Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel 19-Jähriger tötet Baby – Gericht verurteilt ihn zu achteinhalb Jahren Jugendstrafe
Kiel 19-Jähriger tötet Baby – Gericht verurteilt ihn zu achteinhalb Jahren Jugendstrafe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:06 25.02.2019
Das Kieler Landgericht verurteilte den 19-Jährigen am Montag wegen Totschlags und des schweren sexuellen Missbrauchs zu achteinhalb Jahren Jugendstrafe. Quelle: Uwe Paesler/Archiv
Anzeige
Kiel

Die Brutalität der Tat ist kaum zu ertragen. Ein 19-Jähriger hat nach Überzeugung des Kieler Landgerichts seine kleine Tochter vier Wochen nach der Geburt in einer Dachwohnung brutal missbraucht und grausam getötet. Das Kind starb an einem schweren Schädel-Hirn-Trauma. Das Urteil: achteinhalb Jahre Jugendstrafe wegen Totschlags und besonders schweren Missbrauchs und die dauerhafte Unterbringung des Angeklagten in der Psychiatrie.

Aufgrund seiner schweren Persönlichkeitsstörung sei der Mann für die Allgemeinheit gefährlich und habe eine schlechte Prognose, sagt der Vorsitzende Richter der Jugendkammer am Montag in der Urteilsbegründung. Der 19-Jährige wird demnach viele Jahre in der Psychiatrie bleiben müssen. Zur Tatzeit stand er nach Feststellungen des Gerichts unter Alkohol und dem Einfluss bewusstseinsverändernder Pilze.

Anzeige

Gericht kann Motiv nicht klären

Als der Kammervorsitzende die Tortur des Mädchens schildert, hört der junge Vater mit tief gesenktem Kopf zu, das Gesicht unter einem Kapuzenshirt verborgen. Im April 2018 missbrauchte er demnach seine kleine Tochter zunächst sexuell und schlug sie dann gegen die Wand oder ein Regal. Die Kindsmutter und die Mutter des Angeklagten, die im selben Haus wohnen, konnten nicht mehr rechtzeitig eingreifen. Sie standen nach der Tat genauso wie die Einsatzkräfte unter Schock.

Das Tatmotiv habe das Gericht nicht klären können, sagt der Vorsitzende Richter. Auch der Gutachter habe dazu keine Hinweise geben können. Anders als Staatsanwaltschaft und Nebenklage, die wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen lange Jugendstrafen von elf beziehungsweise zwölfeinhalb Jahren forderten, geht das Gericht von Totschlag aus. Unter anderem, weil die Motivlage nicht geklärt war und niedrige Beweggründe, die Voraussetzung für einen Verurteilung wegen Mordes wären, nicht beweisbar waren.

Gericht ordnet Unterbringung in Psychiatrie an

Wie Anklage, Nebenklage und Verteidigung geht das Gericht von verminderter Schuldfähigkeit des Angeklagten zum Tatzeitpunkt aus. Die Kammer folgt aber nicht dem weitergehenden Antrag des Verteidigers, der eine völlige Schuldunfähigkeit nicht ausschloss und deswegen nur die Unterbringung in der Psychiatrie beantragte.

Ein psychiatrischer Gutachter hatte dem jungen Mann neben einer phobischen Angststörung unter anderem auch eine beginnende Borderline-Störung, psychische Alkoholabhängigkeit und Hinweise auf eine beginnende schizophrene Störung bescheinigt. Schon in der Jugend litt der Angeklagte an Anpassungsstörungen, ihm fehlten Ehrgeiz und Eigenverantwortlichkeit. Eine Jugendbetreuerin sah ihn in seinen sozialen Fähigkeiten auf dem Stand eines Zehnjährigen. Bis auf die Anklageverlesung und die Urteilsverkündung fand das Verfahren nicht öffentlich statt. Die Staatsanwaltschaft will Revision prüfen, wie sie bereits erklärte.

Von RND/dpa

Kiel Illegale Waffenlieferung - Ex-Manager von Sig Sauer vor Gericht
25.02.2019
Bodo Stade 25.02.2019
Kiel Wagengruppe Schlagloch - Vorwürfe nach Polizeieinsatz
Niklas Wieczorek 25.02.2019