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Kiel Polizeiseelsorger besucht Einsatzkräfte
Kiel Polizeiseelsorger besucht Einsatzkräfte
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07:42 26.12.2018
Von Bastian Modrow
Stimmungsvoll – so lieben viele Menschen das Weihnachtsfest. Emotionen sorgen in der Heiligen Nacht aber auch häufig für Streit, weiß Polizeiseelsorger Marc Meiritz. Er besucht jedes Jahr die Polizeiwachen und kennt die Einsatzlage aus Erfahrung. Quelle: Modrow
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Kiel

Weihnachten ist ein besonderes Fest – nicht nur für Christen, für Kinder, für Familien. Auch für die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehren und Rettungsdiensten sind Heiligabend und die beiden Festtage außergewöhnlich. „Zum einen sind da die persönlichen Gefühle der Kollegen, die natürlich auch gern bei ihren Lieben wären, zum anderen ist da eine Vielzahl von Einsätzen, die es zu bewältigen gilt“, sagt Marc Meiritz.

Der Landespolizeiseelsorger kennt dieses „spezielle Weihnachtsgefühl“, ist Jahr für Jahr in der Heiligen Nacht unterwegs und besucht Einsatzkräfte im ganzen Land. „Für mich ist es mittlerweile eine liebgewonnene Tradition“, sagt Meiritz. Wenn die meisten zu Hause am Tannenbaum sitzen, mit der Familie essen oder mit der Bescherung starten, setzt sich der Diakon ins Auto und fährt von Revier zu Revier, von Wache zu Wache, von Dienststelle zu Dienststelle.

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„Da steigt viel Emotionales auf“

In dieser Nacht für die Einsatzkräfte da zu sein, ihnen Schokolade zu bringen, sei ganz besonders wichtig. „Den Kollegen geht viel durch den Kopf – die Erinnerung an vergangene Weihnachtsfeste, an denen man nicht arbeiten musste, aber auch die nicht selten einschneidenden und schwer verdaulichen Einsätze, die man im vergangenen Jahr zu bewältigen hatte.“

Die Festtage seien zwangsläufig auch immer mit einer persönlichen Jahresbilanz und innerer Einkehr verbunden – selbst dann, wenn man im Streifenwagen sitzt oder auf dem Weg zu einem Zimmerbrand ist. „Da steigt viel Emotionales auf, ganz automatisch. Dagegen kann man sich nicht wehren.“ In diesem Momenten zuzuhören, für den Kummer der Beamten da zu sein oder einfach bei einem Teller Kartoffelsalat und Würstchen im Gemeinschaftsraum miteinander zu scherzen, „das ist wertvoller als jeder gestochen formulierte E-Mail-Weihnachtsbrief“.

Streit ist häufiger Einsatzgrund

Doch nicht nur auf den Polizeirevieren, in den Feuerwehr- und Rettungswachen geht es hochemotional zu. „Leider muss man sagen, dass die Einsatzdichte in jedem Jahr nach der Bescherung deutlich steigt.“ An den falschen Geschenken liegt es dabei in den seltensten Fällen, dass die Polizei alarmiert wird. „Die Menschen fokussieren sich zu sehr darauf, dass Weihnachten das Fest der Familie und der Liebe ist. Dabei bauen sie viel zu viel inneren Erwartungsdruck auf.“ Wird dieser nicht erfüllt, kommt es schnell zum Eklat. Nicht selten spiele dabei auch erhöhter Alkoholkonsum eine Rolle.

Die Folge ist das, was in den Einsatzberichten später unter den Oberbegriffen „familiäre Streitigkeiten“ oder „häusliche Gewalt“ zusammengefasst wird. „Ein Patentrezept zur Lösung habe ich auch nicht“, sagt der Seelsorger. Aber: „Wenn sich jeder ein Stück zurücknimmt, sich und seinen Individualismus weniger wichtig nimmt, dann ist das schon ein erster guter Ansatz für ein harmonisches Weihnachten.“ Auch ein wenig Nachsicht könne mitunter nicht schaden: „Häufig entstehen Konflikte dann, wenn speziell jüngere Familienmitglieder lieber abends noch mit Freunden feiern wollen anstatt daheim noch ein drittes Mal die Weihnachts-CD zu hören.“

„Ehrlicher und liebevoller miteinander umgehen“

Meiritz, der seit 30 Jahren bei der Polizei und seit 2011 katholischer Polizeiseelsorger in Hamburg und Schleswig-Holstein ist, geht mit gutem Beispiel voran: Für sein Engagement für die Einsatzkräfte verzichtet er nicht nur auf das Fest mit den eignen Lieben, sondern stellt auch seinen eigenen Geburtstag hinten an. Er weiß, dass sein Besuch bei den Kollegen in diesem Jahr vielleicht sogar besonders wichtig ist. „Hinter der Landespolizei liegen anstrengende Monate.“ Einen persönlichen Weihnachtswunsch formuliert er trotzdem: „Ich wünsche mir, dass die Menschen 2019 wieder ehrlicher und liebevoller miteinander umgehen. Das war 2018 viel zu häufig nicht so.“

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