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Kiel 300 Umweltschützer demonstrieren in Kiel
Kiel 300 Umweltschützer demonstrieren in Kiel
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08:13 14.07.2019
Von Heike Stüben
Beim Anti-Kreuzfahrt-Protest waren am Sonnabend etwa 300 Menschen in Kiel dabei. Quelle: Sven Janssen
Kiel

Mal im Neoprenanzug, mal mit einem Schlauchboot im Schlepptau und immer mit klarer Ansage auf den Plakaten – so wenden sich an diesem Tag die Aktivisten vor dem Bahnhof in Kiel an die Urlauber, die zu einer Kreuzfahrt anreisen. „Kreuzfahrten heizen die Klimakrise an, sie sind Teil eines globalen Problems. Sie lassen sich nicht mit dem Klimanotstand, den die Stadt ausgerufen hat und die sich als Klimastadt bezeichnet, vereinbaren“, erklärt Christian Marta von Greenpeace Kiel und appelliert an Stadt, Hafen und Reedereien, gemeinsam Lösungen zu finden.

Es ist ein buntes Bündnis, das sich zunächst vor dem Hauptbahnhof versammelt, um gegen die Kreuzfahrtindustrie Druck zu machen  – von den Kieler Gruppen von Greenpeace, Extinction Rebellion und Nabu und der BUND Kreisgruppe bis zur Initiative gegen Kreuzfahrt, der Hochschulgruppe Klimagerechtigkeit und der Turbo-Klima-Kampf-Gruppe TKKG. Ihr Ziel: Den Kreuzfahrttourismus in Kiel in der heutigen Form zu stoppen. An diesem Tag wollen sie die Kreuzfahrturlauber und Passanten mit den Folgen der wachsenden Kreuzfahrtgeschäftes konfrontieren.

Reaktionen – von Zuspruch bis Empörung

Die ersten Reaktionen darauf gehen weit auseinander. Von „Ihr habt recht, macht weiter!“ bis zu „Schwachsinnige Aktion“ reichen die Kommentare von Passanten. Die eigentlichen Adressaten, die Kreuzfahrer auf dem Weg vom Bahnhof zu den Schiffen, schauen meist demonstrativ weg.

Einige wählen sicherheitshalber einen Umweg.  „Wir waren vorgewarnt, nachdem im Juni hier ein Schiff am Auslaufen gehindert worden ist. Ich muss mich hier nicht anmachen lassen. Ich habe mir den Urlaub hart verdient“, sagt eine Frau aus Köln, die zur MSC Meraviglia in den Ostuferhafen will.

Elke Clefsen lebt in Kiel und will niemandem den Urlaub verbieten. "Aber wir alle müssen unseren Lebensstil überdenken und endlich anfangen etwas zu ändern. Niemand muss an den Nord- und Südpol fahren, das kann ich mir im Fernsehen ansehen. Und Landstrom sollte zur Pflicht für alle Kreuzfahrer werden", sagt die 70-Jährige, die die Protestaktion ausdrücklich unterstützt. 

Großes Polizeiaufgebot

Die Polizei hat ein Großaufgebot aufgefahren - zu groß ist die Angst, dass unversehens Schiffe blockiert werden, wie dies Pfingsten mit dem Kreuzfahrer "Zuderdam" passiert ist. Allein 18 Mannschaftswagen waren vor dem Kieler Hauptbahnhof aufgestellt. Auch am Ostseekai, wo Mein Schiff 1 liegt, im Scheerhafen bei der Aida Prima, im Ostuferhafen bei der MSC Meraviglia und auf der Kieler Förde ist Polizei unterwegs. Am Scheerhafen und auf der Kiellinie haben Beamte bereits Platzverweise ausgesprochen.

Insgesamt gehen an diesem Tag in Kiel 30000 Urlauber und Beschäftigte von oder an Bord der drei Kreuzfahrer. Rund 1000 Aushilfskräfte und Beschäftigte von Seehafen, Reedereien sorgen dafür, diese logistische Herausforderung bis zum Auslaufen um 19 Uhr zu bewältigen.

Vorzeitiges Ende der Protestaktion

Am Ostseekai ist für die Demonstranten ein kleiner Bereich abgesperrt. Nach einer Kundgebung, Musik und einigen Diskussionen mit Passanten wird die Protestaktion vorzeitig gegen 16 Uhr beendet. Die Polizei will weiter vor Ort bleiben bis die Schiffe den Hafen verlassen haben. Dirk Claus, Geschäftsführer von Seehafen Kiel, ist entspannt. "Alles ist ruhig verlaufen. Für uns ist am wichtigsten, dass die Abfertigung der Schiffe reibungslos ablief." 

Protest gegen Kreuzfahrtindustrie am Sonnabend in Kiel. Rund 300 Umweltschützer demonstrieren.

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