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Kiel Die neuen Preise sehen nicht alle sportlich
Kiel Die neuen Preise sehen nicht alle sportlich
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00:18 26.07.2013
Von Susann Burwitz
Seit anderthalb Jahren können Fußballfans in Malte Schmerders Restaurant Gutenberg am Bildschirm mitfiebern. Nun soll er fürs monatliche Abo statt 279 Euro fast 400 Euro zahlen. Quelle: 4 Windows
Kiel

Malte Schmerder freut sich auf den Bundesliga-Start in knapp drei Wochen. Dann flimmern in seinem Restaurant Gutenberg im Kieler Stadtteil Ravensberg wieder alle Spiele über den Fernseher. Bei größeren Partien werden außerdem noch zwei Leinwände für die Übertragung aufgebaut. Vor etwa anderthalb Jahren schloss der 36-Jährige ein Sky-Abonnement ab, um Fußball- und Sportfans ins Lokal zu locken. Doch mit einem Brief des Pay-TV-Anbieters wurde der Vorfreude ein ordentlicher Dämpfer versetzt. Denn ab dem ersten September muss Schmerder für das Sky-Angebot wesentlich tiefer in die Tasche greifen. Statt 279 Euro werden ihm dann fast 400 Euro pro Monat berechnet.

 „Da war ich natürlich verärgert. Vor allem, weil die Preise erst Anfang des Jahres erhöht worden waren“, erzählt der Restaurantbetreiber. Insgesamt muss Schmerder durch die neue Preisstaffelung fast 5000 Euro im Jahr einrechnen, nahezu doppelt so viel wie zum Abo-Start.

 „Uns geht es nicht darum, höhere Umsätze zu machen. Das System soll fairer für alle Gastronomen sein“, sagt Britta Krämer von Sky. Bislang sei lediglich die Größe der Lokalität für die Rechnungshöhe ausschlaggebend gewesen. Jetzt würden auch lokale Faktoren eine Rolle spielen, etwa ob die Bar, das Lokal oder Vereinsheim in einer ländlichen Gegend mit geringer Bevölkerungsdichte liege. „Für einen Gastwirt in einer Großstadt wie etwa Hamburg mit gleich zwei Fußballvereinen und ihren glühenden Fans ist es natürlich leichter, den nötigen Umsatz zu machen“, meint Krämer. Natürlich wisse sie aber auch, dass die neue Staffelung nicht zu 100 Prozent für alle Kunden passe.

 Im neuen Preissystem zahlen kleinere Betriebe mit einer Größe von bis zu 35 Quadratmetern künftig zwischen 119 und 299 Euro im Monat. Bislang mussten sie einen Festpreis von 219 Euro entrichten. Bei einer Raumgröße von bis zu 75 Quadratmetern werden maximal 389 Euro, statt wie bisher 269 Euro im Monat berechnet. Und der Höchstpreis für Lokale bis zu 100 Quadratmetern steigt um 140 Euro auf 499 Euro. Für Sportbars, die mehr als 200 Quadratmeter groß sind, könnten Kosten von bis zu 959 Euro monatlich entstehen. Hier lag der Festpreis bisher bei 629 Euro.

 Abbestellen will Malte Schmerder sein Abo trotzdem nicht. „Aber viel mehr geht nicht!“, betont der Restaurantbetreiber. Wären die Preise vor anderthalb Jahren schon so hoch gewesen, wäre er wohl kein Kunde bei Sky geworden. Ganz so sicher, ist man sich Holsteiner Wirtshaus im Holstein-Stadion noch nicht. „Die Entscheidung, ob wir kündigen, fällt in den nächsten ein oder zwei Wochen“, sagt Betriebsleiter Sebastian Sütel. Eigentlich wäre es ja ein Unding – eine Bar im Stadion ohne Bundesliga-Übertragung. Aber die mehr als 800 Euro pro Jahr, die künftig zusätzlich auf das Lokal zukommen, müssen irgendwie eingefahren werden. „In erster Linie sind wir nun mal ein Wirtschaftsunternehmen“, so Sütel. Da müsse notfalls der Bierpreis steigen.

 Doch manche profitieren von den neuen Regeln. Zu ihnen gehört Gerd Wilkens. Der 55-Jährige betreibt in Schönberg die Sportbar Haunerkrug. Bis zu 100 Leute haben hier Platz und meistens fiebern Urlauber vor dem Bildschirm mit ihren Heimatvereinen mit. Und dafür muss Wilkens bald nur noch 270 Euro statt 350 Euro im Monat zahlen. Und einen zweiten Receiver bekommt er auch noch dazu, sodass im Haunerkrug zwei Spiele parallel gezeigt werden können.