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Kiel Hier ist der Nachwuchs am Zug
Kiel Hier ist der Nachwuchs am Zug
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07:07 03.10.2019
Von Katharina Horban
Die Krankenpflegeschüler Florian Orwat (v.li.), Alexa Acar und Julian Schultheiß erstellen als Stationsleiter den Dienstplan. Quelle: Sven Janssen
Kiel

"Damit wir mehr Verantwortung übernehmen und den gesamten Alltag einer examinierten Pflegekraft sehen können", sagt Feline Kraack über das Ziel des Projekts "Lernende leiten eine Station". Der Kurs 10/17 B führt derzeit das gleiche Projekt auf einer anderen Station durch.

Die voll ausgebildeten Pfleger seien natürlich nach wie vor auf der Station, ihrem regulären Dienstplan entsprechend. "Wenn drei im Frühdienst geplant sind, sind drei hier. Sie überwachen unsere Arbeit – aber wir dürfen explizit auch delegieren. Die Examinierten machen in der Zeit auch mal Schüleraufgaben. Das ist ein kompletter Rollentausch", erklärt Kraack. Die 20-jährige Kielerin ist wie ihre Mitschüler am Ende ihres zweiten Ausbildungsjahres und ist bei dem Klassenprojekt neben ihrem Job als Stationssekretärin für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Die Pflegeschüler dürfen explizit auch delegieren

Gleich frühmorgens macht sich das Delegieren bemerkbar: "Diesmal ist es andersherum. Wir sagen, dass wir bei der Visite mitgehen und bitten die Examinierten, die Vitalzeichen zu messen", sagt die 20-Jährige. Denn normalerweise würden die Azubis Puls, Temperatur und Blutdruck der Patienten messen – während die voll ausgebildeten Pflegekräfte häufig mit den Ärzten auf Visite gehen.

Stationsleiter, Beauftragter für Betäubungsmittel, Wundmanager und die Zuständigen für Brandschutz, Mobilisation und Hygiene: All diese Jobs haben die Mitschüler von Feline Kraack für die drei Wochen übernommen – denn es gibt viel zu tun. Der Wundmanager hat zum Beispiel vorab ein Handout mit den gängigsten Wunden auf der Station erstellt und mit den anderen geteilt. So hat jeder seinen Mitschülern Material zu seinem Aufgabenfeld zur Verfügung gestellt.

Hinter der Arbeit einer Pflegekraft steckt viel Logistik

Kraacks Berufsalltag sieht eigentlich etwas anders aus: "Generell machen wir als Schüler auf der Station nicht alle Aufgaben, die eine Examinierte macht." Das soll sich beim Abschlussprojekt ändern: "Sonst ist es oft so, dass wir Schüler im Patientenzimmer sind und nicht mitbekommen, was die Examinierte alles machen muss: Transporte anmelden, Daten eingeben, Gespräche mit Ärzten führen. Denn auf der Station klingelt es fast andauernd", sagt Kraack.

Zwei Jahre Grundausbildung hat die 20-Jährige bereits hinter sich, ab Oktober steht für ihre Klasse im dritten Ausbildungsjahr der Schwerpunktbereich an – in der Onkologie, Geriatrie oder Intermediate Care, einer Zwischenstufe zwischen Intensivstation und normaler Station.

Die Unterstützung durch ihre übergeordneten Praxisanleiter hilft den Auszubildenden – auch bei diesem Projekt: Diese Langzeitbetreuer kommen zum Beispiel für Anleitungstage auf die Station und üben Verbandswechsel oder Beratungsgespräche ein. Da sie beim UKSH angestellt sind, dürfen sie auch "am Patienten arbeiten", wie Kraack es ausdrückt. Die Lehrkräfte des schulischen Teils der Ausbildung sind das nicht, weshalb es zusätzlich praktische Lehrkräfte braucht.

Durch das Projekt sollen die Schüler besser Probleme lösen

"Die Schüler sollen die Lösungen selbst finden", betont Kim-Sophie Ehlers. Die 27-Jährige begleitet mit Frauke Wilhelm die Azubis als Praxisanleiterin und sagt, dass das Anleiten ihr Alltag sei. Erste Herausforderung sei etwa das Erstellen des Dienstplans gewesen. Wilhelm schiebt hinterher, dass die jungen Erwachsenen so ihre Handlungskompetenz und das Vertrauen in sich stärken würden. Das Projekt sei zudem eine gute Vorbereitung auf das Examen am Ende des dritten Ausbildungsjahres, bei dem die Schüler unter anderem Patienten einen Tag komplett eigenverantwortlich auf Station betreuen müssen.

Gerade ältere Patienten sind nicht immer sie selbst

Aber wie sieht die oft geprobte Praxis auf der Neurologie-Station nun aus? Kraack überlegt erst, wie sie es am besten formuliert – dann sagt sie: "Wir haben hier viele ältere Patienten. Die sind nicht immer sie selbst, das ist manchmal schwierig. Gerade im Nachtdienst stehen viele auf und wissen nicht mehr, was sie eigentlich wollten. Diese Menschen brauchen viel Betreuung."

Viele Patienten auf der Station hätten Schluckstörungen, ein großer Teil der Arbeit sei es, Essen anzureichen. Nach dem Essen müsse man die Patienten richtig lagern, sie also nicht direkt flach ins Bett legen. Zudem würden die Pfleger auf der Station viel bei der Mobilisation der Patienten helfen: beim schlechten Gangbild von Parkinson-Patienten oder der Halbseitenlähmung von Schlaganfall-Patienten.

Angenehmer Nebeneffekt: Mehr Zeit für den Patienten

Beim Projekt steht das eigenverantwortliche Arbeiten im Vordergrund – doch die 20-Jährige meint: Auf drei Examinierte kämen etwa fünf Pflegeschüler, den oft beklagten Mangel an Pflegekräften spüre man zumindest im Projekt nicht so. "Das ist als Schüler sehr angenehm, weil man mehr Zeit für den Patienten hat und auch nochmal was nachlesen kann. Das macht unglaublich viel aus, wenn man nicht so einen Zeitdruck hat."

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Factbox, Titel: Warum es für sie nach dem Abitur in die Pflege ging

Sie ging einen ungewöhnlichen Weg: Nach ihrem Abitur 2017 am Gymnasium in Plön hat sich Feline Kraack für eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin entschieden. Aus ihrem Abiturjahrgang ist sonst niemand in die Pflege gegangen, die Reaktion der meisten war: "Alle finden es toll und sagen gleichzeitig, dass sie den Job nicht machen könnten." Kraack betont, dass vieles, was erst einmal eklig erscheint, zum Körper eines jeden Menschen dazugehöre. Privatleben und Beruf müsse man gut trennen können.

Erst wollte die heute 20-Jährige nach ihrem Schulabschluss ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) machen – aber langfristig gesehen habe man davon nicht so viel. "Mit der Ausbildung habe ich nach drei Jahren etwas Festes. Einen Abschluss, mit dem ich immer arbeiten kann", erklärt Kraack ihre Entscheidung. Medizin habe sie nie studieren wollen, der medizinische Bereich habe sie hingegen schon immer interessiert.

Heute weiß sie, dass der Weg in die Krankenpflege die richtige Entscheidung war: "Mit diesem Beruf hat man hinterher so viele Möglichkeiten", betont Kraack. Man könne im Krankenhaus arbeiten, selbst Pflegeschüler ausbilden oder etwa nach der Ausbildung ein Studium anschließen.

Jedoch ist sich Kraack schon jetzt sicher: "Ich möchte nicht für den Rest meines Berufslebens als Vollzeitkraft im Krankenhaus arbeiten." Gerade bei den älteren Pflegekräften gebe es nur wenige mit einer Vollzeitstelle: Denn das bedeute, jedes zweite Wochenende zu arbeiten.

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