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Kiel Hamburg sucht das beste Segelrevier
Kiel Hamburg sucht das beste Segelrevier
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20:58 14.11.2014
Von Martina Drexler
Hamburgs Innensenator Michael Neumann wurde von Medienvertretern in Schilksee bestürmt. Quelle: Frank Peter
Kiel

Die Tour ging vom Olympiahafen in der Innenförde bis nach Schilksee, wo bereits eine Schar von fröstelnden Medienleuten auf den Innensenator wartete und einige tapfere Segler auf dem Wasser für Schnappschüsse sorgten. Bei der anschließenden Pressekonferenz an Bord machte Neumann klar: Die Entscheidung über den Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe soll seiner Ansicht nach allein nach sportlichen Gesichtspunkten fallen. „Wir brauchen schlicht das beste Segelrevier Deutschlands“, gab er als Losung aus. Welches das ist, sollten Sportler entscheiden, nicht Politiker.

Von Kiels Konzeption mit den potenziellen Wettkampfstätten Schilksee und MFG 5-Gelände in Holtenau zeigte sich der Hamburger beeindruckt: Kiel sei „ein mehr als geeigneter Ort“. Sollte Hamburg am 21. März auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes den Zuschlag für die Olympia-Bewerbung erhalten, werde die Hansestadt relativ zügig ihren Segel-Partner aussuchen, kündigte er an. Neben Kiel sind auch Lübeck-Travemünde, das Neumann nach seiner Kiel-Tour besuchte, und Rostock-Warnemünde im Rennen.

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer verströmte Zuversicht: „Wenn rein nach sportlichen Gründen entschieden wird, dann braucht uns für die Bewerbung nicht bange zu sein. Wir wollen mit unserer Segelbegeisterung anstecken.“ Die Kieler Woche als Aushängeschild des Segelsports, Deutschlands einziger Segel-Olympiastützpunkt und Segel-Bundesstützpunkt – all das zählt er zu den Riesenvorteilen Kiels. Auch die Tatsache, dass Kiel schon zweimal olympische Segelwettbewerbe – 1936 und 1972 – ausrichtete, schmälert die Chance aus seiner Sicht auf ein Triple nicht. Im Gegenteil, das könne sich vielleicht sogar als Bonus herausstellen, verwies er auf die britische Hauptstadt London, die bereits drei mal die Olympioniken zu Gast hatte. Zehn Jahre nach der letzten Olympia-Bewerbung sei Kiel sogar in der komfortablen Lage, zwei hervorragende Segelquartiere für Olympia und Paralympics anbieten zu können.

Kämpfer sicherte zu, dass Kieler und Kielerinnen das letzte Wort haben werden. Sollte Hamburg oder Berlin Kiel als Partner für die Segelwettbewerbe auswählen, werde es im kommenden Jahr einen Bürgerentscheid geben. Wie überzeugt der Kieler Verwaltungschef von einem positiven Votum ist, zeigt sich daran, dass er „sein dreifaches Jahresgehalt“ an Bord der „Merkur“ vor den 21 Delegationsgästen darauf verwettet hat. Zu den Zeugen der Wette gehörte auch Andreas Lochbrunner, Präsident des Deutschen Seglerverbandes. Vor den Kameras versprach dieser Neutralität und sparte nicht mit Lob für alle drei Bewerber: Kiel, Lübeck und Rostock seien Standorte mit guten Revieren. Diplomatie auch bei Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler: Kiel oder Lübeck? Hauptsache sei, dass die Segelrennen vor Schleswig-Holsteins Küsten ausgetragen werden.

Neben Funktionären der Politik, Wirtschaft und des Sportes hatte die Stadt Kiel zwei besondere Olympia-Botschafter zu der Informationstour für Neumann eingeladen, um Kiels Gold-Hoffnungen zu unterstreichen: Heiko Kröger und Natsumi Ando. Segler Kröger holte bei den Paralympischen Spielen in Sydney die Goldmedaille und im vergangenen Sommer bei der WM im kanadischen Halifax seinen siebten Titel im kleinen Kielboot 2.4mR. Auf olympische Erfolge hofft auch die 29er-Seglerin Ando, die das Sportinternat in Schilksee besucht. Die 16-Jährige, die in Japan aufgewachsen ist, trainiert in Kiel, um 2020 bei Olympia in Tokio an den Start zu gehen. Ein gutes Signal, findet Kämpfer.