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Kiel Florian Wrobel: Der Spaßvogel unter den OB-Kandidaten in Kiel
Kiel Florian Wrobel: Der Spaßvogel unter den OB-Kandidaten in Kiel
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17:04 16.10.2019
Von Michael Kluth
Florian Wrobel mit seinem Blindenführhund Sam. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Er ist der Exot unter den vier Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Kiel in zwölf Tagen. Florian Wrobel, seit Kurzem 27 Jahre alt, Student der sozialen Arbeit an der Fachhochschule Kiel, tritt für die satirische Partei „Die Partei“ an. Er ist in Kiel ihr stellvertretender Vorsitzender. Der bekennende Spaßvogel ist vor zwei Jahren überhaupt nur gegen das Versprechen in die „Partei“ eingetreten, dann auch Oberbürgermeisterkandidat zu werden.

Der Satiriker irritiert die Kieler mehr, als dass er sie amüsiert

Auf Podiumsdiskussionen der vier Kandidaten reagieren Zuhörer vielfach eher irritiert als amüsiert auf den Satiriker. Vielen Kielern ist die Frage zu ernst, wem sie die Geschicke ihrer Heimatstadt anvertrauen, als dass sie bereitwillig einen Spaß daraus machen ließen. Zudem ist manchen nicht immer sofort klar, was Wrobel ironisch und was er ernst meint. Selbst auf einer Veranstaltung der Grünen Jugend, die dem jungen Mann durchaus wohlgesonnen scheint, wird etwas verunsichert die Frage laut: „War das jetzt ernst gemeint?“

Lesen Sie auch: Wahlprogramm - Das plant Florian Wrobel für Kiel

Bei einer Kandidatenrunde im Krooger Waldhof mit durchweg älterem Publikum wächst die Irritation zu vernehmlicher Verärgerung, bis hin zu der Forderung, den „komischen Kerl da vorne“ bitte nicht mehr zu Wort kommen zu lassen. „Was soll das?“ ist noch eine der harmloseren Unmutsäußerungen. „Was will der hier?“

OB-Wahl Kiel 2019: Das sind die Kandidaten

Seine drei Kontrahenten ertragen den Satiriker in ihrem Kreis je nach Tagesform mehr oder weniger gelassen. Meistens ignorieren Ulf Kämpfer (SPD), Andreas Ellendt (CDU) und Björn Thoroe (Die Linke) Wrobels Beiträge einfach. Gelegentlich schmunzeln sie, das ist das Äußerste.

KN-Talk zur OB-Wahl

Wie kann die Innenstadt belebt werden? Benötigt Kiel eine Verkehrswende? Wo fängt der Klimaschutz an – und wo hört er auf? Und wie kann die Situation auf dem Kieler Wohnungsmarkt verbessert werden? Das sind nur einige von vielen Fragen, denen sich am Montag, 21. Oktober, ab 19 Uhr die vier Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl beim „KN-Talk OB-Wahl“ stellen werden. Unter der Moderation von KN-Reporterin Heike Stüben und Lokalchef Kristian Blasel geht es 90 Minuten lang darum, die Programmatik der Bewerber kennenzulernen. Einlass zu der Veranstaltung im Audimax, Christian-Albrechts-Platz 2, ist ab 18.30 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

Einmal, es geht um den Theodor-Heuss-Ring, entfährt es jedoch dem Amtsinhaber Kämpfer: „Das Thema ist mir zu ernst, um es satirisch zu behandeln!“ Kämpfer bereut seine Intervention sofort, weil Wrobel die Vorlage schlagfertig aufnimmt: „Absauganlagen an der Straße sind für mich Satire!“ Er schließt seinen Standardspruch an: „Wenn Politiker Satire machen, müssen Satiriker Politik machen.“ In solchen Situationen punktet Wrobel beim Publikum.

Sachlich ist Florian Wrobel nicht immer sattelfest

In anderen Momenten muss der Spaßkandidat schlicht passen: „Ja, weiß ich jetzt auch nicht.“ Auf dem Kandidatenpodium des Bündnisses für sozialen Wohnraum etwa fällt ihm auf Nachfragen ausgerechnet zum Wohnungsbau wenig ein. Aus sachlicher Bedrängnis kann einer wie er sich indes leicht befreien: Hey, ich bin Satiriker.

Zur Person: Das ist Florian Wrobel

Florian Wrobel, 27 Jahre alt, studiert soziale Arbeit an der Fachhochschule Kiel. Er ist stellvertretender Vorsitzender der satirischen Partei „Die Partei“ in Kiel und kandidiert bei der Wahl am 27. Oktober, zwei Wochen nach seinem 27. Geburtstag, für das Amt des Kieler Oberbürgermeisters. 

Mit seiner Freundin Miriam Borchert, Sozialassistentin an der Fachhochschule Kiel, wohnt Wrobel im Stadtteil Schreventeich. Für die Partei „Die Partei“ sitzt er im Ortsbeirat Schreventeich-Hasseldieksdamm. Er ist zudem Mitglied im Beirat für Menschen mit Behinderung. Seit der Kindheit leidet Florian Wrobel an einer Sehbehinderung. Seit vier Jahren ist er blind.

Aus dieser Position heraus leistet Wrobel sich auch Selbstironie. Der Mann ist blind und verkauft sich als „Kandidat mit Durchblick“. Seine Sätze beginnt der Blinde manchmal absichtsvoll mit „Ich sehe das so...“ Im Wahlkampf bietet er kostenlose Begleitfahrten in Bus und Bahn an, auf die er als Schwerbehinderter Anspruch hat. Allerdings sind Witze über eine Schwerbehinderung, auch wenn es die eigene ist, nicht jedermanns Sache. Im Publikum fühlt mancher sich unangenehm berührt.

Witze über Schwerbehinderung sind nicht jedermanns Sache

Persönlich hat Wrobel mit seiner Behinderung souverän zu leben gelernt. Seit der Kindheit ist er sehbehindert, seit vier Jahren blind. Er bewegt sich sicher durch den Raum. Auf der Straße sichert ihn sein Führhund Sam. Auf der Bühne hilft vor allem der Linke Björn Thoroe, der ihm nicht nur politisch am Nächsten steht. Im Leben steht ihm seine Freundin Miriam Borchert zur Seite. Sie ist Sozialassistentin an der Fachhochschule.

Sie hat ihm auch geholfen, offen mit seiner Behinderung umzugehen. Wrobel erzählt, nach dem Verlust des Augenlichts habe er sich zunächst verkrochen, kaum darüber reden mögen. Erst im Laufe der Zeit sei ihm klar geworden, dass er andere Betroffene um so mehr unterstützen kann, je selbstbewusster er selbst auftritt. „Wenn ich Lobbyist für Anliegen von Behinderten sein kann“, sagt er heute, „dann mache ich das.“ Nun arbeitet er im Kieler Beirat für Menschen mit Behinderung mit. Wenn er sich gegen fehlerhafte Markierungen für Blinde auf Gehwegen einsetzt, kann man sicher sein, dass es ihm ernst ist.

Ja zum Klimaschutz

Programmatisch mischt Wrobel jetzt munter in einem Wahlkampf mit, der sich längst zum grünen Überbietungswettbewerb ohne grünen Kandidaten entwickelt hat. Ja zum Klimaschutz, zur autofreien Innenstadt, zum Wohnungsbau, zum Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und der Radwege: Es fällt dem Satiriker leicht, da mitzubieten. Er weiß selber, dass er kaum in die Verlegenheit kommen wird, sich wirklich verantwortlich etwa auch um Wirtschaft und Finanzen kümmern zu müssen.

Dabei ist verantwortliche politische Arbeit dem Studenten nicht fremd. Wrobel sitzt außer im Behindertenbeirat auch im Ortsbeirat Schreventeich-Hasseldieksdamm. Dort bestimmt er über Angelegenheiten seines Stadtteils mit. Die Versuchung, die Dinge nicht so ernst zu nehmen, lässt ihn gleichwohl nicht los. In diesem Sinne hat er sich gerade auch woanders um das Bürgermeisteramt beworben.

In Bad Herrenalb, einer Kleinstadt in Baden-Württemberg, fand sich kein einheimischer Kandidat. Deshalb hat die Kommune die Bewerbungen ohne irgendwelche Bedingungen bundesweit freigegeben. So eine Gelegenheit kann eine Satire-Partei nicht ungenutzt verstreichen lassen. Zwei Dutzend „Partei“-Mitglieder haben sich aufstellen lassen. Einer von ihnen ist Florian Wrobel. Er verspricht aber, Kiel treu zu bleiben, sollte er hier zum Oberbürgermeister gewählt werden.

OB-Wahl-Serie

Teil 1: Florian Wrobel (Die Partei), der Spaßvogel unter den OB-Kandidaten in Kiel

Teil 2: Björn Thoroe (Linke)

Teil 3: Andreas Ellendt (CDU)

Teil 4: Ulf Kämpfer (SPD)

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Mit einem „Drei-Punkte-Plan, wie er auf meiner Armbinde abgebildet ist“, geht der Blinde Florian Wrobel ins Rennen um das Oberbürgermeisteramt in Kiel. Die Punkte sind „Wohnen aller Art, die Instandsetzung des ÖPNV und die Bekämpfung des Klimawandels“. Lesen Sie, was Wrobel will.

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