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Kiel Riesenchance oder Risiko?
Kiel Riesenchance oder Risiko?
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07:49 23.11.2015
Von Martina Drexler
Gegenüber: Ortsbeirat Joachim Balzer (Linke, links) glaubt nicht an die Nachhaltigkeit für Schilksee. Er geht von extrem steigenden Wohnungspreisen aus, wenn in Betongold investiert wird. Ortsbeiratsvorsitzender Christoph Holst ist für Olympia und stellt die Chancen für den Stadtteil in den Vordergrund. Quelle: Sven Janssen
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Kiel

Christoph Holst, Hobbysegler und Ortsbeiratsvorsitzender (CDU) von Schilksee, weiß um die Bedenken vieler Anwohner, sei es wegen der Sicherheit, der Furcht vor Gigantomanie oder vor zu großen Finanzrisiken. So versucht er immer wieder Überzeugungsarbeit für ein Ja zur Bewerbung zu leisten. Pro-Argumente findet er beim Gang vorbei an den Gebäuden mit dem „Beton-Charme der 70er Jahre“ jede Menge. Schilksee sei in die Jahre gekommen, brauche dringend eine Sanierung und deutlich bessere Infrastruktur: „Durch Olympia hätten wir die Chance, die Fehler der 70er Jahre aufzuarbeiten.“

Olympia kurbelt schon jetzt Wohnungsmarkt an

Dazu gehört für ihn auch das Hafenvorfeld, das laut Olympia-Planung der Stadt modernisiert werden soll mit einem Segelcampus als neuem Multifunktionsgebäude. Auch das Konzept mit dem Bau des Olympia-Dorfs auf dem jetzigen Behelfscampingplatz überzeugt den Diplom-Betriebswirt: „Das Nordende mit der Vaasahalle und dem Schwimmbad bröckelt.“ Kämen die Spiele nach Schilksee, führe dies zur Wertsteigerung der Immobilien. Schon jetzt, berichtet er, zögen die Preise an und es werde mit Anzeigen „Olympia im eigenen Haus erleben“ geworben. Neue Wohnungen könnten aber der Preisdruck wieder sinken lassen und mehr Familien anlocken, erhofft er sich von Olympia auch eine Verjüngung in Kiels ältestem Stadtteil. Das Durchschnittsalter liegt bei 54 Jahren.

Fürchten Segler eine "Enteignung"?

Olympia als Jungbrunnen und Innovationsschub? Genau das erhofft sich auch Emely Walter: Die 17-Jährige sitzt entspannt nach dem Ballett-Training im Café und will am Sonntag für die Austragung der Spiele stimmen: „Kiel ist ja ganz nett, hat aber für meine Generation nicht viel zu bieten. Das Beste ist die Kieler Woche. Olympia wäre eine Riesenchance, junge Sportler aus der ganzen Welt hierherzubringen.“ Das sieht Segler Holger Zemke (50) ganz anders. Er werkelt gerade in seinem aufgebockten Boot namens „Beauty Boxen“ und fürchtet Olympia geradezu, „weil wir dann für mehrere Wochen faktisch enteignet werden.“

Der gesamte Jachthafen sei bereits zehn Tage während der Kieler Wochen dicht, was man ja schon in Kauf nehmen müsse. Aber dann noch Olympia dazu? Zemke schüttelt den Kopf. Ein junges Paar aus Strande schlendert, die Mützen tief ins Gesicht gezogen, an den Bootsplätzen vorbei. Könnten sie abstimmen, würden sie ihr Kreuzchen auch bei Nein setzen. Olympia in Schilksee berührt auch die Nachbargemeinde stark: Damit das Publikum das Segelgeschehen in und vor der Strander Bucht hautnah miterleben kann, sollen Tribünen für Tausende Menschen auf dem Strand und der Bülker Huk errichtet werden. „Die Nachteile überwiegen“, meint die Frau, während ihr Mann überzeugt ist, dass sich eventuelle Eingriffe in Verkehrsführung und Naturgebiete nicht mit der „kleinen gemütlichen Gemeinde“ vertragen.

Wie lange würden die Baumaßnahmen dauern?

Lutz Burmester, Geschäftsinhaber des Segelshops im Olympiazentrum, fühlt sich hin- und hergerissen: Als Segler weiß er, wie toll das Revier ist und wie prima die das Olympia-Ausmaß weit übertreffenden Kieler Wochen organisiert werden. „Für Kiel eine Superchance, vom sportlichen Event alles toll“, dann aber folgt ein großes Aber: Was ist, wenn die Baumaßnahmen das gesamte Areal im Hafen womöglich für Jahre lahmlegen? „Dann geht wohl nichts mehr“, vermutet er. Vor seiner Ladentür hat es zwar aufgehört zu regnen. Doch die Stimmung bleibt bedeckt.

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