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Kiel Soundcheck war erst der Anfang
Kiel Soundcheck war erst der Anfang
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14:00 23.06.2013
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Aufgedreht: Jonas Scholz (vorne) und seine Freunde vom Thor-Heyerdahl-Gymnasium bringen an der Kiellinie die Menge zum Tanzen. Quelle: Axel Nickolaus
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Kiel

Erster Halt für alle, die extra für die Kieler Woche angereist sind, ist die Bühne vor dem Hauptbahnhof. „Wir sind mit sieben Mann aus Flensburg hergekommen“, erzählt Thomas Ratz, der zusammen mit seinen Arbeitskollegen vor einem der Cocktailstände steht. „Aber wir sind nicht zum Saufen hier“, versichert der 34-Jährige. Die Männer lassen es gemütlich angehen, lauschen in Ruhe der Abba-Coverband.

 In der Innenstadt geht es schon deutlich lauter zu. „Da-da-da-da-da-daaaa-da“, schmettert die Band „Top Union“ den Klassiker der White Stripes über den Asmus-Bremer-Platz. Nina Koch und Sabrina Eisele singen und tanzen begeistert mit. „Wir sind seit drei Stunden hier“, rufen sie. „Eigentlich wollten wir nur mal kurz vorbeischauen, aber die Musik ist so gut, dass wir seit sieben Uhr hier tanzen.“ Die 27-Jährige Nina Koch lebt seit zehn Jahren in der Stadt, genug von der Kieler Woche hat sie aber noch lange nicht: „Es ist jedes Jahr wieder toll, eine Superstimmung und man lernt immer neue Leute kennen.“

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 Martin Eberle, Zimmermann aus Zürich, sitzt derweil am Bootshafen mit Hut und traditioneller Tracht, den Wanderstab und die Reisetasche neben sich. „Seit fünf Monaten bin ich auf der Walz“, erzählt der 24-Jährige. Am Morgen war er noch im westfälischen Münster. „Die, die mich im Auto mitgenommen haben, sind gerade nach Kiel gefahren. Sie haben mir von der Kieler Woche erzählt – und das wollte ich mir mal anschauen.“ Wo er heute Nacht schlafen wird, weiß er nicht. Plötzlich schlägt ihm freundlich eine Hand auf die Schulter: Zwei weitere Männer in Wandertracht: „Steinsetzer Kort Küddelsmann und Maurer Simon Seitz. Wir kommen aus Bayreuth.“ Die beiden sind auf einem der Segelboote untergekommen. „Man fragt den Kapitän, ob er noch ein Plätzchen frei hat“, schildert Küddelsmann. Zusammen ziehen die drei weiter, um auf die Walz anzustoßen.

 Mächtig in Feierlaune sind Cedric Grundt und seine Freunde. Die acht Jugendlichen sind klitschnass, weil sie sich am Boothafen unter die Wasserfontäne gestellt haben. „Das war ein Spaß. Wir waren sowieso schon ziemlich durchgeweicht vom Regen“, so der 16-Jährige. Mit seiner Clique zieht er weiter zur NDR-Bühne. „Lange machen wir aber nicht mehr, wir müssen um zwölf Zuhause sein“, sagt sein Kumpel Ben-Kai Gericke. Noch ist es aber früh am Abend, gerade 23 Uhr, die Aufwärmzeit vor der heißen Phase. An der Kiellinie bringt eine Gruppe von Schülern trotzdem schon die Menge zum Tanzen. Erst sind es nur drei Mädchen, die bei „YMCA“ auf die kleine Bühne springen und für Stimmung sorgen. Dann kommen ihre Klassenkameraden vom Thor-Heyerdahl-Gymnasium dazu und schmeißen alle die Arme mit in die Luft. „Wir haben hier die Tanzfläche eröffnet“, sagt Jana Fischer. Die 18-Jährige feiert mit anderen Oberstufenschülern den Ferienanfang beziehungsweise das Abitur. Jonas Scholz wirbelt neben ihr beim Tanzen seinen Regenschirm durch die Luft. „Sommer ist Einstellungssache“, sagt der Abiturient. Feiern könne man auch bei Regen. Mit dabei ist auch die Amerikanerin Haley Solomon aus Chattanooga, Tennessee. Seit zwei Tagen ist sie zu Besuch bei einer Freundin in Kiel – und bekommt gleich das volle Partyprogramm geboten. „I love it here, it’s awesome“, erklärt die 18-Jährige. „Die Kieler Woche ist einfach die beste Zeit, um hier zu sein“, findet ihre Gastgeberin Linn Juhl.

 Auch wenn es nur der „Soundcheck“ war: Alle geben bereits 100 Prozent. Der Alte Markt ist schon vor Mitternacht gefüllt mit tanzenden und singenden Menschen. Ab ein Uhr füllt sich auch die vorher fast verwaiste Eggerstedtstraße. Plötzlich haben Veronica Lettieri und die anderen Barleute an den Getränkeständen alle Hände voll zu tun. Sie zapfen unzählige Biere, mixen Longdrinks in Mengen. „So wie die Leute drauf sind, geht das bestimmt noch bis um vier Uhr morgens“, prophezeit Lettieri. Und das war erst der Anfang.

Anne Holbach und Lara Eckstein