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Kiel Seriendieb will EC-Karte gefunden haben
Kiel Seriendieb will EC-Karte gefunden haben
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07:00 30.04.2019
Von Thomas Geyer
Leichtes Spiel für den Angeklagten: Die Seniorin hatte der EC-Karte einen Zettel mit der Pin-Nummer beigelegt. Quelle: Björn Stähler
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Kiel

Gestern wurde der 30-Jährige wegen Computerbetrugs in fünf Fällen zu zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

"Mentalität aus Rumänien mitgebracht"

Der Prozess im Kieler Amtsgericht beginnt mit einem ungewöhnlichen Bekenntnis. Den Hang zu Straftaten begründet der Angeklagte mit seiner Herkunft aus dem Balkan: „Das ist meine Mentalität, die ich aus Rumänien mitgebracht habe.“ Am Anfang habe er Fehler gemacht, erklärt der Vater zweier schulpflichtiger Kinder in gebrochenem Deutsch. „Doch jetzt habe ich meine Lektion gelernt.“ Tatsächlich wurden nach den gestern verhandelten Taten keine neuen Vorwürfe mehr bekannt.

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Doch sogar der Verteidiger äußerte gestern den Verdacht, dass sein Mandant die EC-Karte der Seniorin weder wie behauptet „gefunden“ noch nach der ersten Abhebung von 1500 Euro am Geldautomaten der Sparkasse „wieder weggeworfen“ hatte. Denn die 70-jährige Besitzerin war nach eigenen Angaben unmittelbar vor der Geldabhebung bestohlen worden – von Kindern.

Seniorin machte entscheidenden Fehler

Als die auf Gehhilfen angewiesene Frau nach ihrem Einkauf im Drogeriemarkt ihre Krücken beiseite stellte, um am Ausgang noch Geschenkfolie von einer Rolle zu reißen, seien mehrere Kinder um sie „herumgewuselt“. Anschließend kam ihr die Handtasche so leicht vor, gab sie bei der Polizei zu Protokoll. Als sie nachschaute, bemerkte sie den Verlust ihres Portemonnaies.

Ihr Fehler: Die Seniorin hatte der EC-Karte einen Zettel mit der Pin-Nummer beigelegt. So hatte der Angeklagte leichtes Spiel. Wie die Überwachungskameras dokumentieren, hob der Familienvater um 12.56 Uhr am Geldautomaten 1500 Euro ab. Die Fotos vom 23. Dezember 2017 identifizieren ihn eindeutig. In seiner Nähe sind eine Frau und Kinder zu sehen. „Die kenne ich nicht“, sagt der Angeklagte vor Gericht.

 Unter dem Druck der Beweise gesteht der Angeklagte lediglich die Abhebung der 1500 Euro, mit denen er Geschenke für die Familie gekauft haben will. Der 30-Jährige räumt auch seinen Versuch ein, weitere 500 Euro abzuheben. Doch die Auszahlung wurde verweigert, weil das Tageslimit erreicht war. Dagegen bestreitet der Angeklagte entschieden weitere Einsätze der EC-Karte.

Wo und wann er die Karte samt Spickzettel mit der Pin weggeworfen haben will, weiß er nicht mehr. Nicht nur deshalb ist die Richterin davon überzeugt, dass der Angeklagte damit eine halbe Stunde später in der Rendsburger Landstraße bei Lidl und bei Aldi shoppen ging. Die Kassen der Discounter belegen Einkäufe im Gesamtwert von rund 700 Euro.

Angeklagter muss Schaden zurückzahlen

Laut Urteil muss der Angeklagte nun den Gesamtbetrag von 2200 Euro in Raten zurückerstatten – an die Sparkasse, die ihrer Kundin den Schaden ersetzte. Nach Aktenlage hatte die Seniorin bei der Polizei erklärt, die Pin auf dem Zettel verschlüsselt zu haben. Dies bestritt der Angeklagte. Er will die Geheimnummer 1:1 abgelesen und am Geldautomaten eingetippt haben.

Der Widerspruch blieb ungeklärt: Im Prozess ließ sich die Seniorin wegen eines längeren Auslandsaufenthalts entschuldigen. Der Angeklagte steht jetzt für zwei Jahre unter der Aufsicht eines Bewährungshelfers. Er bekundete nachdrücklich Reue, Einsicht und den Willen zur Integration. Laut Urteil hat er mit seinem 450-Euro-Job und der hörbar erfolgreichen Deutschkurs-Teilnahme eine gute Sozialprognose.

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