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Kiel Oslo-Fähren stehen unter Landstrom
Kiel Oslo-Fähren stehen unter Landstrom
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17:26 06.08.2019
Von Michael Kluth
Die Fähren der Color Line am Norwegenkai (unten) beziehen schon Landstrom, die Fähren der Stena Line am Schwedenkai (oben) noch nicht. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Das Unternehmen sei Vorreiter bei der Entwicklung und Nutzung umweltfreundlicher Technologien, sagt der Deutschland-Chef der Reederei, Dirk Hundertmark. „Wir betrachten sie als soziale Verantwortung und als unternehmerische Notwendigkeit, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein.“ Die Reederei nehme mit dem Landstrom Mehrkosten „in signifikant fünfstelliger Höhe pro Monat“ in Kauf.

Color Line will Kosten in Kiel nicht auf Dauer tragen

Allerdings nicht bis in alle Ewigkeit. „Einen derart bedeutsamen Wettbewerbsnachteil können und werden wir nicht auf Dauer tragen“, sagt Hundertmark. Er erwartet nun einen verbindlichen Zeitplan, wann der Bund „zeitnah“ die kostspielige Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wie für die Bahn auch für die Schifffahrt auf 20 Prozent senkt. Die politische Entscheidung dafür ist im Mai gefallen. 

Vier-Punkte-Paket für den Landstrom

Die Chefs der Staatskanzleien und die Wirtschaftsminister der fünf norddeutschen Bundesländer hätten einer entsprechenden Absichtserklärung zugestimmt, berichtet Norbert Brackmann, der Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft. Die angestrebte Bund-Länder-Vereinbarung umfasse vier Punkte: Senkung der Energieumlage, Senkung der Netzentgelte, Investitionsförderung in den Häfen und eine europäische Verständigung. Noch sei nicht geklärt, ob die EU-Kommission dem Paket zustimmen muss. Die Sache dauert länger, als es Brackmann lieb ist – und den Kielern erst recht.

Warum die Schornsteine noch qualmten

Reedereichef Hundertmark und Hafenchef Dirk Claus klären zudem eine Irritation auf: Nach der Eröffnung der Landstromanlage am 9. Mai waren während der Liegezeiten der Fähren weiter die Dieselmotoren gelaufen. Grund seien technische Anpassungen, teilen beide mit. Die Systeme an Bord seien mit der Anlage an Land abgestimmt, die Kabel des Steckers nachgebessert und Spannungsschwankungen ausgeglichen worden. In dieser Zeit hätten die Schiffe „nicht durchgehend am Landstrom“ gelegen. Hilfsdiesel hätten die Stromversorgung gedeckt oder abgesichert. Claus versichert: „Die Anlage läuft nunmehr vereinbarungsgemäß“ – „allerdings noch nicht vollautomatisch wie in Oslo“, ergänzt Hundertmark, „was zu Verzögerungen führt.“ Es seien noch „einige Software-Updates und Programmierarbeiten nötig“. 

Zweite Landstromanlage ist 2020 fertig

Gute Nachrichten gibt es derweil zur zweiten Landstromanlage, die ab 2020 am Ostseekai 70 bis 80 Kreuzfahrtschiffe pro Jahr sowie täglich die Fähren der Stena-Line am Schwedenkai mit Strom versorgen soll. Claus: „Der Auftrag kann voraussichtlich in diesem Monat erfolgen, sodass die Anlage im kommenden Jahr betriebsbereit ist.“

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Die Landstromanlage

Die Landstromanlage von Siemens mit 4,5 Megawatt Anschlussleistung bei 10,5 Kilovolt Spannung und einer Netzfrequenz von 50 Hertz ist am 9. Mai 2019 am Norwegenkai im Kieler Hafen feierlich eröffnet worden. Dort liegen täglich von 10 bis 14 Uhr abwechselnd die Oslo-Fähren „Color Magic“ und „Color Fantasy“. Der jährliche Strombedarf während der Liegezeiten beträgt vier Millionen Kilowattstunden. Beide Fähren sind für den Strombezug von Land ausgerüstet, unter anderem mit zehn Tonnen schweren Trafos, die die Spannung auf 690 Volt herunterregeln. In die Landstromanlage hat der Seehafen Kiel 1,2 Millionen Euro investiert. Ein Drittel davon trägt aber das Land. 

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