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Kiel Konto geplündert, Gütetermin gescheitert
Kiel Konto geplündert, Gütetermin gescheitert
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07:56 22.04.2018
Von Thomas Geyer
Ein Gütetermin im Kieler Landgericht brachte gestern keine Einigung zwischen den Parteien. Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Kiel

Zivilrichter Patrick Breyer, der sich bis 2017 als Fraktionsvorsitzender der Piratenpartei im Landtag für Datenschutz engagierte, fasste zu Beginn der Sitzung den Sachverhalt und die Rechtslage zusammen. Danach nutzt der Kläger schon seit Jahren Online-Banking unter Einsatz der sogenannten SMS-Tan. Banken und Sparkassen werben mit der Sicherheit des bequemen Verfahrens, bei dem sie dem Kunden für jede Überweisung eine Code-Nummer aufs Handy senden. Erst mit der Eingabe dieser Tan gibt der Kontoinhaber die Überweisung frei. Nach Breyers Einschätzung spähte ein Täter nicht nur die Zugangsdaten auf dem Computer des Klägers aus, sondern nahm auch Zugriff auf die eingehende SMS.

Möglicherweise hätten sich die Hacker in den Besitz der Sim-Karte des Klägers gebracht, so Breyer. Dafür könnte sprechen, dass der Geschädigte kurz vor der Abbuchung eine Handy-Störung registrierte und der Telekom meldete. Wie seine Anwältin gestern mitteilte, schickte ihn die Störungsstelle in einen Kieler Telekom-Laden, der ihm eine Zweitkarte ausgehändigt habe.

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Nach der Plünderung seines Kontos will der Kläger sofort die Polizei und seine Bank informiert haben. Jetzt ermittle die Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg. Er selbst wisse nichts über den Empfänger der 28.000 Euro.

Breyer fragte den Kläger nach der Sicherheit seines Computers. Der gab Auskunft über Art und Funktionsweise seines Antivirenprogramms. Die beklagte Sparkasse bezweifelt, ob der Kläger alle erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat. Der Fehler liege nicht im technischen System der Sparkasse, sagen die Anwälte. „Wir sind der Auffassung, die Telekom muss haften.“

Trotzdem könne man sich eine Kulanzlösung vorstellen und biete ein Drittel der Schadenssumme an. „Ich möchte, dass die Bank mir den Schaden komplett ersetzt“, erklärte der Kläger. Richter Breyer gab den Parteien sechs Wochen Frist zur Einreichung weiterer Stellungsnahmen. Am 22. Juni will er eine Entscheidung verkünden.

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