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Kiel Sich einmal wie die ganz Großen fühlen
Kiel Sich einmal wie die ganz Großen fühlen
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12:39 05.10.2019
Von Katharina Horban
Planspiele zur Arbeit der Bundesregierung anlässlich des Tags der Deutschen Einheit in Kiel. Quelle: Horban, Katharina
Kiel

Auf der einen Seite des kreisrunden Zeltes erstreckt sich die Aussicht auf das politische Berlin, auf der anderen Seite hängt das expressionistische Gemälde „Sonntag der Bergbauern“ von Ernst Ludwig Kirchner. Gleich davor der ovale Kabinettstisch und acht weitere Sitzungstische. Fast scheint es so, als wäre man im Bundeskanzleramt – doch die rund 80 Menschen im Raum sind an der Förde in Kiel.

Kirchners Gemälde wurde extra von Berlin nach Kiel ausgeliehen

Einmal am Kabinettstisch sitzen und Minister sein – das war auf dem Areal der Verfassungsorgane am Ostseekai möglich. Zu vier verschiedenen Themen, davon drei mögliche Grundgesetzänderungen, bot das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung mit dem Schulungszentrum „Planpolitik“ und „Greenstorming“, einer Agentur für nachhaltiges Veranstaltungsmanagement, Planspiele an.

Pro Runde konnten rund 80 Teilnehmende über die Einführung von Volksentscheiden auf Bundesebene, Einführung von Kinderrechten ins Grundgesetz, Einführung der Wahlpflicht ins Grundgesetz oder über die Einführung der anonymisierten Bewerbung diskutieren.

Immer wieder geht es um das Grundgesetz

Diese Runde entscheidet sich für das Thema „Einführung der Wahlpflicht ins Grundgesetz“. Es geht um die Änderung des Wortes „wahlberechtigt“ zu „wahlpflichtig“ in Art. 38 Abs. 2 GG und § 12 Bundeswahlgesetz. Und dann geht die Arbeit los: „Habt ihr grundsätzlich verstanden, was das Außenministerium macht?“. „Die passen im Ausland auf Deutschland auf“.

Anfangs muss sich jedes Ministerium an seinem Tisch kennenlernen – wenn Erwachsene auf Achtklässler treffen, müssen altersmäßige Unterschiede so gut wie möglich ausgeglichen werden. Insgesamt gibt es acht verschiedene Ministerien beziehungsweise nachgeordnete Posten wie die Beauftragte für Digitalisierung oder den Koordinator für Bürokratieabbau.

Diskussionen verlaufen anders als bei den Berufspolitikern

Jeder Tisch vertritt eine Meinung, nämlich die seiner Institution – doch die Diskussion verläuft nicht in der Ausdrucksweise der echten Politiker. „Das ist ja ultrateuer. Was machen wir mit den ganzen Studenten, die an eine Uni im Ausland gehen? Und wenn man im Urlaub ist und deshalb nicht wählt, müsste man dann Strafe zahlen?“, fragt eine Zwölftklässlerin am Tisch des Auswärtigen Amts.

Ihre Sitznachbarin schlägt vor, wenn man beim Zeitpunkt der Wahlen außer Landes ist und nicht von dort wählen kann, vor der Abreise zu wählen. Der Einwand kommt sofort: „Aber was ist, wenn man ein Jahr davor verreist und die Kandidaten noch gar nicht feststehen?“. Gar nicht so einfach, das Politikerleben: An alle Eventualitäten müssen die vielen Schüler im Raum denken, auch die Erwachsenen überrascht das komplexe Thema.

Eine 53-jährige Kielerin, die sich gerade mit dem auf dem Tisch stehenden Schild der Bundeskanzlerin fotografiert hat, sagt: „Das hat auf jeden Fall was Authentisches. Aber die jungen Leute verlieren sich etwas zu sehr in Details. Die Kanzlerin hat es dabei auch nicht leicht. Sie muss die Kernpunkte der Diskussion herausarbeiten.“

Am Kabinettstisch geht es in die Endphase des Planspiels

Im Innen-, Finanz- und Sozialministerium tauchen die Teilnehmenden ebenfalls weiter in die mögliche Grundgesetzänderung ein, hilfreiche Stütze ist dabei eine Art Spickzettel für jeden Tisch. Die Rolle, Aufgabe und etwaige Positionen des Ministeriums werden dabei skizziert. Doch die Zeit vergeht schnell – der Kabinettstisch ruft: Jeder der acht Tische entsendet seinen offiziellen Vertreter samt Referenten, Tisch 1 schickt die Kanzlerin in die Verhandlungen. Eine Zwölftklässlerin schlüpft in Angela Merkels Rolle: Ihr Mikrofon hat Vorrang, sie darf die Mikrofone der anderen ausschalten.

Verlegenes Kichern und Unsicherheiten, bei denen, die das Wort ergreifen: Während sich die Politiker auf Zeit am Kabinettstisch erst einmal zurechtfinden müssen, sagt Lehrerin Karin Olliges von der Stadtteilschule Altrahlstedt in Hamburg: „Das Planspiel passt sehr gut in unseren Lehrplan, wir nehmen gerade das politische System Deutschlands durch.“ Deshalb, und wegen der geringen Entfernung, sei sie mit ihrem Oberstufenkurs für einen Tag nach Kiel gekommen.

Die Schüler lernen, dass man in der Politik nicht immer gehört wird

Olliges, die in Hamburg das Fach „Politik/Gesellschaft/Wirtschaft“ unterrichtet, fügt an: „Das macht die Komplexität solcher Entscheidungen deutlich. Die Schüler lernen, dass man in der Politik nicht immer gehört wird.“ Lehrerin Sabrina Emmerich ist mit zwei achten Klassen von einer Gemeinschaftsschule im Kreis Segeberg nach Kiel gekommen: Dieser Tagesausflug habe sich auch für sie mehr als angeboten. Die Lehrerinnen beobachten vom Rand, wie die Teilnehmenden am Kabinettstisch schließlich abstimmen.
Diese Runde möchte die Verfassung nicht ändern

Nein – unter diesem Kabinett wird es keine Grundgesetzänderung geben: Das ist das Ergebnis der Abstimmung, einer der Nachwuchspolitiker lobt: „Das ist eine sehr gute Entscheidung unseres Kabinetts, denn nicht wählen zu müssen, zeichnet unsere Demokratie aus.“ Und ein anderer fügt scherzhaft an: „Autogramme gibt’s später draußen.“ Egal ob 15 oder 53 Jahre alt – die Teilnehmer konnten sich einmal wie die ganz Großen fühlen.

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