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Kiel DAA-Projekt Helping Hand vor dem Aus?
Kiel DAA-Projekt Helping Hand vor dem Aus?
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17:59 06.11.2019
Von Petra Krause
Unzählige dieser Holzobjekte sind in den vergangenen Jahren in dem DAA-Projekt „Helping Hand“ unter der Leitung von Michael Heuer entstanden. Sie alle würden vermutlich vom MFG-5-Gelände verschwinden, wenn das Projekt nicht fortgeführt wird. Quelle: Petra Krause
Kiel

Leiter Michael Heuer von der Deutschen Angestellten Akademie (DAA), die das Projekt 2015 mit Unterstützung des Jobcenters und der Stadt Kiel ins Leben gerufen hatte, bat den Ortsbeirat Holtenau um Unterstützung bei der Fortführung des Projektes.

Auf rund 80.000 Euro belaufen sich die jährlichen Gesamtkosten für das Projekt. In den Anfängen wurden „lediglich Holzwände gebaut für die Gemeinschaftsunterkunft, um den Flüchtlingen zumindest ein bisschen Privatsphäre zu ermöglichen“, beschreibt Heuer den Start. Doch schon bald machten sich die sechs bis acht Langzeitarbeitslosen daran, die Umgebung in der Anlage auf dem MFG-5-Gelände mit Holzobjekten verschönern. Zahlreiche Bänke, Tische, Sitzkombinationen, Blumenkästen, Spielhäuser, Info-Tafeln, Mülleimer, Begegnungsinseln, ein Waldlehrpfad und ein Barfußpfad sind so in den vergangenen Jahren entstanden.

Eine Win-Win-Situation für alle

„Wir haben ein lebenswertes und freundliches Umfeld geschaffen, das zur Deeskalation und zu einem friedlichen Miteinander im Stadtteil beiträgt“, so Heuer. Die Objekte werden sowohl von den Flüchtlingen als auch von allen im Stadtteil reichlich genutzt, was die Ortsbeiratsvorsitzende Heidi Toscan (SPD) nur bestätigen konnte. Für die Leiter der Gemeinschaftsunterkunft, Birgit Stöcken (Awo) und Bilal Abadi (DRK), ist das Projekt für alle eine klassische Win-Win-Situation.

Objekte stehen jetzt im Winterlager

Deshalb durfte Helping Hand nach und nach diverse Räume im Projekthaus, wo unter anderem die Fahrradwerkstatt, das Atelier und die Kleiderkammer untergebracht sind, belegen. „Alle im Stadtteil profitieren von unseren Objekten“, so Heuer. Zum Ende des Jahres werden fast alle Holzobjekte immer ins Winterlager gebracht, in der Werkstatt wieder aufgearbeitet sowie neu lackiert. „Das ist auch nötig“, so Heuer, obwohl sie kaum durch Fremdeinwirkung beschädigt werden. Heuer selbst hat keine Erklärung, warum das Projekt nicht mehr gewollt ist. Anna Mergner, Jobcenter-Pressesprecherin, erklärte dazu: „Wir können diese spezielle Maßnahme nicht mehr mitfinanzieren.“ Es gebe aber weiterhin diverse andere Projekte für Langzeitarbeitslose auch im handwerklichen Bereich.

Wertschätzung für Langzeitarbeitslose

Für Danny, Patrick, Horst und all die anderen, die durch das Projekt auch Wertschätzung erfahren haben, hofft Heuer dennoch auf eine Lösung – zumal es auch gelungen sei, einige in sozialversicherungspflichtige Jobs zu vermitteln. Der 32-jährige Danny fände es „total schade“, wenn das Projekt eingestellt wird. „Ich habe eine Tagesstruktur, und die Arbeit hat einen Zweck,“ sagt er. Ähnlich sieht es auch Patrick: „Ich finde es sinnvoll hier, weil man nicht nur für die Bewohner der Einrichtung etwas tut, sondern für die Allgemeinheit“, sagt der 38-Jährige. Einige kämen sogar vor Arbeitsbeginn um 8 Uhr, Fehlzeiten hätte es kaum gegeben, unterstreicht Heuer die positive Wirkung.

Ortsbeirat stellt Antrag an Sozialausschuss

Ob die Holzobjekte das Winterlager wieder verlassen werden, wird sich vermutlich in den nächsten Wochen entscheiden. Heuer hofft, durch den Ortsbeirat eine gewisse Öffentlichkeit für das Projekt herstellen zu können. Das Holtenauer Gremium unterstützt jedenfalls die Fortführung und verabschiedete einstimmig einen Antrag an den Sozialausschuss. Darin möge er die Verwaltung auffordern, sich gegenüber dem Jobcenter Kiel dafür einzusetzen, das Projekt „Helping Hand“ über den 31. Dezember dieses Jahres auf dem Gelände der Marineflieger aufrechtzuerhalten.

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