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Kiel Als in Kiel die olympischen Fahnen wehten
Kiel Als in Kiel die olympischen Fahnen wehten
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01:01 20.11.2015
Von Gerhard Müller
Historischer Moment in Schilksee: Dieses Foto zeigt die Eröffnungsfeier für die Segelwettbewerbe im Jahr 1972. Schon damals gab es zuvor ein Duell zwischen Kiel und Lübeck. Die Landeshauptstadt setzte sich auch mit dem Argument durch, dass Olympia-Regatten nur mit Hilfe der Bundesmarine durchführbar seien. In der Lübecker Bucht könne diese wegen der Zonengrenze nur eingeschränkt operieren. Quelle: imago sportfotodienst
Kiel

Die Athleten wohnten eher bescheiden im Olympiaheim des Kieler Yacht Clubs, in Vereinsheimen oder auch in Hotels. Immerhin, sie hatten kurze Wege zum Olympiahafen, dem eine Seebadeanstalt weichen musste. Und am Hindenburgufer lag ein Nachbau einer Hansekogge, an deren Mast das olympische Feuer brannte.

 Trotz Regens kamen am 3. August rund 50000 Zuschauer zur Eröffnungsfeier. In der folgenden Nacht brach ein Sturm los, der die Kogge zum Kentern brachte. Das Schiff wurde aufgerichtet, das Feuer neu entfacht. An den folgenden acht Tagen verfolgten jeweils bis zu 10000 Augenzeugen die Regatten: Im Starboot gewannen Peter Bischoff und Hans-Joachim Weise als erste deutsche Segler überhaupt Olympia-Gold. Silber in der Olympiajolle ging an Werner Krogmann, und in der 8-m-Klasse steuerte Hans Howaldt die „Germania 3“ zu Bronze.

 Ähnlich wie beim aktuellen Vorentscheid, wer Hamburg für 2024 als Segelpartner begleiten darf, gab es auch vor 1972 ein Duell zwischen Kiel und Lübeck. Die Hansestadt reklamierte als Plus vorhandene Hotels für sich. „In Lübeck kann sofort gesegelt werden, dagegen muss in Schilksee außer dem Hafen alles gebaut werden“, befand Beppe Croce, der italienische Vizepräsident des Weltsegelverbandes, 1966 nach einem Besuch beider Städte. Angeblich gab eine Kieler List den Ausschlag: Olympia-Regatten seien nur mit Hilfe der Bundesmarine durchführbar, die jedoch in der Lübecker Bucht wegen der Zonengrenze nur eingeschränkt operieren könne.

 Dann also Schilksee. Das Olympia-Zentrum wurde in Beton gegossen, das später Kiels Ruf als „Welthauptstadt des Segelns“ zementiert hat. Zwei Bronzemedaillen gab es durch Uli Libor/Peter Naumann im Flying Dutchman sowie Willi Kuhweide/Karsten Meyer im Starboot.

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Gerhard Müller 20.11.2015