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Kiel Präsident Kipp: Kieler Uni bräuchte 180 Millionen Euro zusätzlich
Kiel Präsident Kipp: Kieler Uni bräuchte 180 Millionen Euro zusätzlich
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10:57 27.07.2019
Blick auf eines der Gebäude der Christian-Albrechts-Universität. Quelle: Carsten Rehder/dpa/Archivbild
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Kiel

Nach dem dritten Scheitern im Wettbewerb um den Titel Exzellenz-Universität hat der Kieler Hochschulpräsident Prof. Kipp erheblich mehr Geld und politische Konsequenzen gefordert. Um mit den erfolgreichen Unis vor allem im Süden – vielleicht auch für eine neue Bewerbungsrunde – mithalten zu können, wäre eigentlich eine Verdoppelung des Grundhaushaltes von 180 Millionen auf 360 Millionen Euro notwendig, sagte Kipp eine Woche nach der Auswahl der elf Exzellenzunis in Deutschland.

Kiel hatte es in die Endrunde mit 19 Bewerbern geschafft, kam aber nicht zum Zug. Erfolgreiche Universitäten wie in München hätten etwa eine Milliarde Euro Grundhaushalt, nannte Kipp als Vergleich.

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Kipp kritisierte die Wissenschaftspolitik in Schleswig-Holstein in den vergangenen Jahrzehnten. Es sei viel zu wenig Geld in die Grundfinanzierung geflossen. Und die politische Zuständigkeit für Schulen und Hochschulen in einem Ministerium sei ebenfalls nicht optimal.

Wissenschaft zur Chefsache machen

In Berlin habe der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) die Exzellenz-Förderung der Hochschulen zur Chefsache gemacht und in Hamburg gebe es eine dezidierte Wissenschaftsbehörde, an deren Spitze sich Senatorin Katharina Fegebank (Grüne) im Schulterschluss mit Uni-Präsident Prof. Dieter Lenzen engagiert habe. Hamburg und der Uni-Verbund Berlin haben den Exzellenz-Status jetzt erhalten.

„Auch in Schleswig-Holstein sollte die Wissenschaft zur Chefsache gemacht oder zumindest ein echtes Wissenschaftsministerium eingerichtet werden, das zu hundert Prozent für die Wissenschaft da ist und nicht ein Anhängsel am Schulministerium ist“, sagte Kipp.

Allein eine Erhöhung der Grundfinanzierung der Hochschule brächte noch keine bessere Qualität der Lehre: „Wenn wir mehr Geld bekommen, müssen wir mehr Studenten aufnehmen“, erläuterte Kipp die Vorgaben des sogenannten Kapazitätsrechts. Dies müsse geändert werden, damit ein Studienplatz mehr Geld kosten könne, um zum Beispiel die Betreuungsrelation zu verbessern.

360 Millionen Euro nötig

Kipp räumte ein, auch nicht zu wissen, wie sich die eigentlich nötige Verdoppelung der Grundfinanzierung auf 360 Millionen Euro ermöglichen ließe. Ein kleiner Erfolg, aber nicht genug sei die Anhebung des Grundhaushaltes der Universität um etwa zwei Millionen Euro jährlich seit 2015. „Das heißt, in zehn Jahren sind wir bei 20 Millionen Euro - das ist die Treppe, die zurzeit abgebildet wird.“

Hätte die Kieler Uni den Titel exzellent bekommen, wären sieben Jahre lang etwa 14 Millionen jährlich für Projekte zusätzlich geflossen. Um das ambitionierte und von der Gutachterkommission als „exzellent“ eingestufte Kieler Universitätskonzept „Interfaces“ doch noch umsetzen zu können, sieht Kipp einen kleineren Hebel: So sollte das Land seinen 25-Prozent-Anteil, den es Kiel als Exzellenz-Uni hätte zahlen müssen, hierfür zur Verfügung stellen - es wären 3,5 Millionen Euro pro Jahr.

„Mit diesem Wunsch werde ich an das Ministerium herantreten, wenn wir uns nach der Sommerpause zusammensetzen. Das wäre jedenfalls ein kleiner Lichtblick.“ Für die beiden bestehenden Exzellenzcluster erhalte die Uni eine Pauschale von insgesamt 1,75 Millionen Euro. Mit zusätzlichen 3,5 Millionen Euro im Jahr ließe sich das Konzept wunderbar umsetzen. „Wenn das nicht kommt, muss man natürlich entsprechend kürzen an der Stelle. Wir suchen uns dann die Bereiche und Maßnahmen mit dem größten Potenzial.“

Mehr als zwei Exzellenzcluster entwickeln

Die Kieler Christian-Albrechts-Universität könnte nach seiner Einschätzung mehr als zwei Exzellenzcluster entwickeln, sollte aber alle Förderformate der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Blick haben. „Ganz wichtig ist, dass wir eine Breite von starken Disziplinen haben.“ Kiel verfüge über vier Forschungsschwerpunkte: Die Meereswissenschaften, die Nanowissenschaften, Lebenswissenschaften und Gesellschaft sowie Umwelt und Kultur und Wandel. Aus zwei Schwerpunkten seien Exzellenzcluster hervorgegangen.

„Und wir haben zwei Profilbereiche, die sich entwickeln können.“ Es biete sich an, die Energiewendeforschung im Energiewendeland Schleswig-Holsteinentsprechend nach vorn zu stellen, sagte Kipp. „Und da wir interdisziplinär unterwegs sind, haben wir praktisch ein Alleinstellungsmerkmal in der Breite auch bei künstlicher Intelligenz. Da können wir punkten. Wir werden jetzt kein Zentrum für Robotik bauen können, aber wir sind fakultätsübergreifend von der Theologie über die Rechtswissenschaften bis hin zur technischen Fakultät in verschiedenen Aktivitäten im Bereich der Künstlichen Intelligenz unterwegs. Das kann man natürlich nutzen, aber dann muss man auch Mittel investieren.“

Bewerbung 2026 fraglich

Ob Kiel sich 2026 zum vierten Mal um den Titel Exzellenzuniversität bewerben wird, hängt nach Einschätzung Kipps von besseren Rahmenbedingungen ab. „Da muss massiv an der Grundfinanzierung etwas verbessert werden, damit wir noch einmal antreten.“ Darüber müsse man erstmal mit dem Land sprechen. Sollte es nach wie vor so schwierig bleiben, müssten die Universitätsgremien die Entscheidung treffen, „dass man keinen Antrag stellt - das ist dann halt so“.

Kipp will weiter für Kiels Aufstieg in die Champions League der Hochschulen kämpfen und im Dezember als Uni-Präsident erneut kandidieren. „Die Strategie, die wir gemeinsam hier entwickelt haben, ist offensichtlich exzellent bewertet worden. Und da gibt es für uns überhaupt keine Frage, dass der Weg richtig ist, den wir eingeschlagen haben.“

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Von RND/dpa

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