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Kiel Schließungen und Wortgottesdienst: So will die katholische Kirche sparen
Kiel Schließungen und Wortgottesdienst: So will die katholische Kirche sparen
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15:23 11.12.2019
Von Kristian Blasel
St. Nikolaus in der Kieler Rathausstraße bleibt das zentrale katholische Gotteshaus in Kiel. Aber die Zukunft von vielen anderen Standorten rund um die Förde ist ungewiss. Nächstes Jahr soll es konkrete Entscheidungen geben. Quelle: Frank Peter
Kiel

Dass sich die Katholiken im Großraum Kiel auf massive Einschnitte einstellen müssen, ist seit zwei Jahren bekannt. Doch was genau in der Großpfarrei Franz von Assisi in welcher zeitlichen Reihenfolge passieren wird, ist weiterhin unklar. Das soll sich 2020 ändern. „Wir müssen konkrete Entscheidungen treffen. Noch können wir den Prozess steuern“, sagt Propst Thomas Benner, der die Pfarrei seit knapp einem Jahr leitet.

Die katholische Großpfarrei Franz von Assisi

Zur Kieler Pfarrei Franz von Assisi gehören 22.292 Katholiken (Stand: Ende 2018). Zu den Wochenendgottesdiensten wurden zuletzt nur noch 1900 Besucher gezählt. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag im damaligen Dekanat Kiel, zu dem 28.363 Menschen gerechnet wurden, die Besucherzahl bei mehr als 2500. Auch die Zahl der Taufen hat sich seitdem signifikant reduziert – von 165 im Jahr 2008 auf nur noch 95 im vergangenen Jahr. Propst Thomas Benner sieht die Situation für die Katholiken im Norden sehr nüchtern. „Wir müssen entweder etwas Neues wagen oder wir werden verschwinden.“ Insgesamt umfasst das Erzbistum Hamburg, zu dem auch Schleswig-Holstein und Mecklenburg gehören, knapp 400.000 Katholiken.

Die Richtung dieser „konkreten Entscheidungen“ ist dabei klar. Weil es immer weniger Priester gibt und sich die finanzielle Lage des Erzbistums weiter verschlechtert hat, sollen mittelfristig komplette Standorte aufgegeben und einzelne Immobilien abgegeben werden. Die Zeit drängt. „Wir waren bei unseren wirtschaftlichen Prognosen noch zu optimistisch“, sagt Benner.

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Die neue Situation bekommen die Gläubigen bereits ab dem Sommer 2020 zu spüren. Dann wird es wechselnd in den Kirchen rund um die Förde erstmals Wortgottesdienste geben, die von Laien geleitet werden. Denn die Zahl der katholischen Priester an der Förde wird sich in Kürze weiter reduzieren, kündigt Benner an. Schon die jetzige Gottesdienstordnung funktioniert nur, weil sich viele Priester im Ruhestand weiter einbringen.

Katholische Kirche: Sparmaßnahmen treffen auch größere Standorte in Kiel

Im Fokus der Gespräche im nächsten Jahr stehen dabei die Kirchen St. Bonifatius in Kronshagen, Dreieinigkeit in Friedrichsort, Heilig-Kreuz in Elmschenhagen sowie Stella Maris in Heikendorf. „Aber die Veränderungen werden nicht nur die kleinen Standorte betreffen“, sagt Benner.

Hier lesen Sie den Kommentar zum Thema.

In welche Richtung wird es gehen? Das Gemeindehaus in Kronshagen soll bereits im Laufe des nächsten Jahres nicht mehr von den Gläubigen genutzt werden. Zum Ausgleich kann sich Benner einen kleinen Umbau in der Kirche am Wildhof vorstellen, damit sich Menschen dort unterhalb des Orgelbogens treffen können. Viel Hoffnung legt Benner auch in die verstärkte Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche. Gemeinsame Bußandachten, gemeinsame Kindergottesdienste oder auch die Zusammenarbeit von Chören und Organisten seien nur erste Beispiele dafür, wie die Christen an der Förde konfessionsübergreifend zusammenarbeiten können – so wie bereits in der Kirchenhütte auf dem Weihnachtsmarkt, die dieses Jahr erstmals ein ökumenisches Projekt ist.

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Ökumene: Schwierige Zusammenarbeit beim Gottesdienst

„Es ist schön, etwas gemeinsam zu machen“, zeigt sich die Kieler Pröpstin Almut Witt sehr offen. Witt und Benner, die beide seit ungefähr einem Jahr im Amt sind, tauschen sich regelmäßig aus und sind sich in diesem Punkt einig. „Schwierig ist die Zusammenarbeit mit den Katholiken nur beim Thema Gottesdienste – ansonsten funktioniert alles gut“, sagt Almut Witt. Auch die evangelische Kirche in Kiel spürt den Spardruck. Freie Pastorenstellen werden vorerst nicht wieder besetzt, Gebäude stehen auch im Kirchenkreis Altholstein auf dem Prüfstand.

In Heikendorf wird zwischen Katholiken und Protestanten auch über eine Zusammenlegung von Bürozeiten nachgedacht. Das katholische Kirchenbüro von Heilig-Kreuz in Elmschenhagen ist gar nicht mehr zu festen Zeiten besetzt, im Gegenzug wurden die Zeiten im Pfarrbüro von St. Nikolaus in der Rathausstraße ausgeweitet. „Wir müssen uns in Etappen von einzelnen Standorten verabschieden“, sagt Benner, der in der Zusammenarbeit mit den Protestanten aber eine große Chance sieht. „Das Ökumenische hat eine große Strahlkraft.“

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