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Kiel Machete-Angreifer muss in Psychiatrie
Kiel Machete-Angreifer muss in Psychiatrie
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12:00 02.07.2019
Von Thomas Geyer
„Ich bin kein Amokläufer“, beteuert der Angeklagte am Landgericht Kiel. Er wolle lieber in den Knast. Quelle: Carsten Rehder/dpa (Symbolfoto)
Kiel

Laut Gutachten leidet der Angeklagte (30) an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Nach Alkohol- und Drogenkonsum sei er zur Tatzeit nur vermindert schuldfähig gewesen, befand die 35. Große Strafkammer.

Gefährliche Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung, Beleidigung, Volksverhetzung, Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen und Sachbeschädigung – das Gericht hatte es mit einem „ziemlich bunten, umfangreichen Strauß an Straftaten“ zu tun.

RBZ am Ravensberg in Kiel mit Naziparolen beschmiert

Der vielfach vorbelastete Täter stand unter Bewährung, als er vier Monate nach seiner letzten Verurteilung ein Kieler Parkhaus mit Naziparolen und -symbolen beschmierte. Eine Überwachungskamera hielt fest, wie er am 25. August 2018 das Parkhaus betrat.

Knapp 6000 Euro Sachschaden richtete der Angeklagte einige Wochen später am Regionalen Berufsbildungszentrum am Ravensberg (RBZ) an, wo er großflächig ausländerfeindliche Hetzparolen („Kanake verrecke“) in die Fenster des Neubaus ritzte. Ein am Tatort sichergestellter Stein trug seinen genetischen Fingerabdruck, die Zeichensetzung seine typische Handschrift: Als Punkt des Ausrufezeichens pflegte der Angeklagte ein Hakenkreuz zu kritzeln.

Angeklagter prügelte mit Teleskopschlagstock auf Frau ein

In der Vorweihnachtszeit 2018 eskalierte die Gewalt: Beim Einkaufen mit seiner Mutter, die das Scheidungskind immer wieder bei sich aufnahm, griff der Mann sie auf offener Straße an. Als eine Passantin die massiv bedrängte Frau fragt, ob sie die Polizei anrufen solle, zieht der Sohn einen Teleskopschlagstock und prügelt unter Todesdrohungen auf die Zeugin ein.

Die Situation spitzt sich tumultartig zu, als eine weitere Fußgängerin couragiert ihre Hilfe anbietet. Sie wird vom Angeklagten mit einem Tritt in die Kniekehle zu Boden gebracht. Als weitere Passanten eingreifen, greift der Täter zum Pfefferspray und kündigt an, die Bandidos einzuschalten.

Mann mit Machete bedroht - Polizei droht Gebrauch der Schusswaffe an

Am nächsten Tag kommt es zu dramatischen Szenen in Gaarden, wo der Angeklagte zunächst einen KVG-Busfahrer bedroht, der seinen Fahrschein kontrollieren möchte. 20 Minuten später zieht er im Streit mit einem Dealer eine Machete. Zufällig beobachtet ein Polizeioberkommissar im Pkw den Angriff. Er wendet, ruft laut „Polizei!“ und fordert den Bewaffneten auf, sich auf den Boden zu legen.

Doch der Mann mit der Machete bleibt stehen, hebt die 36 Zentimeter lange Klinge hoch über den Kopf. Nun droht der Beamte den Gebrauch einer Schusswaffe an, obwohl er seine Dienstpistole nicht bei sich hat. Auch jetzt folgt der Angreifer nicht, sondern wirft das Messer in Richtung Dealer und trifft ihn im Gesicht.

Wie durch ein Wunder bleibt es bei einer ein Zentimeter langen Schnittwunde, deren Narbe den Verletzten bis heute an den Vorfall erinnert. Wegen des hohen Gefährdungspotenzials verhängt die Strafkammer ein Jahr und vier Monate für diese Tat. Mit weiteren anderthalb Jahren fällt die Schlagstock-Attacke auf die Passantin zu Buche.

Angeklagter: "Ich bin kein Amokläufer"

Laut Urteil leidet der Angeklagte an einer schweren Borderline-Störung, die sein ganzes Leben prägte. Therapieversuche liefen bisher auch mangels Krankheitseinsicht ins Leere, befand ein Sachverständiger. „Lächerlich, völliger Quatsch!“, kommentiert der Angeklagte die Diagnose. Seit Januar ist er vorläufig in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht – „zusammen mit Kinderschändern und Vergewaltigern“, wie er moniert.

„Ich bin kein Amokläufer“, beteuert der Angeklagte. Er wolle lieber in den Knast. Mit 30 Jahren lasse er sich von niemandem erziehen. Dass die Kammer ihn als Gefahr für die Allgemeinheit bezeichnet, beeindruckt ihn sichtlich. Dass sein Kontakt zur Mutter aus Therapiegründen zeitweise unterbunden werden könnte, empört ihn zutiefst. Doch zuvor hatte der Angeklagte auch Reue bekundet: „Ich will ein besserer Mensch werden.“

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