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Kiel FH Kiel: Platzmangel mit Vorteilen
Kiel FH Kiel: Platzmangel mit Vorteilen
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10:00 25.05.2019
Von Jürgen Küppers
Die Fachhochschule Kiel liegt im Stadtteil Dietrichsdorf zwischen Schwentinemündung und Ostuferhafen. Das war nicht immer so. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Uwe Bothe wollte eigentlich schon vor 15 Jahren fertig sein. Doch „sein“ Campus der Kieler Fachhochschule (FH) wächst immer noch weiter. Und damit die berufliche Herausforderung des Abteilungsleiters für Bau und Liegenschaften der FH. Aber so war es in der 50-jährigen Geschichte der Hochschule fast immer: Durch stetiges Zusammenwachsen oder Neugründungen von Fachbereichen war sie eigentlich immer zu klein. Auch damals schon, als Uwe Bothe vor 26 Jahren den baulichen Neustart der FH in Dietrichsdorf in die Wege leitete. Und der war erst mal ziemlich holprig.

Der schlechte Ruf hatte Gründe

Ein Hochschulcampus auf dem Ostufer? Das konnten und wollten sich viele Hochschullehrer und Studenten nicht vorstellen, als die Fachbereiche noch über die Stadt verteilt waren. „Damals leider zu Recht“, räumt Bothe ein. Denn der schlechte Ruf hatte Gründe. Als Unternehmen wie Hell, Sohst und HDW Anfang der 1980er-Jahre den Standort verließen, verkam er immer mehr zur Industriebrache: Unkraut wucherte durch den Asphalt, Gebäude verfielen. Selbst als 1993 die ersten Sanierungsarbeiten am ehemaligen HDW-Hochhaus starteten, „war es ein wenig so wie im Wilden Westen“, erinnert sich Uwe Bothe. Auf dem heutigen Sokratesplatz schlugen Wanderzirkusse ihre Winterlager auf. „Nachts drehten Jugendliche mit geklauten Autos ihre Runden, steckten sie schließlich in Brand.“

Engholm stellte die Weichen

Das darf nicht so bleiben. Dachte jedenfalls die damalige Landeregierung unter Björn Engholm, die 1989 die Weichen für den neuen Campus in Dietrichsdorf stellte – quasi als Weckruf eines Stadtteils aus dem Dornröschenschlaf. Doch nicht alle wollten diesem Ruf folgen, jedenfalls nicht sofort. Viele Professoren und Studenten blieben skeptisch angesichts des Umzugs. Selbst manchen Anwohnern gingen Dreck und Lärm der jahrelangen Bauarbeiten auf die Nerven. Einige hängten sogar Transparente aus den Fenstern, auf denen sie ihren Protest artikulierten: „Hochschule? Nein, Danke!“

Alles dauerte länger und kostete mehr

Auf den „Wilden Westen“ folgte nach Fertigstellung wichtiger Campus-Gebäude wie dem HDW-Hochhaus (1996), dem zentralen Hörsaalgebäude (2001) oder dem Mediendom (2003) zwar kein „Goldener Osten“. „Trotzdem ist die Fachhochschule mittlerweile im Stadtteil angekommen“, betont Uwe Bothe. Mediendom oder Sternwarte seien Begegnungsorte, die Kontakte zum Ortsbeirat intensiviert geworden. Zudem lebten mittlerweile auch immer mehr Hochschulangehörige in Dietrichsdorf. Im Nachhinein seien die Prognosen der Landespolitiker was Größe, Kosten und Integration der Hochschule in den Ostufer-Stadtteil angeht, deutlich zu optimistisch gewesen. Denn alles dauerte länger, kostete mehr – und ein Ende der Expansion ist nicht absehbar. Die Zahl der Studenten auf dem Campus verdoppelte sich von 3800 in der Gründungsphase auf aktuell rund 7800, die dafür genutzten Flächen stiegen von rund 32 500 (im Jahr 2000) auf 54 200 (2019). Nur die Grundstücksfläche von etwa 94 000 Quadratmetern blieb in den Jahren fast gleich.

Bald 10.000 Studenten

Das wiederum stellt den Chef für Bau und Liegenschaften vor große Herausforderungen. Denn die FH peilt mittlerweile die 10 000er-Marke ihrer Studentenzahl an. Doch der Platz dafür ist begrenzt. So müssen sich die Erstsemester der künftigen Bauingenieure noch mit Containern begnügen und auf eigentlich nötige Labore noch verzichten. Insofern jongliert der studierte Diplom-Ingenieur für Kernkrafttechnik („...mit Strom, Wasser und Lüftungstechnik kenne ich mich aus“) ständig zwischen Wunsch und Wirklichkeit. „Natürlich finden nicht alle die Enge, den Parkplatzmangel, Dreck oder Lärm aufgrund der permanenten Bauarbeiten toll.“ Aber die meisten hätten dann letztlich doch Verständnis, dass nicht alles sofort optimal sein könne. Einen Vorteil habe das zwangsweise Zusammenrücken über Jahre hinweg dann aber doch gehabt: „Es förderte die interdisziplinäre Zusammenarbeit über eigene Fachbereiche hinaus. Und das ist schließlich eine unserer großen Stärken.“

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