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Kiel Thea Schulz: Immer die Kamera vor Augen
Kiel Thea Schulz: Immer die Kamera vor Augen
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18:18 31.10.2019
Von Laura Treffenfeld
Thea Schulz am Schnittrechner mit der alten Movikon8 in den Händen: Die Kamera ähnelt einem Fotoapparat, als Filmerin wollte sie zunächst nicht auffallen. Quelle: Frank Peter
Kiel

Klick. Das Gehäuse der Movikon8 geht auf. Zuerst muss dort der Film auf der schwarzen Spule eingelegt werden. Dann wird er unter die silberne Klemme geführt und anschließend um die dünne Rolle gewickelt. Eine Klammer hält den Film dann an Ort und Stelle. Thea Schulz hält ihre alte Kamera in den Händen, während sie den Ablauf erklärt. Sie hatte sie extra aus der Vitrine im Wohnzimmer hervorgeholt.

Heute filmt sie mit einer Digitalkamera. Die Technik habe sich im Laufe ihres Lebens so oft verändert, jetzt habe sie sie langsam überholt. Mit ihrem Computer steht sie oft auf Kriegsfuß, sagt Schulz. An dem Rechner mit den zwei Bildschirmen und ihrem Laptop arbeitet die zierliche Frau aber nach wie vor. Das Schnittprogramm ist schon etwas älter, tut aber seinen Dienst. Gerade hat Schulz fünf Kilometer Super-8-Film digitalisieren lassen.

Ihre erste Kamera stotterte Thea Schulz mit zehn Mark im Monat ab

„Ich bin durch meine Großmutter zum Fotografieren und Filmen gekommen. In meiner Kindheit habe ich viel Zeit bei ihr verbracht.“ Die Großmutter sei eine selbstständige Frau gewesen, war bei der Weltausstellung in Paris zugegen, hatte Italien bereist und besaß bereits 1936 eine Fotokamera – die Rolleicord steht ebenfalls in der Vitrine und ist noch funktionstüchtig. „Auf die war ich als Kind schon scharf.“ Als ihre Großmutter starb, bekam Schulz den Apparat und begann zu knipsen. Das ganze Gebiet Fotografie habe sie begeistert, aber filmen sei zu der Zeit das allerhöchste gewesen, was passieren konnte.

Thea Schulz filmt mittels Stativ im Urlaub in Südtirol. Die 92-jährige Amateurfilmerin legte stets ein besonderes Augenmerk auf Natur- und Tieraufnahmen.

Mit zehn Mark im Monat stotterte sie 1961 fast ein Jahr lang ihre erste Kamera ab, ging abends Busse putzen, um sich die Filme leisten zu können. „Das war sonnabends immer am schlimmsten, wenn die Leute mit den Hansa-Bussen nach Hamburg zum Fußballspiel gefahren sind – die haben dann immer so viel getrunken.“

Früh trat Schulz dem Kieler Schmalfilmklub bei, getagt wurde im Keller des Kinos am Dreiecksplatz. Noch in den 80er-Jahren war sie nur eine unter drei Frauen, die in Schleswig-Holstein als Amateurfilmerinnen organisiert waren. „Es war einfach nicht Sitte, als Frau zu filmen, die Männer filmten. Das können sich die Frauen heute gar nicht mehr vorstellen.“ Dem konnte auch sie sich nicht ganz entziehen, legte sich daher eine Kamera zu, die von außen wie ein Fotoapparat aussah. Eine Frau habe zu ihrer Zeit nicht auffallen wollen. Sie hat trotzdem Filme gedreht.

Filme zu schneiden bedeutete früher tatsächlich die Schere anzusetzen

Bevor es Schnittprogramme gab, schickte Schulz ihre Filme zu Firmen wie Kodak. Bei den Kameras musste der Film noch umgedreht werden, wenn er halbbelichtet war. Geschnitten wurden die Filme einer Schere, abgespielt wurde der Film über Projektoren.

Das Filmen war schon immer eine teure Angelegenheit. Schulz verkaufte ab Mitte der 50er-Jahre in einem eigenen Kellerladen Schulhefte. In den 70ern arbeitete sie im Uniklinikum Kiel und übertrug dort Daten von Papier auf Lochkarten. Zuletzt arbeitete sie im Kieler Institut für Weltwirtschaft.

Ihr großes Steckenpferd im Film sollte die Natur werden. Drei Jahre arbeitete sie an einem Projekt über Spinnen, gewann mehrere Preise. Für ihren Film „Fahrtwind und Löwenzahn“ zeichnete der Landesverband der Schleswig-Holsteinischen Film- und Videoamateure sie 1993 mit dem ersten Platz aus. „Wenn ich bei Wettbewerben war und mein Film erst nachmittags gezeigt wurde, habe ich keine Suppe mehr zum Mund gekriegt, so aufgeregt war ich.“

Thea Schulz lieferte auch Filmmaterial für die große Leinwand

Auch für die Filmproduzenten Claus Oppermann und Gerald Grote lieferte Schulz bereits Material. Etwa für den Film „Schnee von gestern“, der einen privaten Blick auf die Schneekatastrophe in Schleswig-Holstein von 1978/79 zeigt, oder für Oppermanns Streifen „Mythos im Meer“, ein Dokumentarfilm über die Insel Sylt.

Wenn man sich so sehr für eine Sache interessiert und engagiert, bleibe nicht viel Zeit für die Familie übrig. „Ich bin kein Familienmensch. Ich habe mich als Kind in meiner Familie nie wohlgefühlt. Aber ich hatte schon immer den Wunsch, selbst Mutter zu werden.“ Schulz bekam zwei Kinder von unterschiedlichen Männern, ein Umstand, aus dem sie nie ein Geheimnis machte. Heiraten wollte sie nicht unbedingt, tat es aber nach der Geburt ihres ersten Kindes. Ihre Kinder, so sagt sie, seien nie eine Last für sie gewesen, aber sie seien zu kurz gekommen.

Thea Schulz’ Arbeit auf großer Leinwand

An die Schneekatastrophe im Winter 1978/79 können sich viele Schleswig-Holsteiner noch gut erinnern. Die Filmproduzenten Claus Oppermann und Gerald Grote haben in ihrem Film „Schnee von gestern“ den Kampf der Menschen gegen die Schneemassen festgehalten. Zu sehen sind darin vor allem private Aufnahmen von Zeitzeugen. Auch Thea Schulz lieferte den Produzenten Filmmaterial aus ihrem eigenen Archiv. Für den Film „Mythos im Meer“ von Claus Oppermann und Sven Bode konnte Thea Schulz ebenfalls aushelfen. In dem Film geht es um die Insel Sylt aus Sicht von Insulanern und Besuchern. Zu sehen sind darin auch Natur- und Tieraufnahmen der Amateurfilmerin, die stets ein besonderes Augenmerk auf die Flora und Fauna legte. Der Dokumentarfilm „Mythos im Meer“ wurde am 26. Oktober erstmals auf Sylt gezeigt. In Kiel feiert der Film am 10. November im Studio Filmtheater mit den Filmproduzenten seine Festlandpremiere. Los geht es dort um 18 Uhr. Der Eintritt kostet zwölf Euro.

Ihre Tochter Jen sagt, sie habe sich als Kind nicht vernachlässigt gefühlt. „Dass meine Mutter viel filmte, das war halt so. Mein Bruder und ich fanden es nur manchmal lästig, wenn wir die Protagonisten in einem Film waren und Szenen wiederholen sollten.“ Zu einem Kindergeburtstag sollten die Geschwister etwa als Torwart und Torschütze einen Schuss wiederholen, bis er richtig im Kasten war. Jen Schulz sagt, sie hat sich damals nie viel für die Filmerei der Mutter interessiert. Erst jetzt verstehe sie, wie groß ihre Begeisterung für diese Arbeit war und ist.

Ein richtiger Film sollte für die Amateurfilmerin von der Kamera und nicht vom Smartphone kommen

Die 92-Jährige glaubt, dass heute, wo jeder mit seinem Smartphone Filme publizieren kann, es an Geduld fehlt. „Ich finde, man kann nicht vom Filmen sprechen, wenn die Leute etwas mit ihrem Handy aufnehmen. Da hält jeder einfach irgendwo drauf, aber es wird kein Film daraus.“ Für einen Film müsse man sich viele Gedanken machen. „So ein richtiger Film sollte von der Kamera kommen. Aber vielleicht bin ich mit dieser Ansicht auch altmodisch.“

Ihre Zukunft betrachtet Schulz nüchtern. Noch lebe sie ja und sie lebe auch gerne. Aber im Grunde wisse sie, dass ihr Leben bald vorbei sei. „Hätte ich als junger Mensch die Möglichkeiten gehabt, die die Leute heute haben, mit all den tollen Ausbildungen, dann wäre aus mir vielleicht etwas richtig Großes geworden.“ An dem Wort Amateurfilmerin stört sie sich dennoch nicht. Das sei es, was sie ist und dazu stehe sie. Bewegte Bilder, da wo nichts steif und nichts gekünstelt ist, dafür habe sie gelebt. „Und ich hoffe, dass einiges davon am Ende weiterlebt.“

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