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Kiel Kiels Traum wird in Marburg wahr
Kiel Kiels Traum wird in Marburg wahr
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07:00 18.12.2015
Von Konrad Bockemühl
In Marburg wird mit der äußerst präzise ausgerichteten Partikeltherapie gearbeitet. Davon profitieren Krebspatienten, denen mit herkömmlicher Strahlentherapie nicht geholfen werden kann, etwa, weil umliegendes, empfindliches Gewebe geschont werden muss. Quelle: dpa
Kiel/Marburg

Sie war seinerzeit für Kiel auch vorgesehen.

Nachdem beim Weltkonzern späte Zweifel an einem wirtschaftlichen Betrieb der rund 250 Millionen Euro teuren Anlage aufgekommen waren, segneten Land und UKSH-Vorstand den Rückzug aus dem PPP-Vorhaben im Norden wegen schwer absehbarer Risiken ab. Kremer, damals Chef des Krebszentrums Nord, kämpfte mutig, aber vergebens um das medizinische Leuchtturmprojekt, das im Jahr 2008 mit großen Erwartungen eingeleitet worden war und neue Behandlungschancen in der Krebstherapie eröffnen sollte. 2012 wurde es kurz vor der Zertifizierung, kurz vorm Ziel zerlegt.

 In Marburg hingegen nahm das Land letztlich Siemens, vor allem jedoch die Rhön-Klinikum AG als Betreiber des privatisierten Uniklinikums Gießen-Marburg in die Pflicht, nachdem der Technikkonzern die PT-Anlage auch dort schon abbauen wollte. Kremer, nicht zuletzt durch seine Firma ParTCoN (Particle Therapy Competence Network) im Thema, ist überzeugt: „Wir waren im Land nicht hart genug“ – im Sinne jener Krebspatienten, für die die zielgerichtete Präzisionsbestrahlung mit Schwerionen beziehungsweise Protonen lebensrettend sein kann.

 So, wie heute das Heidelberger Universitätsklinikum das MIT, das Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum, federführend betreibt, hätte man nach dem Rückzug von Siemens auch ein Kooperations-Konstrukt für Kiel finden können, meint Kremer. Es gab viele Übernahme-Vorstöße, Interessenten auch aus Korea, doch zu wenig Mut und Vertrauen, diese in in Kiel zum Zuge kommen zu lassen. Siemens Healthcare, die im Jahr 2011 den kompletten Rückzug aus dem als unrentabel angesehenen Geschäftsfeld Partikeltherapie angekündigt hatte, hat heute noch eine Anlage in Shanghai (weitgehend baugleich mit der in Marburg und der demontierten in Kiel) zu betreuen, die 2014 in Betrieb ging und in China mittlerweile das Bedürfnis nach einer Ausweitung des Therapieangebotes geweckt hat. Der jetzt neu in Betrieb genommene Teilchenbeschleuniger in einem architekturpreisgekrönten Neubau am Uniklinikum Marburg war ab 2012, nach dem Stopp kurz vor der Fertigstellung, einige Jahre nur zu Forschungs- und Entwicklungszwecken genutzt worden. Nach der vom Land Hessen durch millionenschwere Rückforderungen letztlich erzwungenen Übernahme durch das Rhön-Klinikum wird das MIT heute von Heidelberg aus betreut und gewartet – mit Siemens-Ersatzteilen.

"Ausgereifte Technik"

 Von der 150-Millionen-Euro-Anlage profitieren Krebspatienten, denen mit herkömmlicher Strahlentherapie nicht geholfen werden kann, etwa, weil umliegendes, besonders empfindliches Gewebe geschont werden muss, bei Schädelbasis- und Hirntumoren, Lungen- oder Prostatakarzinomen zum Beispiel. Jürgen Debus, Geschäftsführer des Ionenstrahl-Therapiezentrums mit rund 50 Mitarbeitern, der schon seit Jahren Tumorpatienten in der Partikeltherapieanlage des Heidelberger Uniklinikums HIT behandelt, spricht von einer ausgereiften Technik. Er rechnet absehbar mit 700, später 1000 Patienten pro Jahr. Parallel laufen stetig Studien zu neuen Behandlungsfeldern, um Patienten heilen zu können, bei denen die übliche Strahlentherapie derzeit noch versagt.

 Siemens hatte seinerzeit auch in Kiel mit einer deutlich besseren Performance (behandelte Patienten pro Zeiteinheit) kalkuliert und war an diesem ehrgeizigen Ziel gescheitert. Bernd Kremer ist heute wie damals überzeugt, dass die kostspieligen, weltweit immer noch raren Anlagen auch mit einer geringerer Performance wirtschaftlich zu betreiben sind. Er berät seit Jahren Investoren an verschiedenen Orten weltweit und berichtet von Projekten im Berliner Raum genauso wie in Wien und weiterhin in Südkorea. Der Anblick des massiven Komplexes an der Kieler Feldstraße (Karl-Lennert-Krebscentrum Nord) schmerzt ihn. Die Kieler Hightech-Komponenten wurden Edelschrott, dienen heute bestenfalls als Ersatzteile für Shanghai und Marburg. In dem trutzigen Bau mit den meterdicken unterirdischen Wänden sind heute die Onkologie, Chemo- und Strahlentherapie und Nuklearmedizin des UKSH angesiedelt. Und das Archiv... Irgendwie auch ein Alleinstellungsmerkmal.

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