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Kiel Ellendt will Kieler Schulbaugesellschaft
Kiel Ellendt will Kieler Schulbaugesellschaft
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17:00 29.07.2019
Von Michael Kluth
Der Oberbürgermeister-Kandidat Andreas Ellendt (CDU) sieht im Bauzaun an der Kiellinie ein Symbol für den Stillstand in Kiel. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Die Kieler Nachrichten führen Sommerinterviews mit den vier Kandidaten zur Oberbürgermeister-Wahl am 27. Oktober. In dieser Folge spricht KN-Redakteur Michael Kluth mit Oberbürgermeister-Kandidat Andreas Ellendt (55) von der CDU.

Herr Ellendt, was führt uns hierher, an die Kiellinie?

Dieser Ort symbolisiert zugleich den Stillstand und die Chancen Kiels. Seit fünf Jahren geht an der Baustelle Kiellinie nichts voran, seit drei Jahren steht hier ein Bauzaun. Auf der anderen Seite die Förde und der Hafen. Sie stehen für einen möglichen Aufbruch.

Was kann der Oberbürgermeister für den Stillstand einer Baustelle? Was werfen Sie ihm vor?

Fehlplanung. Mangelndes Baustellenmanagement. Wenn man alles auf einmal anfängt, kriegt man halt nichts fertig. Mit mir als Oberbürgermeister wird das in den nächsten zwei Jahren fertig.

Zur Person

Zur Person

Dr. Andreas Ellendt, 55 Jahre alt, ist Lehrer für Chemie, Physik, Mathematik und Musik an der Kieler Gelehrtenschule. Der gebürtige Flensburger ist Ortsvorsitzender der CDU in Mettenhof und stellvertretendes Mitglied im Innen- und Umweltausschuss der Kieler Ratsversammlung. Der Naturwissenschaftler kandidiert bei der Wahl am 27. Oktober für das Amt des Kieler Oberbürgermeisters. Ellendt hat zwei erwachsene Kinder aus erster Ehe und zwei kleine Kinder mit seiner zweiten Ehefrau. Die Familie lebt im Kieler Stadtteil Suchsdorf.

Am Fachkräftemangel in der Bauverwaltung werden Sie so schnell auch nichts ändern können.

Ich werde Prioritäten setzen. Die Kiellinie ist eine davon.

Was noch?

Ganz weit vorne steht die Innenstadtentwicklung. Sie ist heruntergewirtschaftet. Auf 50 Metern fünf Leerstände - das kann nicht so weitergehen.

Das Holsten-Fleet wird in diesem Jahr fertig. Macht das die Innenstadt attraktiv?

Abwarten. Das ist ein Betonkanal, der ein kompliziertes Wassermanagement erfordert. Dafür gibt es noch nicht einmal einen Betreiber. Die Technik wird noch teuer werden. Und wir müssen aufpassen, dass es keine Müllgrube wird. Mit mir als Oberbürgermeister hätte es kein Holsten-Fleet gegeben.

Was wollen Sie gegen Leerstände tun?

Den Einzelhändlern entgegenkommen. Den Kunden entgegenkommen. Die wollen in der Innenstadt parken können. Wir brauchen ein Konzept, das sich nicht gegen die Bürger richtet.

Eine autofreie Innenstadt wird es mit Ihnen nicht geben?

Nein. Aber einen deutlichen verbesserten öffentlichen Personennahverkehr.

Mit oder ohne Stadtbahn?

Jedenfalls nicht mit einer Verengung nur auf eine schienengebundene Stadtbahn, die in 20 Jahren noch nicht fährt. So macht Kämpfer das. Ich will kurzfristig den Bus- und Fährverkehr verdichten. In  Göteborg können Sie im Halbstundentakt mit der Fähre von einer Seite auf die andere fahren. So etwas muss das Vorbild sein.

Wie wollen Sie Diesel-Fahrverbote auf dem Theodor-Heuss-Ring verhindern?

Interessant ist, was von Ulf Kämpfers Plänen übrig geblieben ist: Absauganlagen und ein Jobticket. Luftfilteranlagen hat die CDU schon vor anderthalb Jahren vorgeschlagen. Und nichts gegen ein Jobticket, aber darauf den Luftreinhalteplan aufzubauen, ist hochriskant. Da wird ihm die Deutsche Umwelthilfe einen Strich durch die Rechnung machen.

Also, was wollen Sie tun?

Was ich nicht machen werde, ist eine Fahrspur sperren, auch nicht nur für Diesel. Das verursacht einen Stau bis Raisdorf und verlagert das Problem in die Innenstadt. Vielleicht müssen wir noch mal eine provisorische Lärmschutzwand diskutieren, wenigstens so hoch wie das Hochparterre der Wohnhäuser. Der neue Citti-Kreisel wird auch etwas Entlastung bringen. Langfristig kann man darüber nachdenken, die Stadtautobahn tiefer zu legen, sie zu überdeckeln - und endlich die Südspange zu bauen.

Darauf werden die Deutsche Umwelthilfe und das Oberverwaltungsgericht nicht warten.

Das sei noch dahingestellt. Und zur DUH kann man ja auch mal ein paar Worte verlieren. Das ist nichts weiter als ein Abmahnverein, der Kommunen und Händler drangsaliert. Das ist sein Geschäftsmodell.

Bei Ihrem ersten öffentlichen Duell mit Ulf Kämpfer wurden Unterschiede im Amtsverständnis deutlich. Sind Sie weniger politisch als Ulf Kämpfer?

Ich bin weniger parteipolitisch. Ich verstehe das Amt politisch, aber überparteilich.

Als Oberbürgermeister müssten Sie mit einer Mehrheit der Kooperation von SPD, Grünen und FDP in der Ratsversammlung zusammenarbeiten. Wären Sie da von vornherein zum Scheitern verurteilt?

Nein. Ich werde in der Ratsversammlung um Mehrheiten für meine Initiativen werben. Gute Argumente setzen sich immer durch.

Sind Sie enttäuscht, dass die FDP Sie nicht unterstützt?

Es überrascht mich nicht. Die FDP hat sich ohne Not in die Kooperation mit Rot-Grün begeben und klammert sich daran. Gleichwohl war das Ergebnis im FDP-Vorstand nur 3:6. Das ist ein Achtungserfolg für mich. So ganz einig ist die FDP sich da nicht. 

Als Lehrer steht Bildungspolitik in Ihrem Stammbuch. Was wollen Sie?

Die Sanierung der Schulen ist ein Thema, das die Menschen sehr bewegt. Die Max-Planck-Schule versinkt langsam im Moor. Das ist sinnbildlich für die Missstände in Kiel. Hier werden mehr Sanierungsfälle geschaffen als behoben. Wir brauchen einen Kraftakt Bildung. 

Wie soll der Kraftakt gelingen?

Mit einer eigenen Schulbaugesellschaft wie in Hamburg und in Norderstedt. Eine stadteigene Gesellschaft, die eigenständig ein Schulbauprogramm durchführt. Sanierung und Neubau.

Unmut richtet sich auch gegen lange Wartezeiten in Kieler Bürgerämtern. Wie wollen Sie die schnell beheben?

Das habe ich selbst erlebt: Als ich für meine Kinder Pässe beantragen wollte, musste ich erst mal fünf Monate warten. So etwas ärgert die Bürger genau so wie der Bauzaun hier. Die Lösung ist digital. Sie muss dann bloß auch funktionieren. Man kann nicht den Bürgern sagen: Geht online – und dann dauert es länger als vorher. Da läuft etwas schief im internen Management. Das fällt in die Verantwortung des Oberbürgermeisters.

Die Landeshauptstadt Kiel wurde seit 1950 von zehn Oberbürgermeistern geleitet. Zweimal schaffte es eine Frau an die Spitze des Rathauses: Angelika Volquartz (2003 bis 2009) und Susanne Gaschke (2012 bis 2013). Bis auf Angelika Volquartz (CDU) waren alle anderen Oberbürgermeister in der SPD verankert. Hier eine Übersicht.

Ein anderes Reizthema ist das Sommerbad Katzheide. Würden Sie das Freibad bis zum Beginn der Sanierung wieder öffnen?

Ich fürchte, die Sache ist jetzt gelaufen. Ich hätte es gar nicht erst geschlossen, bis wirklich saniert werden kann. Das Freibad hat im vergangenen Jahr funktioniert, warum sollte es dieses Jahr nicht funktionieren? Jetzt ist es zu spät. Und nach allen Erfahrungen mit der Bauverwaltung in Kiel bezweifle ich, dass das Freibad bis zum Beginn der Badesaison 2020 wieder geöffnet werden kann.

Welches ist Ihr Wahlziel für den 27. Oktober?

Mein Ziel ist natürlich zu gewinnen. Ich denke, dass ich eine gute Chance habe – auch vor dem Hintergrund der politischen Stimmung. Wichtig ist, dass die Menschen mich kennenlernen und mit mir die politische Botschaft verbinden, dass es gut wird in Kiel.

Was können Sie denn besser als der Amtsinhaber?

Vieles ist eben nicht gut, was Herr Kämpfer macht. Ich werde es gut machen.

Abschließend: Ihre Vision für Kiel?

Eine Stadt mit einer Lebensqualität, von der die Menschen sagen: Hier möchte ich bleiben.

Die Sommerinterviews mit den OB-Kandidaten

Die Sommerinterviews mit den OB-Kandidaten

Die Kieler Nachrichten führen Sommerinterviews mit den vier Kandidaten zur Oberbürgermeister-Wahl am 27. Oktober. Der Jurist Ulf Kämpfer (47) tritt für die SPD mit Unterstützung der Grünen, der FDP und des SSW für eine zweite Amtszeit an. Chemiker Andreas Ellendt (55) ist der Oberbürgermeister-Kandidat der Kieler CDU. Parteigeschäftsführer Björn Thoroe (34) bewirbt sich für die Linke. Student Florian Wrobel (26) tritt für die satirische Partei "Die Partei" an. Die Schauplätze der Sommerinterviews haben die OB-Kandidaten selbst gewählt und verbinden sie jeweils mit einer politischen Botschaft.

Bereits erschienen:Florian Wrobel, Björn Thoroe. Es folgt: Ulf Kämpfer.

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