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Kiel Auch Ostseesalz würzt jetzt die Suppe
Kiel Auch Ostseesalz würzt jetzt die Suppe
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07:00 30.12.2014
Von Jennifer Ruske
Sind erfolgreich mit Salz aus der Ostsee (von links): Michael Dobrowolski, Dirk Münze und Christopher Walter. Auf ihrem Ofen wird das gefilterte Ostseewasser so lange verkocht, bis die reinen Salzkristalle übrig bleiben. Quelle: Jennifer Ruske
Kiel/Strande

Mit einer Überlegung und zwei Eimern Wasser aus der Kieler Förde fing alles an: „Warum eigentlich Salz aus fernen Ländern kaufen, wenn der Rohstoff doch direkt vor der Tür schwimmt?“, fragte sich der gelernte Einzelhandelskaufmann Christopher Walter – und begann, in seiner Küche mit selbst geschöpftem Fördewasser zu experimentieren. „Ich bin ein Genussmensch“, sagt der zweifache Familienvater, der beim Kochen auf regionale, frische Lebensmittel setzt. Nur beim Salz musste er ausweichen, denn das gab es nicht aus der Ostsee. Das hat sich inzwischen geändert.

 Einfach war der Weg zur eigenen Manufaktur allerdings nicht: „Ich habe anfangs viel herumprobiert“, erinnert sich Christopher Walter. Die erste Ladung Salz, mehr als zehn Stunden lang auf dem heimischen Herd gekocht und im Backofen getrocknet, landete komplett im Müll. „Ich hatte das Wasser nicht gefiltert, es waren noch alle Schwebestoffe darin.“ Mit Papierfiltern („ähnlich wie beim Kaffeekochen“) wurde das Manko anfangs behoben. „Und es funktionierte“, freute sich der 45-Jährige. Heute bezieht die Manufaktur das Ostseewasser von einem Fischzüchter. Er liefert dem Team das Fördewasser gefiltert und mit UV-Licht bestrahlt („um Mikroorganismen abzutöten“) in 1000-Liter-Tanks.

 Abgekocht wird das Meerwasser in zwei 150-Liter-Edelstahlwannen auf einem großen Holzofen. Dieser steht auf Gut Eckhof bei Strande unter freiem Himmel. Weiße Dampfwolken wabern über dem köchelnden Wasser, aus dem Marketing-Experte Dirk Münze mit einer Schöpfkelle die Salzkristalle fischt. „Wir haben gut zu tun“, erzählt Walter, der zusammen mit Münze und Logistiker Michael Dobrowolski das Team der Ostseesalz-Manufaktur bildet. „Aus der anfänglichen Produktion bei uns in der Küche und im Garten ist inzwischen ein Fulltime-Job geworden.“

 Insgesamt 800 Liter Wasser verkochen die Salzsieder pro Tag. Der Ofen brennt rund um die Uhr. „Da muss immer einer dabeibleiben“, sagt Münze. Holz nachlegen, Wasser nachschütten und regelmäßig Salzkristalle abschöpfen. „Wenn die anbrennen, ist der Geschmack dahin.“ Für die Unternehmer wäre das fatal, denn die Produktion des Salzes ist langwierig. „Für zwölf bis 15 Kilo Salz müssen wir etwa 1000 Liter Fördewasser verkochen.“

 Nach dem schonenden Trocknen werden die Ostseesalz-Kristalle von Hand in 100-Milliliter-Weckgläsern verpackt. Die gibt es in verschiedenen (Feinkost-)Geschäften nicht nur in Kiel und der Umgebung zu kaufen: Sie werden inzwischen auch über Schleswig-Holstein hinaus vertrieben. „Die Kunden mögen den Geschmack, der mit dem französischen Fleur de Sel vergleichbar ist“, sagt Walter. „Aber auch die gute Qualität, die Regionalität und die Handarbeit kommen gut an“, freuen sich die Salzsieder. „Es ist anscheinend ein perfekt in die Zeit passendes Produkt.“