleswig-holsteinischen Linken stammt aus der antifaschistischen Szene in Kiel. Er hat sich als Anmelder und Organisator von Demonstrationen im ganzen Land einen Namen gemacht. Bei der ersten Demonstration auf dem Theodor-Heuss-Ring im April gehörte er zu dem harten Kern derer, die mit einer Sitzblockade die Sperrung der Stadtautobahn verlängerten. Er ist in der linken Szene Kiels und Schleswig-Holsteins gut bekannt und gut vernetzt. 

Der Kieler Stadtteil Gaarden liegt Björn Thoroe besonders am Herzen

Privat lebt der Alleinstehende in einer fünfköpfigen Wohngemeinschaft mit Gleichgesinnten in Gaarden-Süd. Gaarden liegt Thoroe besonders am Herzen. Unter seinen Wahlzielen nennt er fast als Erstes, die Wahl wenigstens in dem Stadtteil zu gewinnen. Darüber steht nur der Wunsch, Ulf Kämpfer im ersten Wahlgang in die Stichwahl zu zwingen.

Thoroe beschränkt sich im Wahlkampf auf zwei Themen: Wohnungsbau und Klimaschutz. Umweltpolitisch geriert der Linke sich grüner als die Grünen. Wohnungspolitisch formuliert er ein klares Feindbild: Vonovia, „der Miethai“.

Beifall im Kieler Bündnis für soziales Wohnen ist Björn Thoroe gewiss

Kein Wunder, dass die Podiumsdiskussion beim Bündnis für sozialen Wohnraum für Thoroe zum Heimspiel wird. Er ist selbst Mitglied in dem Bündnis. Er teilt dessen weitgehenden sozialpolitischen Forderungen ohne jeden Finanzierungsvorbehalt. Wo Kämpfer sich um jedes bisschen Wohnungsbau bemüht, ist es Thoroe verlässlich immer zu wenig. Der Beifall des Publikums ist ihm hier noch sicherer als bei der Grünen Jugend.

Deutlich fremder wirkt Thoroe auf dem Podium im Krooger Waldhof. Den Menschen hier geht es um die Nahversorgung in Kroog und Elmschenhagen-Süd, um Einzelhandel und Parkraum. Nicht das Spielfeld des Linken. Aber in Elmschenhagen und erst recht in Kroog gibt es nun mal keine ausgeprägte Wohnungsnot. 

Ulf Kämpfer hat Björn Thoroe als Hauptgegner ausgemacht

Auf allen Podien wirkt es, als habe Amtsinhaber Kämpfer den Linken Thoroe als Hauptgegner ausgemacht. Im Ringen um die grüne Gunst widmet Kämpfer sich Thoroes Beiträgen ausführlicher, widerspricht ihm dezidierter als den anderen beiden Kandidaten. Thoroe lässt das stoisch an sich abprallen.

Seine stoische Art kann ihn im Straßenwahlkampf freilich auch behindern. Von Natur aus ist Björn Thoroe eher schüchtern. Jedenfalls keiner, der mit offenen Armen auf die Menschen zugeht. Die große Geste liegt ihm nicht. Er hat Schwierigkeiten, den Blickkontakt zu halten. Einmal beschimpft ihn auf der Holstenstraße ein Passant gar nicht mal wegen politischer Inhalte, sondern vielmehr deshalb, weil Thoroe kaum auf ihn eingeht. Der Kandidat hört sich nur an, was der Wähler zu sagen hat.

Mit Sprühkreide in den Kieler Wahlkampf

Seine Positionen trägt Thoroe schriftlich mit größerer Schärfe vor als mündlich. Im Wahlkampf setzt er auf Plakate, Flyer und Aufkleber, auf Social Media und sogar auf wasserlösliche Sprühkreide, mit der er seine Botschaften zielgruppengerecht auf Rad- und Gehwege aufbringen will. 

Auf welchem Wege auch immer: Björn Thoroe rechnet sich Chancen aus.

Weitere Nachrichten aus Kiel finden Sie hier 

„Kiel ab sofort besser machen“: Das ist der Titel des Oberbürgermeister-Wahlkampfs des Linken Björn Thoroe in Kiel. Er meint vor allem konsequenten Klimaschutz und sozialen Wohnungsbau.

Michael Kluth 16.10.2019

Ab sofort soll ein zentrales Bauprojekt in der neuen Mitte von Kiel in die Höhe wachsen: Am Mittwochvormittag legten die Verantwortlichen den Grundstein für das Wohn- und Hotelareal zwischen Bootshafen und Hafenstraße. Auch hier wird Kiel sein Gesicht deutlich verändern.

Niklas Wieczorek 16.10.2019

Wiedereröffnet worden ist der Bahnhof Russee schon im Januar 2015, die Gestaltung seines Umfelds lässt einstweilen immer noch auf sich warten. Aber nicht mehr lange. Noch diesen Monat soll damit begonnen werden, den Platz am Russeer Weg aufzuwerten.

Martin Geist 16.10.2019