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Kiel Kiel schickt Kaffee auf den Mehrweg
Kiel Kiel schickt Kaffee auf den Mehrweg
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20:09 16.09.2019
Von Michael Kluth
Prost Kaffee! Nicoline Henkel von der Umweltberatung und Volker Lange vom Pfandsystemanbieter cup & more prosten einander mit Tobego-Mehrwegbechern zu. Quelle: Frank Peter
Kiel

Nicoline Henkel hat fast alle Anbieter von Kaffee zum Mitnehmen mit im Boot. Die Leiterin der Kieler Umweltberatung im Umweltschutzamt hat vier Runde Tische gebraucht, um rund 100 Filialen von elf Bäckereiketten, neun Hochschulmensen, zwei Sportstätten und zwei Cafés (siehe Info-Text) in Kiel in der Initiative „Kaffee geht Mehrweg“ zu koordinieren. Im Großraum Kiel sind insgesamt 159 Geschäftsstellen dabei.

In den Gesprächen mit den Bäckereien, Kaffeevertriebsstätten, dem Handelsverband Nord, der Verbraucherzentrale, der Lebensmittelkontrolle sowie Politik und Verwaltung wurden zunächst die Voraussetzungen für eine hygienische Wiederbefüllung von Mehrwegbechern geschaffen. Aber schnell war klar: Ohne Pfandsystem geht es nicht.

Vorbild ist die Kieler Woche

Andreas Vorbeck von der Bäckerei Lyck und Moritz Günther von der Bäckerei Günther ergriffen die Initiative und holten den Pfandsystemanbieter cup & more aus Bad Segeberg dazu. Das Unternehmen hat schon auf der Kieler Woche 2019 erfolgreich ein Pfandsystem etabliert. Jetzt bringt es seine „Tobego“-Pfandbecher in drei Größen an den Start.

Alle Betriebe, die sich an dem Pfandsystem beteiligen, probieren es ein Jahr lang aus und entwickeln es gemeinsam weiter. 25.000 Becher sind im Umlauf. Ein Spüldienst kann auf Wunsch täglich dazugebucht werden.

Ein Euro Pfand auf jeden Becher und jeden Deckel

Nicht nur der Becher, sondern auch der Deckel ist „bepfandet“, wie das im Amtsdeutsch heißt. Das Pfand beträgt je einen Euro. Jeder Deckel passt auf jeden Becher. „Der Tobego-Becher ist hitzebeständig und natürlich auch für andere Heißgetränke als Kaffee geeignet", sagt Henkel. "Er besteht aus lebensmittelechtem, geschmacksneutralem Polypropylen, ist mit einem Blauen Engel zertifiziert und recycelbar. Becher und Deckel lassen sich gut spülen.“

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) freute sich bei der Präsentation am Montag vor dem Rathaus über den "Supertermin". Die Initiative "Kaffee geht Mehrweg" sei "alles andere als Symbolik", sondern ein sehr konkreter und wirksamer Beitrag zur Müllvermeidung.

Jetzt sind die Verbraucher am Zug. „Der Erfolg des Pfandsystems beweist sich erst in der Praxis durch die Teilnahme der Kunden“, sagt Henkel und ruft alle Kaffeetrinker auf mitzumachen. Nach einem Jahr wird bilanziert.

913 Wegwerfbecher pro Stunde in Kiel

Die Deutschen nutzen pro Jahr 2,8 Milliarden Wegwerfbecher. Pro Kopf und Jahr sind das 34 Stück, besagt  eine  Studie des Umweltbundesamts. Hinzu kommen 1,3 Milliarden Deckel. Das entspricht in Kiel statistisch mehr als acht Millionen Becher pro Jahr, 22.000 am Tag und 913 pro Stunde. 

Weitere Teilnehmer sind willkommen

Weitere Geschäfte und Restaurants seien „jederzeit herzlich willkommen“, so Henkel. E-Mail genügt: vertrieb@tobego.de oder nicoline.henkel@kiel.de. "In drei Monaten traut sich keiner mehr, nicht mitzumachen", glaubt Kämpfer mit Blick auf die jetzt schon "riesige Resonanz".

Das Umweltschutzamt beteiligt sich mit einer Werbekampagne an der Öffentlichkeitsarbeit – der ersten Kampagne in Kiel mit dem Zero-Waste-Logo. Die teilnehmenden Geschäfte erhalten Plakate, Aufkleber und Info-Aufsteller, mit denen sie sich als „Kaffee-geht-Mehrweg“-Betrieb kenntlich machen. Die Plakate sind mit einem QR-Code versehen, mit dem die Kunden alle Teilnehmer schnell papierfrei auf dem Smartphone identifizieren können - also auch: Wo kann ich den Becher nächstliegend wieder abgeben?

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Diese Kieler Betriebe machen mit

Diese Bäckereien, Cafés und Sportstätten sind bei „Kaffee geht Mehrweg“ dabei: Bäcker Steiskal, Bäckerei Andresen, Bäckerei Günther, Bäckerei Knuust, Bäckerei Leefen, Bäckerei Lyck, Bäckerei Mordhorst, Bäckerei Restéz, Bäckerei Rönnau, Bäckerei Tackmann, Brotgarten, Studentwerk Schleswig-Holstein (neun Mensen in Kiel), Café Elefant am Strand, Café Ute im Bikini, Sparkassen-Arena, Holstein-Stadion. Die Pfandbecher und -deckel können in allen 159 Einrichtungen im Großraum Kiel erworben, wiederverwendet oder abgegeben werden. Das Pfand pro Becher beträgt einen Euro, pro Deckel ebenfalls einen Euro.

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