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Kiel Tiere sterben nach Vandalismus
Kiel Tiere sterben nach Vandalismus
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08:29 27.10.2019
Von Marc R. Hofmann
Andreas Borchert (li.), bei der Stadt für die Tiergehege zuständig, und Tierpfleger Andreas Staack am Standort der niedergerissenen Schutzhütte. Quelle: Sven Janssen
Kiel

Dach und Seitenwände der Schutzhütte liegen zusammengebrochen auf dem Boden, ein Zaun ist niedergetrampelt, Haare eines Islandpferds hängen daran, Tore sind mit Stöcken aufgestellt. Ausgebrochene Mufflons können nur mit beherzter Hilfe von Passanten wieder eingefangen werden. So fanden Tierpfleger in den vergangenen Tagen die Gehege der Stadt Kiel in Suchsdorf und Hammer vor.

Tiergehege-Leiter Andreas Borchert sagt: „In beide Gehege ist im Abstand von wenigen Tagen eingebrochen worden.“ Und das mit dramatischen Folgen: In Kiel-Suchsdorf verletzte sich ein Mufflon-Bock bei seinem Ausbruch schwer. Er musste anschließend getötet werden. In Hammer blieben die Islandpferde und das Rotwild zwar im Gehege, die Tiere wurden durch den oder die Täter jedoch so stark aufgeschreckt, dass die Pferde vermutlich in Panik ihren nächtlichen Unterstand niederrissen. Eine Stute verletzte sich an einem aufgeschnittenen Zaun an den Fesseln. „Durch den Aufruhr hat sich auch eine Rotwild-Kuh so schwer in ihrem Gehege verletzt, dass wir sie ebenfalls töten mussten“, sagt der Sachgebietsleiter.

Lesen Sie auch:So bereiten sich die Wildgehege auf den Winter vor

Vor zwei Jahren bereits ähnliche Vorfälle in Kieler Wildgehegen

Wer der oder die Täter sind und ob die Einbrüche zusammenhängen, weiß Andreas Borchert nicht. „Allerdings hatten wir vor gut zwei Jahren schon ganz ähnlich gelagerte Fälle.“ Damals entkam ein Rothirsch, der erst nach Monaten wieder eingefangen werden konnte. „Wir dachten, das wäre ein Dummer-Jungen-Streich gewesen und die Täter seien aus dem Alter raus“, so Borchert. Er hält es jedoch auch für möglich, dass Tierschützer die Tiere befreien wollten. „Dabei werden sie artgerecht gehalten. Das wird mehrfach jährlich von einem Veterinär überprüft“, sagt er.

Fünf Gehege mit mehr als 200 Tieren

Kiel unterhält fünf Tiergehege in Hammer, Suchsdorf, Hasseldieksdamm, Uhlenkroog und Tannenberg. In ihnen leben nach Angaben der Stadt mehr als 200 Einheimische und eingebürgerte Wildtierarten, aber auch Haustiere. Die Gehege kosten keinen Eintritt und locken jedes Jahr etwa 150.000 Besucher an.

Egal ob Zerstörungswut, Streich oder vermeintlicher Tierschutz, die Aktionen sind gefährlich. Tierpfleger Andreas Staack sagt: „Die Tiere sind die Freiheit nicht gewohnt. Sie wollen meist nach kurzer Zeit zurück in das Gehege.“ Bis dahin könnte es jedoch für sie und ihre Umwelt gefährlich werden. „Im Moment ist Brunft, da kann ein Hirsch schon einmal Spaziergängern oder Hunden gefährlich werden“, sagt Staack. Außerdem verläuft die Autobahn 215 direkt hinter dem Gelände. Die Gefahr, dass sich die Tiere verletzen oder für einen Autounfall sorgen, sei also groß.

5500 Euro Schaden durch Vandalismus in Kiel

Neben der Gefahr für Mensch und Tier entsteht auch ein beträchtlicher Sachschaden. Reiner Peters, stellvertretender Leiter des Grünflächenamts, sagt: „Wir rechnen im Moment mit Kosten in Höhe von 5500 Euro in beiden Gehegen zusammen.“ Darin enthalten ist der Wert der beiden Tiere, die getötet werden mussten, aber auch Material und Aufstellung der neuen Schutzhütte für die Islandpferde und zur Reparatur der Zäune. Außerdem wurde die Wochenend-Bereitschaft der Tierpfleger von zwei auf vier Personen verdoppelt. Zusätzlich soll dort künftig ein Sicherheitsdienst in Stichproben patrouillieren.

Kollege Borchert ergänzt: „In unseren Gehegen leben wertvolle Tiere, die auch zur Zucht eingesetzt werden.“ Um die Blutlinien in den Gehegen frisch zu halten, hatte die Stadt erst vor zwei Jahren in neue Tiere investiert. Der Wert der Tiere sei daher deutlich höher anzusetzen als der reine Fleischpreis. „Allein der Mufflon-Bock, ein Wildschaf, kostet etwa 1000 Euro“, so Borchert. Die Stadt habe deswegen Anzeige bei der Polizei erstattet.

Polizei Kiel tappt noch im Dunkeln

Nach Angaben der Polizei gibt es noch keine Hinweise auf den oder die Täter. Sprecher Matthias Felsch sagt: „Im Moment haben wir neben den beiden Vorfällen in den städtischen Tiergehegen noch keine Häufung beobachtet.“

Auch Natur- und Tierschützer verurteilen die Aktion. Hartmut Rudolphi vom Nabu in Kiel bestätigt: „Tiere aus Gefangenschaft können nicht einfach ausgewildert werden.“ Gerade Arten, die hier nicht heimisch sind, könnten der hiesigen Umwelt schaden. Er begrüßt weiter, dass es die Gehege gibt. „Sie ermöglichen besonders Kindern einen Bezug zur Natur.“ Außerdem würden die Tiere in Kiel artgerecht gehalten, „auch wenn es im Einzelfall Verbesserungsmöglichkeiten gibt“. So würde sich der Nabu wünschen, dass nur einheimische Tiere gehalten werden.

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