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Kiel Wildwest auf dem Kieler Ostufer
Kiel Wildwest auf dem Kieler Ostufer
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07:00 22.09.2018
Von Thomas Geyer
Verhandelt wird vor dem Amtsgericht ein blutiger Streit zwischen zwei Männern, die sich zuvor noch nie gesehen hatten. Quelle: Angelika Warmuth
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Kiel

Verhandelt wird vor dem Amtsgericht ein blutiger Streit zwischen zwei Männern, die sich zuvor noch nie gesehen hatten. Beide wollen unbewaffnet gewesen sein. „Er fuhr extrem dicht auf“, berichtet der damals erheblich verletzte Zeuge. Im Sportwagen passierte er das Thyssen-Krupp-Gelände auf der vierspurigen Werftstraße in Richtung Ellerbek. „Rechts ein Bus, links ich. Der Angeklagte überholte im Gegenverkehr.“

Mit Raserei in der Werftstraße ging's los

Beim nächsten Ampel-Stopp an der Franziusallee habe er den Drängler durchs geöffnete Fenster angesprochen: „Was war das denn eben? Willst Du uns umbringen?“ Nach kurzem Wortwechsel sei der Angeklagte im Cabriolet durchgestartet. „Er versuchte, mir den Weg abzuschneiden“, sagt der Zeuge. Doch er gab ebenfalls Gas und setzte sich vor den Angeklagten.

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Mit der Folge, dass ihm dieser auf der Weiterfahrt „an der Stoßstange klebte“. Weil der Zeuge den Verfolger nicht zu seiner Wohnung lotsen wollte, fuhr er zunächst um den Block, hielt dann aber an und stieg aus. „Ich habe Konflikte in meinem Leben bisher immer mit Worten geregelt“, erklärt er der Richterin. Auch der Angeklagte stieg aus. „Er hat seine Hunde rausgelassen – alle drei“, sagt der Zeuge. „Dann flog auch schon eine Faust.“

Der 25-Jährige konnte den Angeklagten mit drei Schlägen ins Gesicht außer Gefecht setzen, erlitt jedoch neben einer sechs Zentimeter langen Stichwunde an der Brustwand typische Abwehrverletzungen: oberflächliche Schnittwunden an Händen und Armen. Zu erheblichem Blutverlust führte ein acht Zentimeter langer Querstich am Bein, so der Vorwurf.

Angeklagter dreht den Spieß um

Der Angeklagte bestreitet den Vorwurf, dreht in seiner Aussage den Spieß um: Nicht er selbst sei bewaffnet gewesen, sondern der Zeuge, sagt er. Der habe ihn schon an der roten Ampel angeschrien und ihm mit den Worten „Ich mach dich fertig!“ eine Pistole gezeigt. „Ich wollte den Mann nicht weglassen und fuhr hinterher“, sagt der Angeklagte, der nach eigener Aussage ebenfalls „viel Fitness“ machte. Schließlich sei der Zeuge aus seinem Pkw gestiegen – mit einem Beil in der Hand. „Ich hab´s ihm weggenommen“, sagt der Angeklagte und spielt die Szene kurzerhand mit seinem Verteidiger vor.

Als „Beweisstück“ legt der Angeklagte ein graues T-Shirt auf den Tisch, das er bei dem Kampf getragen haben will. Die Unterkante ist zerschnitten, auf der Brust prangen die Großbuchstaben „FBI“. Wildwest auf dem Ostufer? Bei der Fortsetzung des Prozesses soll eine Gerichtsmedizinerin prüfen, ob die inzwischen verheilten Verletzungen des Zeugen auch von einem Beil stammen könnten.

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