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Kiel 1972: Mit dem Anschlag kam die Angst
Kiel 1972: Mit dem Anschlag kam die Angst
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01:00 20.11.2015
Von Günter Schellhase
6. September 1972, zehn Uhr morgens: Tausende Menschen kamen nach Schilksee ins Olympiazentrum, um der Toten des Münchner Olympia-Attentats zu gedenken. Quelle: Archiv/Beckmann
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Kiel/München

„Sollten Hamburg und Kiel den Zuschlag für 2024 erhalten, ist ein umfangreiches Verkehrskonzept erforderlich“, sagt der heute 68-Jährige. Aber wirklich angespannt wurde die Lage in Kiel erst nach dem Anschlag in München am 5. September. Er war auch für die Polizei im Norden der Wendepunkt zunächst unbeschwerter Spiele.

 Den Einsatz bei den Segelwettkämpfen vom 26. August bis zum 6. September hat Dennhardt in guter Erinnerung. Er war damals gerade in der Ausbildung zum gehobenen Dienst und wurde zur Verkehrslenkung abkommandiert. „Wir bekamen eine blaue Kelle mit einem P darauf und sollten die Besucher zu den Parkplätzen lotsen“, erzählt er. Die Stadt hatte auf den Wiesen von Schilksee bis Strande Parkflächen ausgewiesen, die bis auf den Ansturm bei der Windjammerparade den Besucherstrom gut aufnahmen. Nun war es damals das erste Schausegeln in Kiel – und Ferienzeit in Süddeutschland. Aus allen Ecken der Republik reisten die Menschen an, um sich das Spektakel anzuschauen. Danach ging nichts mehr. „Die Leute ignorierten die Polizei, schimpften am Steuer, der Verkehr stand auf der ganzen Länge der Fördestraße“, erzählt Dennhardt. 500000 Besucher waren an diesem Tag in und um Kiel unterwegs.

 Die Tage zuvor waren rund um das Olympiazentrum ausgesprochen ruhig, erinnert sich der Ex-Polizist. „Im Dorf selbst sah man keine Uniformen, nur drumherum gingen wir Streife.“ Es herrschte überall beste Laune, auch das sonnige Wetter trug dazu bei. An Schwierigkeiten mit Kriminellen erinnert sich Dennhardt nicht. Mit dem Terroranschlag in München veränderte sich die Stimmung grundlegend. Die Polizeiführung stockte die Zahl der Einsatzkräfte auf. „Die Olympioniken und Kieler waren verunsichert. Wir bewachten ab dem Zeitpunkt die Unterkünfte im Dorf.“ Die Spannung löste sich erst, als die Spiele vorbei waren. Trotz dieser gemischten Erinnerungen würde sich Dennhardt über erneute Spiele in Schilksee freuen. „Kiel ist Olympiastadt, hat die Erfahrung und wird als Segelstandort international geachtet.“

 Damit im Fall eines Bewerbungserfolgs alles reibungslos läuft, bereitet sich das Landespolizeiamt vor: Ein Olympia-Stab existiert bereits. „Die Lagebewältigung wird vorbereitet. Wir halten enge Kontakte zu den Behörden in Hamburg, zum Olympia-Beauftragten, zum Referat Kieler Woche und Olympia sowie zur Betreibergesellschaft ARGE 2024 in Hamburg“, sagt Polizeisprecher Jürgen Börner. Auch an einer „Einsatzkonzeption“ wird bereits gefeilt. Aber bis man in Details geht, müssen Hamburg und Kiel natürlich erstmal den Zuschlag bekommen.

Unternehmer sind meist Zahlenmenschen. Aber Zahlenspiele zur Kosten- und Nutzenanalyse Olympischer Spiele sucht man derzeit in Wirtschaftskreisen vergeblich. Trotzdem sind sich die meisten Unternehmer im Norden einig: Schon die Bewerbung allein hätte einen unbezahlbar wertvollen Effekt für die gesamte Region – vorausgesetzt die Bürgerentscheide in Hamburg und Kiel am 29. November laufen auf ein „Ja“ zu den Spielen hinaus.

Jürgen Küppers 20.11.2015

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Kristian Blasel 20.11.2015

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