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Kiel Großer Andrang auf den Marineschiffen
Kiel Großer Andrang auf den Marineschiffen
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19:21 22.06.2014
Von Frank Behling
Übertroffen wird die lange Schlange von der „Gorch Fock“ und den beiden US-Schiffen. Zeitweise reicht die Menschenkette vor dem Checkpoint der US-Einheiten fast hundert Meter zurück. Zwischendurch gab es auch mal eine musikalische Einlage der Soldaten. Quelle: FB
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Kiel

„Darf ich da auch mal hin?“ Der kleine Julius und sein Freund Nathan stehen oben auf der Brücke der „La Soummam“, dem Schulschiff der algerischen Marine. „Aber natürlich. Was möchtest du denn wissen?“, fragt ein algerischer Marinesoldat in bestem Deutsch. Die Hebel für die Geschwindigkeit und das Ruder findet Julius besonders toll. Die „La Soummam“ ist nur einer der Besuchermagneten am Wochenende.

 Übertroffen wird die lange Schlange von der „Gorch Fock“ und den beiden US-Schiffen. Zeitweise reicht die Menschenkette vor dem Checkpoint der US-Einheiten fast hundert Meter zurück. Die Amerikaner zeigen dafür alles: Während viele Schiffe nur das Oberdeck offen haben, werden die Besucher auf „Mount Whitney“ und „Oscar Austin“ auch durch die Schiffe geführt. Gezeigt werden Hubschrauber, Geschütze, Kommandobrücke und teilweise sogar die Operationszentrale mit den Bildschirmen. „Das haben wir nicht erwartet, dass die so offen sind“, sagt Sibylle Schwarzer aus Hohenweststedt. Bei den Amerikanern werden aber auch Waffen gezeigt, die es so auf keinem anderen Schiff zu sehen gibt. Das ist unser LRAD“, erklärt ein Seemann der „Oscar Austin“: Die vier Buchstaben stehen für Long-Range-Acoustic-Device – frei übersetzt eine Schallkanone. Wenn sich ein verdächtiges Schiff oder Boot nähert, kann damit ein schmerzhafter Signalton direkt auf das Fahrzeug gerichtet werden. Mit dieser Waffe wurden bereits Piraten abgedrängt, ohne dass Schüsse fielen.

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 Das Open Ship ist auch wieder ein Treffpunkt für die Soldaten. „Ich studiere Schiffbau an der Universität Southampton“, sagt Alice Kent. Die 21-Jährige gehört zur Besatzung des Patrouillenbootes „Blazer“ der Royal Navy. Vier dieser Boote und die Fregatte „Montrose“ hat die britische Marine nach Kiel geschickt. „Jedes Boot hat zehn Studenten, einen Ausbilder und fünf reguläre Crewmitglieder“, sagt Kent. Mit diesen Sommerfahrten wirbt die Royal Navy an verschiedenen Universitäten von Oxford bis Southamptom um Nachwuchs. „Die Kieler Woche ist ein ganz wichtiger Programmpunkt für die US-Soldaten der Schiffe nach dem harten Manöver“, sagt Vizeadmiral Philip Davidson, Befehlshaber der 6. US-Flotte.

 Das Fehlen der russischen Marine, die erstmals seit 20 Jahren nicht mehr zu den Gästen gehört, will Davidson nicht kommentieren. „Das ist Sache der deutschen Regierung“, sagt er diplomatisch. Den Liegeplatz, den sonst die Einheiten der Baltischen Flotte nutzten, haben in diesem Jahr die Briten und die Nato übernommen. Neben Russland fehlt auch erstmals der Besucher aus Kiels Patenstadt Brest. Die französische Marine war nicht ausgeladen worden – sie konnte schlicht nicht. Die angemeldete Fregatte „La Lavalée“ musste wieder gestrichen werden. Dafür sprang die dänische Marine kurzfristig mit der Fregatte „Thetis“ und zwei Minensuchbooten ein.

 Die Besucherzahlen haben unter dem Fehlen der russischen Marine nicht gelitten. Im Gegenteil. Mit 11000 Besuchern gibt es sogar ein leichtes Plus gegenüber den Vorjahren. „Das Open Ship ist eben ein Treffpunkt – besonders die ’Gorch Fock’“, sagt Korvettenkapitän Norman Wald vom Presse- und Infozentrum.

 Am Mittwoch öffnet die Marine erneut die Tore der Tirpitzmole von 13.30 bis 17.30 Uhr. Am Mittwochabend gibt es außerdem von 19 bis 21 Uhr das traditionelle Kieler-Woche-Konzert des Marinemusikkorps Ostsee auf der Fregatte „Hamburg“. Kostenlose Karten können bei der Marine unter Tel. 0431/384-2509 oder unter -2593 reserviert werden.