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Kiel Oslo: Color-Fähren hängen an der Dose
Kiel Oslo: Color-Fähren hängen an der Dose
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08:56 05.07.2012
Von Frank Behling
Landanschluss der Color line in Oslo. Erstmals werden die Fähren mit Strom versorgt. Die Steckdose der COLOR MAGIC Quelle: FB
Oslo/Kiel

Seit dieser Woche hängen die „Color Fantasy“ und auch die „Color Magic“ in Oslo am Netz. Der Stromanschluss ist nicht nur gut für die Reederei, er ist auch gut für Umwelt. Die Schiffe stoßen so 3000 Tonnen CO{-2}, 50 Tonnen Stickoxid und 2,5 Tonnen Schwefeldioxid sowie 750 Kilogramm Feinstaub weniger aus.

 Um dieses Ziel zu erreichen, braucht das Schiff bis zu 4,5 Megawatt aus dem Landnetz. „Das gibt es natürlich nicht mal so irgendwo her“, sagt Jan Helge Pile, Projektmanager für Landstrom bei Color Marine in Sandefjord. In Oslo wurden rund 900 Meter Kabel zum Liegeplatz verlegt. Auf der Pier steht der Stecker in einer zwei Meter hohen Halterung.

 „Das ist ganz einfach und absolut sicher. Der Anschluss erfolgt in weniger als 15 Minuten. Und das bei jedem Wetter“, sagt Elektroingenieur Knud Tvede. Der Herr über jede Steckdose und Deckenleuchte an Bord der „Color Magic“ ist inzwischen absolut routiniert. Alle acht Dieselmotoren an Bord verstummen erstmals im Hafen. „Das ist für die Besatzung ein völlig neues Gefühl. Zum ersten Mal seit der Ablieferung von der Werft ist es im Maschinenraum total still. Das kennen die Maschinisten nicht“, sagt Jan Helge Pile.

 Kabel, Transformatoren und Schalttafeln wurden an Bord der beiden Schiffe eingebaut. Ein Mechanismus mit einem ausfahrbaren Kran holt den Stecker aus einer Halterung an der Pier und zieht ihn nach oben in die aus der Bordwand ausfahrbare Dose. Der Lagerplatz für Klopapier und Putzmittel wurde eben mal kurz halbiert, um den zwölf Tonnen schweren und drei Meter hohen Transformator an Bord unterzubringen. Er wandelt den Spannung für die Bordnutzung um.

 Die Realisierung des Landanschlusses in Oslo hat rund eine Million Euro gekostet. 1,9 Millionen Euro investierte die Reederei in den Umbau der Schiffe und den Kauf der Anschlusstechnik. In Norwegen ist diese Stromversorgung attraktiv. Erzeugt wird der Strom in Wasserkraftwerken nordwestlich von Oslo.

 Irgendwann sollen die beiden Color-Schiffe auch in Kiel ans Landnetz. Man sei in guten Gesprächen mit dem Seehafen Kiel, sagt Pile nach einem Besuch in Kiel am Dienstag. Ein Problem in Deutschland sei aber der Strompreis. „Der ist in Kiel doppelt so hoch wie in Oslo“, rechnet Pile vor.

 Die Testphase in Oslo ist jetzt abgeschlossen. „Die Leute in der Nachbarschaft des Terminals sind uns dafür dankbar“, sagt Reedereisprecher Helge Otto Mathisen. In Oslo soll in den kommenden zehn Jahren die Wohn- und Geschäftsbebauung bis an den Liegeplatz der Kiel-Oslo-Fähren heranrücken. Deshalb ist die Vermeidung von Emissionen wichtig. Als nächstes stehe die Reduzierung der Emissionen während der Fahrt auf der Liste. Pläne für Motoren mit Katalysatoren oder Erdgas als Treibstoff liegen bereits in den Schubladen der Ingenieure.

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