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Kiel Diskussion über Aufteilung der Straßen
Kiel Diskussion über Aufteilung der Straßen
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12:00 15.06.2019
Von Oliver Stenzel
Schön, aber unbequem: Das klassische Kopfsteinpflaster treibt manchen Radfahrer auf den Gehweg. Der Ortsbeirat Ravensberg diskutierte über die Nutzung von Gehwegen, Parkmöglichkeiten für Auto und Rad sowie die Unterbindung von regelwidriger Nutzung. Quelle: Oliver Stenzel
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Kiel

In vielen Straßen Kiels zeugt es von Geschichte und vervollkommnet den ästhetischen Gesamteindruck: das Kopfsteinpflaster, das den Charme alter Häuser unterstreicht und bei Autofahrern als natürliches Verkehrsberuhigungsmittel wirkt. Wer sich allerdings mit dem Fahrrad über eine gepflasterte Straße bewegt, wird kräftig durchgeschüttelt – ein Grund, aus dem mancher Pedalist auf den Gehweg ausweicht und dort womöglich Fußgänger in Bedrängnis bringt.

Geht es nach dem Ortsbeirat Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook, soll daher in seinen Stadtteilen künftig jede Gelegenheit wahrgenommen werden, Kopfsteinpflaster durch ebeneren Belag zu ersetzen. Diese bei einer Enthaltung einstimmig beschlossene Forderung an die Verwaltung ist eine von mehreren Ideen, in die die Diskussion eines großen Themas mündete: „Wie teilen wir unsere Straßen auf?“ lautete die Ausgangsfrage des zentralen Tagesordnungspunkts am vergangenen Mittwoch. Im Fokus standen dabei die „Nutzung von Gehwegen, Parkmöglichkeiten für Auto und Rad sowie die Unterbindung von regelwidriger Nutzung“.

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Schlechte Radwege treiben die Radler auf die Gehwege

Doch auch schlechte Radwege, die Angst vor den Autos auf den mittlerweile oft legal befahrbaren Straßen oder der Egoismus treiben die Radfahrer aus Sicht der Ortsbeirats-Mitglieder verstärkt auf den Bürgersteig. In einer zweiten Forderung wünscht sich der Beirat daher gesteigerte Kontrollen von Radfahrern auf Gehwegen durch den kommunalen Ordnungsdienst. All dies zeuge auch von einem Grundproblem jedweder Stadtentwicklung, bilanzierten auf der Sitzung Rainer Bohn und Uwe Redecker als Vertreter des Tiefbauamts. „Mit der Veloroute 10 verfügt die Stadt heute zwar über ein Topprodukt, der sonstige Bestand weist aber erhebliches Defizite auf“, betonte Redecker, der sich als Radverkehrsbeauftragter Kiels einer „Generationenaufgabe“ gegenübersieht.

Dies betrifft ebenso das Nebeneinander von Fußgängern und parkenden Autos, das sich beispielsweise in der Clausewitzstraße als besonders problematisch zeigt: „Nicht zuletzt durch die größer gewordenen Fahrzeuge bleiben auf dem Gehweg für Fußgänger  teilweise gerade einmal 90 Zentimeter Platz“, berichtete Michael Richter, der sich als Anwohner daher wünscht, dass nur noch auf einer Seite der Clausewitzstraße geparkt werden darf. Ortsbeirats-Mitglied Maria Laatsch  (FDP) unterstrich im Gegenzug den durch solche Maßnahmen wachsenden Parkdruck: „Die Autos, die hier sonst parken würden, lösen sich ja nicht einfach in Luft auf. Wenn man im Viertel Parkplätze streicht, wächst zugleich die Gefahr von Abgasen und Lärmbelästigung durch Parkplatzsuchende.“

Wie breit sollen die Gehwege sein?

Aus Sicht von Rainer Bohn ist auch auf diesem Gebiet ein Umdenken vonnöten: „Es ist lange Zeit gesellschaftlicher Konsens gewesen, die Wohngebiete dichtzuparken“, befand der Verkehrsentwicklungsplaner auch im Hinblick auf die entsprechende Laxheit bei der Kontrolle von Falschparkern. Mathias Triebel (Die Grünen) wunderte sich in diesem Zusammenhang nicht nur laut darüber, dass das Falschparken zu wenig geahndet wird, sondern auch darüber, auf wie vielen Gehwegen den Autofahrern das volle Aufparken erlaubt ist. Eigentlich sei mittlerweile ja sogar eine Gehwegbreite von 2,50 gewünscht, ergänzte Uwe Redecker: „Es geht jetzt darum, in welche Richtung die Verwaltung geschickt wird.“

Tatsächlich folgten die Mitglieder des Ortsbeirats der indirekten Aufforderung und wünschen sich von der Stadt eine Überprüfung der Parkplätze im Hinblick auf die ideale Gehwegbreite. Ein zweite Forderung betrifft erneut den kommunalen Ordnungsdienst: Neben den Radfahrern auf den Gehwegen soll dieser zukünftig auch verstärkt den Parkraum im Kreuzungsbereich kontrollieren.

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