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Kiel Neue Kanäle fürs Abwasser
Kiel Neue Kanäle fürs Abwasser
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21:00 04.03.2015
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Bis zu zehn Tanksattelschlepper mit Abwasser lässt eine „AIDAcara“ pro Anlauf in Kiel entsorgen. Quelle: Frank Behling
Kiel

Hintergrund ist eine neue Richtlinie nach dem „Internationalen Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe“ (Marpol).

 Die Menge an Schmutzwasser, die sich auf den Kreuzfahrern mit bis zu 4000 Passagieren ansammelt, ist gigantisch: So fallen etwa bei einer „Aidacara“ schnell mal zehn Tankwagen-Füllungen an, die bei einem Aufenthalt entsorgt werden müssen. Wie die Reederei in Rostock mitteilt, müssen bei einem Hafenanlauf des Schiffes in Kiel 250 bis 300 Kubikmeter abgegeben werden. Die in diesem Jahr erstmals in Kiel stationierte „Aidaluna“ benötigt Entsorgungskapazitäten für 500 bis 600 Kubikmeter während der Liegezeit.

 Nach Aussagen des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) leiten die großen Passagierschiffe heute keine Abwässer mehr ungeklärt in die Ostsee. Alle Schiffe seien mit Kläranlagen zur Vorklärung ausgestattet. Die Ostsee ist Sondergebiet nach der Anlage IV des Marpol-Übereinkommens für die Einleitung von Schiffsabwässern. Die strengeren Einleitgrenzwerte für Abwässer gelten für neue Passagierschiffe ab 2016 und für vorhandene Passagierschiffe ab 2018. Darin sind verbindliche Einleitgrenzen außerhalb der Zwölfmeilenzone für Phosphor und Nitrat vorgegeben. Alternativ soll die komplette Entsorgung an Land erfolgen. Diese Möglichkeit wünschen viele Reedereien schon seit Jahren.

 „Das zwingt die Häfen zu reagieren. Das bisherige Kanalsystem am Ostseekai ist nicht dafür ausgelegt, wenn pro Anlauf eines Schiff bis zu 1000 Kubikmeter eingeleitet werden sollen“, sagte Arne Breiholz vom Seehafen Kiel im Innen- und Umweltausschuss. In Zusammenarbeit mit der Stadtentwässerung sei man bereits auf einem guten Weg. Der Seehafen habe ein Kieler Unternehmen mit der Planung einer zukunftsfähigen Schmutzwasserentsorgung beauftragt. Etwa 1,2 Millionen Euro müssen dafür investiert werden. Das Land habe eine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, dieses Projekt zu fördern.

 Für die Fährverbindungen nach Oslo und Göteborg erwartet der Seehafen keine Probleme. „Da die Schiffe täglich pendeln, fallen nur geringe Mengen an, die in den Häfen abgegeben werden“, erklärte Breiholz. Die Stena Line hat einen eigenen Abwasseranschluss am Schwedenkai.

 Wie schnell es bei der Einleitung in das bestehende Abwassernetz zu Komplikationen kommen kann, zeigte sich im Mai 2012. Damals hatte ein Kreuzfahrtschiff am Ostseekai seine Tanks ohne Druckbegrenzung an die städtische Kanalisation angeschlossen und die Abwässer ins Rohrsystem gepumpt. Die Folge war kurz darauf eine Geruchsbelästigung im Konzertsaal des Kieler Schlosses. Ein Teil des Abwassers hatte einen Weg in einen Kanal genommen, der eigentlich als Abwasserleitung des Schlosses diente. Seither muss dieser Kanal jedesmal bei Schiffsbesuchen am Ostseekai mit einer Sperre verschlossen werden.

 Von Günter Schellhase und Frank Behling