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Kiel So wird in Kiel gewählt
Kiel So wird in Kiel gewählt
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01:00 20.11.2015
Von Carola Jeschke
So sieht er aus: Der Abstimmungszettel für den Bürgerentscheid in Kiel – Olympia Ja oder Nein?
Kiel

„Sind Sie dafür, dass sich die Landeshauptstadt Kiel im Rahmen der Bewerbung des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Freien und Hansestadt Hamburg um die Ausrichtung der Olympischen und gegebenenfalls Paralympischen Segelwettbewerbe im Jahr 2024 bewirbt?“, lautet die Frage.

Informationen mit Pro- und Kontra-Argumenten waren den Unterlagen beigefügt, die alle Abstimmungsberechtigten Anfang dieses Monats per Post erhalten haben. „Darauf stehen alle wichtigen Details“, sagen Wahlbüro-Leiterin Bettina Lentsch und ihr Mitarbeiter Jürgen Hinrichsmeyer. Dass es zu Pannen kommen könnte wie in Hamburg, wo rund zehn Prozent der zunächst abgegebenen Stimmen aufgrund eines Fehlers ungültig sind, können sich beide nicht vorstellen. „Einfacher geht es eigentlich nicht.“

Zu den Unterlagen gehören auch die Angaben, zu welchem Stimmbezirk man gehört und wo Gebäude und Raum zu finden sind. Die Abstimmungslokale sind – wie bei Wahlen üblich – von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Damit das Bürgervotum gültig ist, reicht nicht alleine eine einfache Mehrheit. Es muss auch das sogenannte Quorum erfüllt sein. Das heißt, dass mindestens acht Prozent der Stimmberechtigten mit Ja oder Nein gestimmt haben müssen. In Kiel gibt es rund 198000 Stimmberechtigte. Acht Prozent davon sind rund 15840 Stimmen. Wenn zwar mehrheitlich mit „Ja“ oder „Nein“ gestimmt wird, diese Mehrheit aber weniger als acht Prozent beträgt, fällt die Entscheidung zurück an die Ratsversammlung.

Spannend wird auch sein, inwieweit sich junge Menschen an der Abstimmung beteiligen. Im Unterschied zu Bundestags- und Landtagswahlen sind am 29. November auch Jugendliche ab einem Alter von 16 Jahren abstimmungsberechtigt.

Briefwahl

Wer lieber per Briefabstimmung teilnehmen möchte, hat die Möglichkeit, die Unterlagen bis zum 27. November, 12 Uhr, persönlich, schriftlich oder online anzufordern. Persönlich geht dies unter Vorlage des Personalausweises oder Reisepasses im Abstimmungsbüro im Untergeschoss des Rathauses, Fleethörn 9. Hier kann man mit den Briefwahlunterlagen auch gleich seine Stimme abgeben. Öffnungszeiten sind Montag und Dienstag, 8 bis 16 Uhr, Mittwoch und Freitag, 8 bis 12 Uhr, sowie Donnerstag, 8 bis 18 Uhr. Online gibt es das Antragsformular unter www.kiel.de/o24k

Der Abstimmungszettel muss persönlich gekennzeichnet und im grauen Umschlag verschlossen werden. Auf dem Abstimmungsschein wird die „Versicherung an Eides statt“ mit Ort, Datum und Unterschrift versehen und zusammen mit dem verschlossenen grauen Umschlag in den gelben Briefumschlag gesteckt. Am Abstimmungssonntag steht das Büro bis 15 Uhr für die Ausgabe von Abstimmungsscheinen in besonderen Fällen, etwa bei plötzlicher Erkrankung, zur Verfügung.

Paralympics

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hat dem Segelsport schon für die Paralympics 2020 in Tokio die Rote Karte gezeigt und die drei Klassen komplett aus dem Programm gestrichen. Offizielle Begründung der viel diskutierten Entscheidung: Der Segelsport erfülle wegen seiner ungenügenden weltweiten Verbreitung nicht die Kriterien für paralympische Sportarten. Der ehemalige Kieler Heiko Kröger, der mittlerweile in Jersbek lebt, kritisierte die IPC-Entscheidung als „schweren Rückschlag für den Inklusionsgedanken“. Der Paralympics-Sieger von 2000, der 2016 auch in Rio starten will, fügte hinzu: „Das IPC hat mit dem Hintern umgestoßen, was wir mit den Händen errichtet haben. Es gibt kaum eine inklusivere Sportart als Segeln, wo das Miteinander gut funktioniert.“ Bislang gibt es nur die vage Hoffnung, dass der Beschluss doch noch überdacht wird. Daher werden Paralympische Segel-Spiele auf dem Abstimmungszettel der Stadt Kiel erwähnt.

Unternehmer sind meist Zahlenmenschen. Aber Zahlenspiele zur Kosten- und Nutzenanalyse Olympischer Spiele sucht man derzeit in Wirtschaftskreisen vergeblich. Trotzdem sind sich die meisten Unternehmer im Norden einig: Schon die Bewerbung allein hätte einen unbezahlbar wertvollen Effekt für die gesamte Region – vorausgesetzt die Bürgerentscheide in Hamburg und Kiel am 29. November laufen auf ein „Ja“ zu den Spielen hinaus.

Jürgen Küppers 20.11.2015

Die Geschichte deutscher Olympia-Bewerbungen, das ist auch eine Geschichte des Scheiterns. Anfang des vergangenen Jahrhunderts tat Berlin alles, um Austragungsort der begehrten Sportwettkämpfe zu werden – und hatte doch immer wieder das Nachsehen.

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