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Kiel Mit der Weltspitze auf hundertachtzig!
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18:57 11.06.2019
Von Karen Schwenke
"High Five" mit dem weltbesten Dartsspieler Michael van Gerwen. 2000 Fans feierten bei der ersten Ostsee Darts Gala. Mit dabei waren auch die Profis Raymond van Barneveld, Marcel Scorpion, Simon Whitlock, Devon Petersen und Wayne Mardle. Quelle: Sönke Ehlers
Kiel

Die Menschen waren fünf Stunden lang in Feierlaune. Und es gab bei dieser ersten Darts-Gala in der Kieler Sparkassen-Arena am Pfingstmontag unzählige Höhepunkte – immer dann, wenn ein Profi auf der Bühne in drei Würfen die maximale Punktzahl schaffte, nämlich 180.

Van Gerwen siegt im Finale gegen Hopp

Als Darts-Weltmeister Michael van Gerwen seine Fäuste zum Sieg ballt, ist es schon bald Mitternacht. Eben hat der Niederländer im Finale gegen die deutsche Nummer eins, Max Hopp, mit 6:0 gewonnen. Seit 19 Uhr sind die beiden und acht weitere Profi-Sportler dabei, ihre Pfeile gekonnt zu platzieren. Auf der Bühne herrscht Konzentration, im Parkett eine Mischung aus Ballermann und Karneval.

„Für mich ist das Fasching im Sommer!“ Roberto Schulze muss diesen Satz schreien, weil die Musik seine Stimme übertönt. Der 52-Jährige ist extra aus der Nähe von Bautzen in Sachsen nach Norddeutschland gekommen. Einen Tag zuvor war er bei der Darts-Teamweltmeisterschaft in Hamburg.

Dort erlebte er, wie der jetzt so herausragende „Mighty Mike“ van Gerwen bereits im Halbfinale ausgeschieden war. Auch Maxi Hopp hatte im Achtelfinale enttäuscht. Doch das ist schon fast vergessen. Denn in Kiel zählt nur die Show. Und die Ehre. Auch für Darts-Fan Schulze aus Sachsen geht es um nichts anderes als „Spaß, Spaß, Spaß: Für mich ist Darts sowieso purer Stressabbau am Feierabend“.

Die besten Dartsspieler der Welt haben sich am Montagabend in der Kieler Sparkassen-Arena vor rund 2000 feiernden Fans gemessen.

Das Bier fließt, die Stimmung steigt

Offenbar ist das der gemeinsame Nenner für alle. Etliche Fans sind verkleidet – etwa als Frosch, Bierflasche, Super Mario oder Schlumpf. Vor jedem Spiel rennen sie für ein High-Five mit einem Star zum abgesperrten Walk-on. Und wenn nicht gerade ein Spiel ansteht, wird dem Publikum mit Musik eingeheizt. An den Gastro-Ständen in den Gängen geht dabei massenhaft Alkohol über den Tresen.

„Die Leute trinken vor allem Bier. Viel Bier“, sagt ein Barkeeper, der seinen Namen nicht sagen will. Gegen 21 Uhr haben offenbar viele ihren Pegel erreicht. Die Fans  tanzen jetzt überall auf den Tischen. Ein Pärchen in bunten Satin-Anzügen nutzt eine freie Fläche für Standardtänze. Von oben aus den Rängen kommen Chorgesänge, im Parkett stimmen die Menschen ein.

Richard Lohlke (31) hält sich strikt an das Gerstengetränk im Plastikbecher. „Ich bin exakt 202 Kilometer aus Rostock im Flixbus angereist“, rechnet er vor. „Ich wollte unbedingt Raymond van Barneveld sehen. Das war die letzte Möglichkeit.“ In der Tat beendet der fünffache Weltmeister aus den Niederlanden seine Karriere. Sein Auftritt in Kiel soll einer der letzten gewesen sein. „Er ist eine absolute Legende“, meint Lohlke und ist mit dieser Einschätzung bei Weitem nicht allein.

Verstreut im Publikum sitzt die sogenannte „Barney Army“, die Fangemeinde in orangefarbenen Trikots. Lohlke wirkt traurig, als sich van Barneveld nach verlorenem Halbfinale wortreich verabschiedet. Trost findet er beim Zuprosten mit einem anderen Barney-Fan, den er gerade zum ersten Mal getroffen hat: „Unglaublich, wie viele Leute man hier kennenlernt.“

Männerüberschuss im Publikum

Frauen sind allerdings rar. Beispiel: Zehn Männer der Fußball-Liga-Mannschaft des SV Friedrichsort sind in Begleitung nur einer Frau gekommen. Allesamt als Panzerknacker verkleidet. „Die anderen Frauen dürfen nicht mit, die müssen auf die Kinder aufpassen“, sucht einer von ihnen nach einer Erklärung. Die 40-jährige Jacky Gotthard fühlt sich jedenfalls unter den maskierten Kerlen wohl: „Dieser Abend ist der Hammer“, sagt sie und nippt an ihrem Wein. „Schade nur, dass Patrick Wiencek verloren hat.“

Profi-Handballer performen an der Dartscheibe

Die Frau spielt auf die allererste Runde an, in der THW-Star Patrick Wiencek gegen Max Hopp angetreten war. Der Darts-Amateur hatte tags zuvor die deutsche Handball-Vizemeisterschaft gewonnen, musste nun nicht aufs Tor zielen, sondern auf die Dartscheibe und verlor tatsächlich 0:4 gegen den besten Deutschen im Darts. Immerhin schlug er sich ganz gut: „Du hast dreimal fast eine 180 geworfen“, lobte ihn Max Hopp hinterher. Ein zweiter THW-Spieler zeigte sich sogar noch begabter: Hendrik Pekeler.

Der 2,03-Meter Mann hatte sich am Vortag am gleichen Ort verletzt. Verdacht auf Bänderriss. Er trat trotzdem im Doppel mit dem deutschen Profi-Dartsspieler Martin Schindler gegen Wiencek und Hopp an. Das ungleiche Duo Pekeler/Schindler mit einem Größenunterschied von bestimmt anderthalb Köpfen gewann 2:0. Wie der Verletzte dazu beitrug? Er legte seine Gehstützen ab, verlagerte das Gewicht auf sein gesundes Bein, zielte sicher und schloss den ersten Leg mit einem Doppelwurf ab. Die Fans johlten. Wieder einmal. 

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