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Kiel Melde-App gegen die Kieler Müllberge
Kiel Melde-App gegen die Kieler Müllberge
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17:05 16.10.2019
Von Martin Geist
Per Smartphone zu weniger Müll im Stadtteil. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer probiert es aus und hofft, dass es wenigstens ein Teil der Lösung ist. Quelle: Martin Geist
Kiel

Wilde Müllablagerungen sollen dank dieses Programms fürs Smartphone schneller entsorgt – und die jeweiligen Verursacher besser ermittelt werden. Innerhalb des Programms „Gaarden hoch zehn“ kommt dem Dauerthema Müll eine herausragende Rolle zu. Möbel, Elektrogeräte und sogar Chemikalien stehen an jeder Straßenecke, und das nicht nur gefühlt. Über den ordentlich angemeldeten Sperrmüll hinaus sammelt der Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK) laut dessen Werkleiter Christian Schmitt Woche für Woche etwa 50 illegale Abfallhaufen ein. Hausmüll, der darüber hinaus in kleineren Tüten und gern auch mal in großen Säcken an Straßenrändern oder auf Grünstreifen deponiert wird, ist in dieser Zahl noch gar nicht mitgerechnet.

Effekt ist überschaubar

Obwohl die Stadt seit Monaten speziell für Gaarden ein zweites Müllauto einsetzt, ist der Effekt bislang überschaubar. Die Abfallberge seien gegenüber dem Jahresbeginn zwar kleiner, aber nicht weniger geworden, formuliert es Schmitt. Und hofft auf eine Trendwende dank digitaler Unterstützung. Tatsächlich soll die App, die vom IT-Dienstleister Dataport in Altenholz entwickelt worden ist, in mehrere Richtungen wirken. Wer sich das Programm heruntergeladen hat, kann die Stadt mit Foto und auf Wunsch gleich mit automatischer Ortsangabe über wilde Müllablagerungen informieren. Schnellstmöglich will sich der ABK dann an die Entsorgung machen und wenn machbar auch den Kommunalen Ordnungsdienst hinzuziehen, um die Verantwortlichen zu ermitteln. Das Kalkül: Je kürzer die Zeit vom Ablegen des Mülls bis zum Erscheinen der Ordnungshüter ist, desto einfacher sollte die Ermittlung sein. Seit die Stadt vor einigen Monaten diesen Dienst verstärkt hat, werden solche Übeltäter ohnehin weitaus häufiger ausfindig gemacht als früher. „Da hat es schon richtig empfindliche Strafen gegeben“, betont Schmitt.

App soll Dialog mit den Bürgern aufbauen

Um mehr Sauberkeit im Stadtteil und größeren Druck auf die Verursacher geht es aber nicht allein. Die App könnte fürs Rathaus auch ein Vorläufer für digitalisiertes Prozessmanagement auf breiter Front sein, glaubt Jonas Dageförde, „Chief Digital Officer“ und damit der Ober-Digitalist der Landeshauptstadt Kiel. Jede Meldung soll demnach automatisch auf dem richtigen Schreibtisch und vor allem schnellstens im richtigen Auto landen. ABK-Mann Schmitt wünscht sich außerdem, dass die Menschen, die Müllfunde gemeldet haben, verlässlich über den weiteren Gang der Dinge bis hin zur vollzogenen Entsorgung informiert werden: „Ich fände es toll, wenn wir mit dieser App einen Dialog mit den Bürgern aufbauen könnten.“ 

Zehn bis 15 Tester im Einsatz

Ob das denn so gewünscht ist, wo die App funktioniert und wo es möglicherweise hakelig läuft, das soll in den kommenden Monaten mithilfe von zehn bis 15 App-Testern aus Gaarden herausgefunden werden. Die entsprechend nachgebesserte Version der offiziell „Müll-Melder Gaarden“ genannten App will OB Kämpfer dann aufs ganze Stadtgebiet ausdehnen. Und nicht nur das. „Auf lange Sicht soll damit alles gemeldet werden können, was nicht in Ordnung ist“, kündigt Kämpfer an. Unter anderem denkt er dabei an lockere Gehwegplatten, Graffiti am falschen Platz oder beschädigte Radwege. Flächendeckend Müll gemeldet soll in Kiel im Laufe des Jahres 2020 werden können. Verbunden ist damit die Hoffnung, Zielgruppen zu erreichen, die es nicht so mit Telefon, PC oder gar Faxgerät haben und fast ausschließlich per Smartphone kommunizieren. 

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